Junge Menschen in klassische Konzerte zu locken und die Musik vergangener Epochen näher bringen, gehört zu den Herausforderungen unserer Zeit. Dem Stadtorchester Solothurn indessen gelingt es mit den Kinderkonzerten, Kinder und Jugendliche für Klassik zu begeistern. Zudem schenkt es häufig Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, mit grossen Werken aufzutreten.

Am Wochenende kam beides zum Zuge. So stand Pianistin Camille Sublet mit Beethoven im Zentrum, während mit «Peter und der Wolf» kleine Besucher mit offenen Augen und Ohren der genialen Erzählerin Barbara Grimm, dem aufgeweckten Peter (Yorin Moll), sowie dem hungrigen Wolf, der Katze und der dummen Ente folgten. Ein Grosseinsatz für das Stadtorchester und den Dirigenten Harald Siegel, mit dem sie das Publikum von morgen ansprachen.

Demgegenüber präsentierten sie den Besuchern am Sonntag eine Solistin von heute und von morgen: Die 1994 in Biel geborene Camillie Sublet. Die Klavierhoffnung hat unter anderem den vom Sinfonie Orchester Biel-Solothurn veranstalteten Wettbewerb «Talent!» gewonnen und später mit den Bielern das zweite Klavierkonzert von Beethoven gespielt. Nun folgte das Klavierkonzert Nr. 3, gemeinsam mit dem Stadtorchester Solothurn. Beethovens einziges Klavierkonzert in Moll klingt nicht wie sonst bei ihm in der Tonart c-Moll üblichen pathetisch-heroischen Art, sondern schwärmerisch, melancholisch-drängend, empfindsam und poetisch. Eine gute Wahl für ein Jungtalent, um zu reüssieren.

Ohne Effekthascherei

Camille Sublet beeindruckte denn auch mit souveränem, ungekünsteltem Auftreten und dem Verzicht auf jedwelche Effekthascherei. Sie spielte unbefangen virtuos, mit straffen Tempi. Die schnellen Passagen blitzten wie Leuchttürme, während die langsamen Sätze meditativ glühten. Das Spiel der jungen Pianistin zeichnet sich durch lebendige Artikulation und dramatische Kraft aus. So weich und homogen die Orchesterfarben aufleuchteten und so harmonisch sich der Dialog zwischen Solistin und Orchester gestaltete, unter Harald Siegels Leitung wurde auch das Kantige und Energische mit der notwendigen Konturenschärfe hörbar. Zudem legte er Wert auf die Balance zwischen Bläsern und Streichern. Diese war bei Haydns Sinfonie Nr. 104 zwar nicht immer ganz so gegeben wie bei der Beethoven-Interpretation, doch wusste Siegel Haydns rhythmische Energien und tänzelnde Eleganz zu beschwören. Die Programmwahl passte im Übrigen ausgezeichnet zu dem die verschiedenen Konzerte umspannenden «Generationen»-Bogen, hatte Beethoven doch unter anderem auch bei Haydn studiert.

Zur älteren Generation gehört Monika Steiner aus Oberdorf, die seit rund dreissig Jahren im Stadtorchester Violine spielt. Sie hat die Entwicklung hin zu Auftrittschancen für den Nachwuchs und zu Kinderkonzerte hautnah miterlebt. «Junge Musikerinnen wie Camille Sublet bewundere ich nicht nur für ihr herausragendes Talent, sondern ebenso für den Durchhaltewillen, um überhaupt so weit zu kommen.» Beim musikalischen Märchen «Peter und der Wolf» von Prokofjew wirkte sie gerne mit. «Es ist wunderbar zu sehen, dass sich so viele Eltern und Grosseltern Zeit nehmen, mit den Kindern ein Konzert zu besuchen. Die Freude, das Staunen und Mitgehen der Kinder und Jugendlichen zu spüren, entfachte Funken bis ins Orchester. Ihre Begeisterungsfähigkeit hat uns zusätzlich motiviert», lobt Monika Steiner. Die Konzerte des Stadtorchesters sind Paradebeispiele für Musikvermitteln und zeigen, wie Nachwuchspflege auf dem Podium und im Parkett beglücken kann.