Solothurn
Mit einem Essen im Schaufenster wird dem Abendverkauf hier Würze verliehen

Im «Chuchilade» dinierten am Donnerstag acht Leute hinter dem Schaufenster. Das Konzept «La Fenêtre» soll den Abendverkauf aufwerten. Ein erlebnisgastronomisches Lehrstück.

Andreas Kaufmann
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Andy Zaugg, Sternekoch, konzentriert beim Kosten
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Genuss
Die Gäste hatten Spass
Küchenteam
Gäste im Fenster
Essen im Schaufenster in Solothurn
Misosuppe
Kyõsen Yakitori
Schwarzer Seehecht mit Grünteedashi
Rib-Eye Dekonstruiert
Outsideskirt
Zuschauer
Jakobsmuschel-Ceviche mit Yuzu
Dashi Soba mit Pouletfilet
Amuse

Andy Zaugg, Sternekoch, konzentriert beim Kosten

Zur Verfügung gestellt

Der Anblick bringt den einen oder anderen Passanten im Abendverkauf vor dem «Chuchilade» dazu, innezuhalten. Sitzen dort acht Leute zu Tisch. Nicht weniger als neun Gänge werden serviert. Dazu via «Überwachungskamera» ein Blick in die Küche im Laden. «Fusion-Küche mit japanischen, europäischen und südamerikanischen Einflüssen», erklärt «Chuchilade»-Geschäftsleiter Daniel Wagmann, der durch autodidaktisches Lernen zur Passion des Kochens gelangte und an diesem Abend als «Küsche» amtet. Die Idee zur Aktion «La Fenêtre» entstand letzten Oktober, als Wagmann beabsichtigte, eine Designer-Schauküche im Laden zu installieren. Seit April nun ist diese eingerichtet und dient als Ausgangspunkt für Food-Workshops. Mit «La Fenêtre» gingen Wagmann und sein Team noch einen Schritt weiter: Gastrobetriebe und Detailhandel, sowie Gäste und Kunden zusammenzubringen. Die Devise: Einkauf soll als Erlebnis gestaltet werden. «Die Zeiten, da der Kunde nur in den Laden geht, um was aus dem Regal zu nehmen, ist vorbei», so Wagmann. Dass sich dazu der Abendverkauf gut eignen würde, spricht für sich. «Die Passanten sehen, wie gekocht und gegessen wird – eine Interaktion zwischen Küche und Kunde.» Nachdem anlässlich der Premiere am Donnerstagabend Wagmann und seine Küchenbrigade, das Team des «Chuchilade», sowie ein «Baseltor»-Koch als Profisupport an die Kochtöpfe stürmten, folgen bis April fünf weitere Daten und somit fünf Solothurner Gastrobetriebe, die sich ebenfalls im «Chuchilade» präsentieren werden. Dabei hat Autodidakt Wagmann eine Steilvorlage für die nachfolgenden Köche geboten: Sein Überraschungsmenü enthält Gänge wie Lammmilken-Yakitori-Spiesse, ein Jakobsmuschel-Ceviche oder ein Oolong-Hai-Sorbet als Abrundung. «Das Menü ist im japanischen Kaiseki-Stil gehalten», sagt Wagmann. Konkret handelt es sich um leichte Küche, die oft zu einer Teezeremonie serviert wird.

«Wie ein gutes Uhrwerk»

Wagmann hatte gute Gründe, wegen der Premiere nervös zu sein, wie er selbst zugibt. So sass auch der vormalig vom «Alten Stephan» bekannte Sternekoch Andy Zaugg zu Tisch. «Zaugg sagt ungefiltert, was er denkt», weiss Wagmann. Umso dankbarer dessen Fazit nach erfolgtem Gaumenschmaus: «Ein Highlight jagte das andere. Das Essen hatte das Potenzial, in einem guten Restaurant serviert zu werden», so Zaugg. Wagmann ergänzt: «Das Team hat wie ein gutes Uhrwerk funktioniert – bei einem aufwendigen Menü.» Doch auf Lorbeeren ausruhen will sich dieser nicht: «Am Montag reise ich wieder für zwei Wochen nach Tokio», sagt Wagmann. Und wie jedes Mal, wenn er in die Ferien fährt, wirds auch diesmal eine kulinarische Studienreise werden ...