War es sanfte Ironie? «Seid umschlungen Millionen», heisst der Strauss-Walzer, mit dem das Sinfonie Orchester Biel Solothurn das neue Jahr begrüsste – das Jahr, über welchem seitens der Partnerstadt Biel ein finanzielles Damokles-Schwert hängt.

Chefdirigent Kaspar Zehnder wiegelte denn auch bei der Polka «Ohne Sorgen» ab, er finde es angebracht, erst abzuwarten, was 2016 bringen werde. Mit Wiener Walzer und Polkas ist 2016 jedenfalls gut gestartet.

Wiener Walzer perlen wie Champagner, verströmen gute Laune im Dreivierteltakt und drücken ein Lebensgefühl aus. Lautet das Motto eines Neujahrskonzertes gar «Ein Gruss aus Wien», darf die Strauss-Dynastie mit Johann Strauss Sohn samt Vater Johann und Bruder Josef nicht fehlen.

Kaspar Zehnder und das Sinfonie Orchester Biel Solothurn kredenzten Walzer, Märsche, Polkas schnell und Mazur, luftig und leicht, kammermusikalisch klar. Ein heiterer Disput, mal langsam, dann wieder schnell, hitzig, überlegt, melancholisch oder übermütig.

Nicht gewohnt gefällig, sondern spritzig und zuweilen sogar etwas sperrig. Optisch und akustisch spürbar, wie sehr Dirigent und Orchester das gemeinsame Musizieren genossen, sich auf dem Podium bestens verstanden.

Stürmischer Applaus für Kurt Fluris Bekenntnis

«Sympathie» bekundete Stadtpräsident Kurt Fluri denn auch nicht nur zu ihnen und zu Josef Strauss gleichnamiger Polka mazur, sondern auch zum Stadttheater Solothurn und allen darin Wirkenden: «Freuen Sie sich über ein volles Theater, welches Ihrem Können zu danken ist.»

Vor elf Monaten sei das umgebaute Stadttheater wiedereröffnet worden und habe seither wahre Höhenflüge erlebt. Nun bestehe zwischen Politik und Theater ja eine gewisse Ähnlichkeit, konstatierte der Vollblutpolitiker mit einem Schmunzeln. Beiderorts sei vieles oft mit Schall und Rauch verbunden.

Kurt Fluri: «Auch wenn der finanzpolitische Wind in Biel rauer weht, setzen wir Solothurner uns für das Sinfonie Orchester Biel Solothurn ein, ist die Kultur doch eben so wichtig wie die Finanzen.» Fluris Bekenntnis für das Sinfonie Orchester Biel Solothurn wurde mit stürmischem Applaus verdankt.

Das musikalische Dankeschön folgte umgehend mit einem «Gruss aus Wien» von Robert Stolz, dem 1975 verstorbenen, letzten Walzerkönig der Donaumetropole, dessen «Wiener Café» den Programm-Rahmen schloss.

Radetzkymarsch als Krönung

«Für die Pizzicato-Polka von Johann Strauss braucht es mich nicht», erklärte Kaspar Zehnder mit einem Augenzwinkern, überliess Konzertmeisterin Luitgard Mayer Aebi und den Streichern das musikalische Zepter. Um die Musikerinnen und Musiker danach umso beherzter beim «Dynamidenwalzer» anzufeuern.

Äusserst farbenreich und klangintensiv auch hier wieder die Deutung von Zehnder, der erneut starke dynamische Akzente setzte, die «geheimen Anziehungskräfte», wie Josef Strauss das Stück betitelte, auffächerte.

Mit der Ouvertüre zu «Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien» von Franz von Suppé und dem Walzer «Wiener Bürger» von Carl Michael Ziehrer kamen zwei weitere Grossmeister der Ära der goldenen Operette zu Ehren.

Mit den «Ballsirenen» als zweiter Zugabe kam mit Franz Lehár die silberne Operette zum Glänzen. Was ihn Wien zur Tradition gehört, krönte auch das mit stehenden Ovationen bejubelte Solothurner Neujahrskonzert, der unvermeidliche «Radetzkymarsch» mit obligatem Geklatsche.