Solothurn

Mit einem «sportlichen» Terminplan: Sämtliche Dächer des Vigierhofs werden saniert

Im Herzen der Solothurner Altstadt werden sämtliche Dächer des Vigierhofs bis in den Herbst hinein saniert.

Bis zu 50 Grad Hitze und ein steiler, schräger Untergrund, das sind derzeit die Arbeitsbedingungen für die Dachspezialisten der Lüthi Gebäudehüllen AG Zuchwil. «Da ist es wichtig, immer wieder Pausen zu machen», weiss Projektleiter Patrick Rauber, dessen Leute allerdings vorwärtsmachen müssen: Bis Ende Oktober sollen die Dächer der neun Vigierhof-Liegenschaften allesamt saniert sein.

Derzeit wird über der Goldgasse und dem Restaurant da Daniele gearbeitet, dann wird quasi der ganze Dächerkranz hofseitig, an der Schaalgasse und zuletzt über der Hauptgasse am Märetplatz saniert. «Das ist sehr sportlich», beurteilt Rauber den Terminplan der Vigierhof AG und der Brand Immobilien AG – immerhin müssen 42'000 bis 43'000 Ziegel auf einer Fläche von 1650 Quadratmetern bewegt werden.

Besser isoliert

«Wir investieren rund eine Million Franken in die Dachsanierung», die für Hans-Ulrich Dür, Verwaltungspräsident der Vigierhof AG, ein gutes und wichtiges Vorhaben ist. Die informierte Mieterschaft ist von den Arbeiten nicht direkt betroffen, auch unter den Dächern können alle in ihren Räumlichkeiten bleiben. Doch entscheidend ist für Dür und Patrick Rauber, dass mit den jetzigen Arbeiten auch eine energetische Sanierung einhergeht. «Die Isolationsschicht wird um 6 Zentimeter dicker und wächst auf 24 Zentimeter an», erklärt der Projektleiter der Lüthi AG, deren Chef Beat Lüthi schon in den achtziger Jahren als junger Arbeiter beim Umbau des Vigierhofs Mitte der achtziger Jahre mitgewirkt hatte.

Kunststoff- und Holzfaserdämmplatten sowie spezielle Folien, laut Rauber «alles Hightech-Materialien», sorgen für weniger warme Temperaturen im Sommer unter den Dächern, speichern dagegen die Wärme im Winter besser. «Das ist alles Handarbeit», betont Patrick Rauber, denn im engen Häusergewirr muss das Material traditionell auf die Dächer aufgezogen werden. «Ein Kran kam nicht infrage», erklärt wiederum Hans-Ulrich Dür – ein solcher hätte die Gold- oder auch Schaalgasse völlig blockiert.

«Subtiler Perimeter»

Die spezielle Situation des Vigierhofs mit neun unterschiedlichen Dachhöhen beschäftigte die Bauherrschaft noch in einem anderen Bereich. «Wir sind hier in einem subtilen Perimeter», gibt Hans-Ulrich Dür zu bedenken. Steht doch die gesamte Altstadt dem Ensembleschutz. «Unter Einzelschutz sind drei Häuser des Vigierhofs, für die wir zuständig sind», erklärt Urs Bertschinger von der kantonalen Denkmalpflege, die als oberste Gralshüterin der Solothurner Altstadt-Dachlandschaft gilt. Mit einbezogen wurde aber auch die Altstadtkommission.

Bertschinger streicht die gute Zusammenarbeit mit der Vigierhof AG heraus, und kann mit den ersten Resultaten der Dachsanierung sehr gut leben. «Von unten sieht man keine Veränderung. Und ein grosser Vorteil ist, dass keine neuen Spenglerarbeiten notwendig sind. Diejenigen vom Umbau bleiben und müssen lediglich bei der Dachsanierung demontiert und danach wieder montiert werden.»

Noch kein «Fürobe-Ziegel»

Eingedeckt werden die Dachflächen allesamt wieder mit den alten, im Schnitt 200-jährigen, handgemachten Biberschwanzziegeln. «Leider haben wir bis jetzt noch keinen ‹Für-obe-Ziegel› gefunden», bedauert Patrick Rauber. Dieser letzte, gelegte Ziegel eines Daches weist in der Regel eine Handsignatur des Dachdeckers auf und verrät deshalb auch sein Alter.»

Diese alten Ziegel sind an sich sehr resistent gegen Witterungseinflüsse, doch gilt es gewisse Dachdeckerregeln einzuhalten. «Man darf nie Ziegel von der Nord- auf die Südseite oder umgekehrt verlegen», so Patrick Rauber. Denn die betreffenden Ziegel seien an kühlere oder eben heissere Temperaturen «gewöhnt». Ohnehin sind die Dachdecker fast wie die Bauern genaue Beobachter der Wetterabläufe. Trockenes Wetter ist Voraussetzung für einen zügigen Arbeitsablauf, und deshalb soll die Sanierung der Vigierhof-Dächer auch vor dem Spätherbst mit seinem zunehmend garstigen Wetter erfolgt sein.

Gefürchtet sind aber auch die derzeit immer möglichen sommerlichen Platzregen. «In einem solchen Fall muss nämlich alles dicht sein.» Und deshalb werfen Raubers Leute nicht nur immer wieder einen Blick in den Himmel, sondern auf die heute recht präzisen Wetter-Apps mit ihren Unheil kündenden Radar-Modellen.

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