Kultur
Mit Freiwilligenarbeit viel Kleinkultur, und zwar ohne Stempeluhr

Mit einem Helferzuwachs von 50 Prozent startet das neu 30-köpfige Team vom Verein Kulturm im Muttiturm in die Saison. Eröffnung ist am 19. September.

Andreas Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Die Kulturm-Crew (hier nur ein Teil davon) bereitet sich auf die kommende Saison vor. Simon Kneubühl

Die Kulturm-Crew (hier nur ein Teil davon) bereitet sich auf die kommende Saison vor. Simon Kneubühl

Stadtpräsident Kurt Fluri hat für sie öfters mal Lob und Dank parat: für all jene Kulturstätten, die ohne Zustupf aus der öffentlichen Hand, dafür aber mit ehrenamtlichem Elan vieler Hände in Solothurn tätig sind. Eine davon ist der Verein Kulturm im Muttiturm, hinter dessen dicken Mauern zurzeit Freiwillige den Saisonstart am 19. September vorbereiten.

3000 Mannstunden sind es, die an geleisteter Arbeit jährlich zustandekommen. Nun hat das Team innert kurzer Zeit stattlichen «Nachwuchs» erhalten, wie Rafael Waber vom Kulturm-Vorstand informiert: «Gesamthaft sind wir aktuell 30 Teammitglieder. Und 10 davon sind allein in den letzten Monaten hinzugekommen.»

Neu dabei ist auch der 40-jährige Raymond Plüss. Als Büromensch ist es für ihn die ideale Abwechslung, im Kulturm mitzuhelfen, gerade wenn es darum geht, wie jetzt eine Wand im Eingangsbereich neu zu streichen. «Das Büropult hingegen sieht am Abend genau gleich aufgeräumt aus wie am Morgen.»

Auch Banker packen hier an

Reicht «Abwechslung» als Motivation für den frischbackenen Ehrenamtlichen aus? Er legt den Farbroller zur Seite und ergänzt: «Seit dem Teenageralter ist Kultur für mich ein wichtiger Lebensinhalt.» Kultur bewege aber auch andere Menschen, rege zum Nachdenken an und helfe, auf andere Gedanken zu kommen. Ein Kontrastprogramm zum Alltag, auch für Plüss.

«Unser Team reicht von 20- bis 60-Jährigen», sagt Waber. Und sie tun hier, was sie im Arbeitsalltag nicht tun würden» – was erklärt, weshalb sogar Banker im Kulturm ehrenamtlich die Ärmel hochkrempeln. «Es sind alles Menschen, die Freude an der Kultur haben und Teamarbeit schätzen. Menschen, die nicht auf die Uhr schauen.» Trotz Zulauf an neuen Ehrenamtlichen gibt es noch Bedarf: «Barpersonal können wir noch brauchen», so Waber.

Ein Betrieb ohne Freiwillige? In einer Institution, die zu 100 Prozent durch Freiwilligenarbeit am Laufen gehalten wird, undenkbar. «Finanziell sind wir jetzt stabil, die Erfolgsrechnung geht auf», sagt Waber weiter; dies dank Fundraising, Sponsoring und freiwilligen Spenden von registrierten Gästen und eben dem Mitgliederbeitrag in Form von Fronarbeit.

Finanzielle Altlasten liegen auf

Woran man trotz des ausgewogenen Haushalts immer noch arbeiten müsse, seien finanzielle Altlasten. Kosten, die im Übergang zur heutigen Form des Kulturm aufgekommen seien. Waber nennt den Aufbau einer neuen Website und die Konzeption des gedruckten Saisonprogramms. «Die Finanzierung bleibt Thema Nummer eins», fasst er zusammen. Als mögliche Idee nennt er einen Gönnerverein «Freunde des Kulturm», «so könnten wir finanziell noch stabiler werden.»

Bewährte Anlassstruktur

Zur Stabilität beitragen kann auch ein Anlasskonzept, das sich bewährt. Die Programmgliederung in Kleinkunst, Fotokunst, Loungebar, «Intime Konzerte» sowie «Kulturm extra» lässt aus Sicht Wabers eine positive Bilanz zu: «Insbesondere jene Leute, die sich nur für eine Sparte interessieren, können so ihren Lieblingsanlass schneller finden.»

Er streicht als besonderen Saisonhöhepunkt die «Swiss Guitar Night» vom 21. September hervor, das heuer zum fünften Mal über die Bühne geht. Ein weiteres bewährtes Format stelle «Chargé pour Soleure» dar. Sieben Biere sind dieses Mal die Hauptdarsteller, die theoretisch wie praktisch thematisiert werden. «Hier wird der Genuss von Alkohol zur Kultur und nicht zum Besäufnis.»

Neben den kulturellen Geheimtipps abseits des Mainstreams werden zudem einige namhafte Zugpferde Publikum anlocken: Dazu zählen Pedro Lenz (20.9.), Knuth & Tucek (1.11.), Trummer & Stoller (2.11.) Michael von der Heide (30.11.) oder Kilian Ziegler und Samuel Blatter (13.12.). Ebenfalls stellt zum Saisonstart die solothurnstämmige Fotografin Ellin Anderegg aus. Ihre Werke widmen sich dem Thema Brustkrebs.