Stadtführerin Susanne Im Hof trippelt die St.-Ursen-Treppe hinauf. Wir folgen ihr auf dem Fuss. Und bleiben oben links vor der Balustrade, dem steinernen Geländer, stehen. «Jeder Baluster ist ein aus Solothurner Stein gehauenes Einzelstück», erklärt sie. Wo Susanne Im Hof gerade ist, wissen wir nicht. Denn sie steht nicht leibhaftig vor uns, sondern nur virtuell. Auf dem Bildschirm des iPads.

Für Dieter Bedenig ein echter «iGuide», den es nach seinem Wissensstand so in der Schweiz noch nirgends gibt. «Nun, Erfinder ist ein grosses Wort», lacht er – doch ein bisschen stolz auf seine neueste Errungenschaft, Besuchern die Stadt über den Solothurner Stein näherzubringen. Ein einstündiger Rundgang, beginnend vor St. Ursen, über das Baseltor und die Schanzen hinab auf die Kreuzackerbrücke und zurück über den Märetplatz zum Ausgangspunkt wird angeboten. Besprochen von Susanne Im Hof und ihrem Kollegen Hanspeter Mathys. Eine Stadtführung der besonderen Art.

Das Museum ist zu klein

Das System, dessen Technik Tom Kummer konzipiert hat, ist einfach. Auf dem Bildschirm können drei Symbole gedrückt werden, die für «rückwärts», «anhalten» und «weiter» stehen. Kaum im Innern von St. Ursen angelangt, ein Druck auf die Taste, und mächtig braust die Orgel auf. Das kann keine Stadtführerin und kein Stadtführer «just in time» bieten. Genauso wenig wie am Schluss des virtuellen Rundgangs das «Solothurner Lied» erklingen zu lassen.

Braucht es deshalb bald gar keine «Profis» mehr, die Solothurn Auswärtigen persönlich näherbringen? Dieter Bedenig winkt ab. «Das Ganze ist selbstverständlich mit Tourismusdirektor Jürgen Hofer abgesprochen.» Der iGuide sei für Einzeltouristen, bestenfalls Paare gedacht, aber keineswegs für ganze Gruppen.» Auslöser für die Idee war die Beengtheit des Steinmuseums gewesen, das auf der virtuellen Rundreise zwar zum Besuch empfohlen, aber (noch) nicht aufgesucht wird (vgl. Kasten).

«Mit dem iGuide werden die beschränkten Möglichkeiten des Museums, die Anwendung des Solothurners Steins im Stadtbild zu zeigen, massiv ausgeweitet», so Bedenig. Der Clou an der Sache ist für den Initianten aber, dass im Gegensatz zu den bekannten Audio-Guides mit Nummern auf Stadtplänen nun in Solothurn die St.-Ursen-Kathedrale, die Schanzen, das Rathaus, Türme und Tore sowie die dazu informierenden Personen auch visualisiert und somit sichtbar sind.

Nur gegen Ausweis

Als weiteren Bedienerkomfort offeriert der iGuide auch die Auswahl zwischen vier Sprachen – englisch, französisch, hochdeutsch und Mundart. «Wir wollten eben etwas haben, mit dem man auf dem Rundgang kein anderes Hilfsmittel braucht», verweist Dieter Bedenig auf seine hohen Ansprüche an die Bedienerfreundlichkeit des Systems.

Insgesamt 20 000 Franken wurden in die Entwicklung des iGuides investiert, 350 Franken hat ein Set mit Kopfhörern und Tablet gekostet. Ab sofort sind vier Stück im Tourist Office am Kronenplatz sowie zwei im Steinmuseum verfügbar. Ein einstündiger Trip ins «steinreiche Solothurn» kostet 8 Franken, «und zur Sicherheit muss als Depot ein Ausweis abgegeben werden», erklärt Bedenig.