Künstlerhaus S11

Mit der Ausstellung «Die Schmiedengässler» erinnert das Künstlerhaus an die Gründergeneration

Im Künstlerhaus S11 sind seit letzten Samstag ausgewählte Werke aus der Gründergeneration der 70er und 80er in der Ausstellung «Die Schmiedengässler» zu sehen.

«Wir wollten eine Ausstellung machen, die es so noch nie gegeben hat», sagt Fritz Breiter. Der 81-jährige Künstler und Kunsthändler des Künstlerhauses S11 hat die neue Ausstellung «Die Schmiedengässler» organisiert, die am 6. Juni ohne Vernissage gestartet ist. Vorgesehen wäre sie eigentlich bereits Ende März gewesen, nun aber läuft sie bis mindestens bis am 28. Juni. «Es ist eine spezielle und wichtige Ausstellung für das Haus», sagt Breiter.

Es handelt sich um ausgewählte Werke der ersten Generation des Künstlerhauses, der «Gründergeneration», an die im Nachgang des 40. Jubiläums des Hauses vorletztes Jahr erinnert werden soll. «Wir wollen uns darauf besinnen, wie schnell doch die Zeit vergeht», sagt Breiter, der die Entwicklung des Künstlerhauses seit den Anfängen in den 70er Jahren miterlebt hat, jeden ausstellenden Künstler noch persönlich kennt und die Ausstellung mit seinen eigenen Erinnerungen prägt.

Erinnerungen an die Anfangszeiten

Gleich am Eingang des Hauses im Erdgeschoss hängt ein grosses Gemälde einer Schuhleiste. «Die erste Ausstellung mit Bildern war den Werken von Ronny Geisser, nachdem er leider ein Jahr zuvor verstorben war, gewidmet» steht auf einem Stück Papier an der Wand daneben. Ein Ausschnitt aus einem Gespräch, das Fritz Breiter und Franco Müller – Mitorganisator der Ausstellung – mit den Gründern und Künstlern Heini Bürkli, Erich Senn, Heini Stucki und Heinz Egeli im März 2020 für die Ausstellung geführt hat. «Die Schuhleiste» ist eine Anlehnung an die allererste Ausstellung im Haus und soll an Geisser erinnern, der noch vor der Gründung des Künstlerhauses im Jahr 1978 verstorben ist. «Ich habe von ihm noch einen ganzen Berg von Bildern», sagt Breiter schmunzelnd. Viele der ausgestellten Werke stammen aus seiner eigenen oder aus der Sammlung des Künstlerhauses. «Wir wollten nicht bei jedem nachfragen gehen, was er ausstellen möchte», sagt er.

Dennoch sei er für ein bestimmtes Bild zum Künstler Heini Bürkli nach Hause gefahren, um es abzuholen. Das 39 Jahre alte Werk hängt ganz hinten im Eingangsbereich: Es ist eine eher expressionistische Darstellung eines Baumes aus Unterramsern. Wie die meisten ausgestellten Objekte ist es im gemeinsamen Schaffen aller neun Gründer – Heini Bürkli, Urs Hanselmann, Armin Heusser, Arthur Moll, Erich Senn, Peter Travaglini, Heini Stucki, Martin Ziegelmüller und Max Brunner – in den 70er oder 80er Jahren entstanden. Wie Fritz Breiter weitererzählt, haben sich die Gründer eines Tages in Unterramsern zusammengetroffen und jeder habe auf seine Art und Weise etwas rund um das Dorf kreiert. «Zufälligerweise Unterramsern» hiess die Aktion. Und ähnlich seien weitere Gemeinschaftsprojekte der Gründer entstanden, die in den Stockwerken oberhalb zu sehen sind.

Auf der zweiten Etage beispielsweise sind Jahreskalender von 1981-83 ausgestellt, die die Künstler gemeinsam für zusätzliche Einnahmen fertigten und verkauften. Die einzelnen Seiten sind mit Linolschnitt gefertigt worden und ein jedes ist einzigartig und erzählt in abstrakter oder klarer Bildsprache seine eigene Geschichte. Im Zimmer oberhalb hängen mehrere farbige, gemusterte Stoffe von der Decke herab. Entstanden seien sie im Rahmen einer «Batik-Aktion» des Künstlerhauses von unterschiedlichen Künstlern.

«Die Schmiedengässler» als Überbegriff

Alle ausgestellten Werke treffen bei der aktuellen Ausstellung zum ersten Mal auf ein Publikum, wie Breiter erzählt. Darunter ist auch er mit einem Gemälde einer Baustelle vertreten. «Das habe ich aufgehängt, um die leere Wand zu füllen», sagt er lachend. Der Titel der Ausstellung «Die Schmiedengässler» verstehe sich daher auch als Überbegriff für all diejenigen, die im Künstlerhaus wirken und wirkten. Der Begriff sei aber noch nie so verwendet worden. Es sei eine Erfindung, hängt Breiter an. Es ist der Titel für eine Hommage an die Geschichte des nun 42-jährigen Künstlerhauses, das in kurzen Momentaufnahmen noch bis am 28. Juni an der Schmiedengasse 11 erzählt wird.

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