Wer die Unterführung bei der Blauen Post heute Morgen auf dem Arbeitsweg benutzte, hat sich wohl die Augen gerieben. So hell und freundlich war diese seit langem nicht mehr. Weiss getünchte Wände und Decken statt Graffiti und Verunreinigungen aller Art.

«Ich bin Mitglied der Vereinigung Pro Vorstadt und wohne im Fischergarten», sagt Bernadette Kälin am Samstagmorgen und hält einen Farbroller in der Hand. «Für uns ist dies die beste Verbindung in die Stadt, aber in den letzten Jahren war der Durchgang unangenehm und sicherheitsmässig auch für Kinder unzumutbar.»

Bernadette Kälin gehört zu den rund 35 Männern und Frauen, die sich bereit erklärt haben, Abhilfe zu schaffen. Auch für Antonia Loosli, Kundenberaterin bei der Credit Suisse, ist die Motivation, an der Verschönerungsaktion teilzunehmen, klar: «Ich möchte gerne etwas für die Stadt tun und finde, dass dies auch ein Ausgleich zum Bürojob ist.» Zudem sei es schön, als Bürogemeinschaft etwas zusammen zu unternehmen.

Einsatz für gemeinnütziges Projekt

Philipp Merkt, Leiter Privatkunden bei der Grossbank in Solothurn, erklärt inmitten von engagierten Amateurmalerinnen und Amateurmalern, die unter der Regie von Martin Schwarter von der Pfister Maler und Gipser AG stehen, weshalb sich die Credit Suisse an dieser Aktion beteiligt: «Die Credit Suisse führt weltweit sogenannte «Volunteer Days» durch und ermuntert die Mitarbeitenden, sich für gemeinnützige Projekte einzusetzen.» Innert kurzer Frist hätten sich deshalb 18 Mitarbeitende bereit erklärt, an der Aktion teilzunehmen.

Ende des Schwarz-Peter-Spiels

Für Martin Tschumi, Präsident von Pro Vorstadt, war die Freude gross, als die Bank bei ihm vorstellig wurde und ihn bat, ein geeignetes Projekt auszusuchen. Zusammen hätten sie sich für die Unterführung bei der Blauen Post entschieden.

«Wir wollten endlich ein Zeichen setzen, denn seit längerem ist die Veränderung der Situation wie ein Schwarzer Peter immer wieder hin und her geschoben worden.» Weder die Post noch die SBB, gemeinsame Eigentümerinnen der Unterführung, hätten sich verpflichtet gefühlt. Bei der Stadt, die für die Reinigung und den Winterdienst verantwortlich ist, sei man aber nun auf offene Türen gestossen.

Wie Benedikt Affolter vom Stadtbauamt bestätigt, sollte auch die vorgesehene Treppe bis Ende Jahr fertiggestellt sein. Auch die Lichtquellen und die alten Plexiglasabdeckungen sollen demnächst von der Regio Energie Solothurn ersetzt werden.

Und während man sich beim verdienten Apéro über die geleistete Arbeit freut, wird gleich noch beschlossen, die ebenfalls in die Jahre gekommenen Markierungen am Boden zu erneuern. Notabene stiess man beim Wegschneiden der Sträucher und Gräser in der Unterführungsmitte auf Spritzendeponien und Drogenverstecke.