Solothurn
Mit dem Frühling erwacht auch auf dem TCS-Campingplatz das Leben

Eine Visite auf dem TCS-Campingplatz zeigt: Auf dem Solothurner Campingplatz kommt mit dem Frühlinganfang wieder Leben in die Bude.

Andreas Kaufmann
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Das Leben auf dem TCS-Campingplatz in Solothurn erwacht
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Wolfgang Aeberhard (Platzwart) und Caroline Gygax (Pier 11) - Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Hafenrestaurant Pier 11
Frühlingserwachen auf dem Campingplatz
Frühlingserwachen auf dem Campingplatz
Frühlingserwachen auf dem Campingplatz
Die Cabane-Häusschen des Campingplatzes bringen einen Hauch Skandinavien nach Solothurn
Frühlingserwachen auf dem Campingplatz
Auf gute Nachbarschaft - Frühlingserwachen auf dem Campingplatz

Das Leben auf dem TCS-Campingplatz in Solothurn erwacht

Andreas Kaufmann

Dass auf dem Jurakamm noch ein «Schümli» Schnee liegt, ist Jasmin Gerber und Livia Kehl so ziemlich egal. Nach dem bereits vergessenen Winter wird der Frühling kurzerhand zum Sommer erklärt: Die Teenager geniessen nach dem kühlen Aare- das wärmende Sonnenbad auf dem TCS-Campingplatz. Dann gesellt sich Retriever «Simba» brav zu den beiden, auch weils nach dem Stillhalten fürs Foto ein Gudeli als Gage gibt.

Vor einem Jahr trafen sich hier Jasmins Familie aus Huttwil und Livia und ihre Mutter aus Lengnau erstmals – die zwei wurden Freundinnen. In der Ferienzeit oder an Wochenenden trifft man sie oft hier an, schliesslich stehen ihre Wohnwägen jeweils die ganze Saison in Solothurn: «Wir stehen auch sonst in Kontakt», sagt Jasmin. «Wenn Livia mal ein Wochenende nicht mitgeht, bleibe auch ich oft zu Hause. Das wäre mir sonst zu langweilig.»

Gute Nachbarschaften

Obschon: An Geselligkeit und Abwechslung kann es auf dem Campingplatz naturgemäss kaum mangeln. Nachbarschaft ist hier gleich Freundschaft – andernfalls hätte man sich rasch nach einem anderen Plätzchen umgeschaut. Doch dafür gibt es keinen Grund, auch für Dauermieter Martin Luginbühl nicht. Er, der den Campingplatz seit acht Jahren bewohnt, hilft Thomas und Romi Lüdi von nebenan beim Aufstellen des sommerlichen Vorzelts. Lüdis sind eben gerade angekommen – aus dem Tessin, ihrer neuen Heimat seit sieben Jahren. Damit schwimmen sie gegen den Strom, der um diese Zeit im Jahr erfahrungsgemäss eher südwärts fliesst. «Wir kommen her und gehen wieder, wie es auch das Schönwetter macht», erklärt Romi Lüdi schmunzelnd.

Ausserdem bietet der Aufenthalt in Solothurn die Gelegenheit, die hier wohnhafte Tochter zu besuchen. Und natürlich genehmigen sich Lüdis das volle Programm fürs leibliche und seelische Wohl: «Das hier ist unser Sportplatz», sagt Thomas Lüdi. «Für die Beine steigen wir aufs Velo, für die Arme paddeln wir nach Altreu, und für den Genuss haben wir den Wein.» Und nicht zuletzt schwingt auch ein wenig Heimweh mit, möchte man meinen: «Solothurn ist so schön geworden», sagt Romi Lüdi.

Besuch im «Spatzenäschtli»

Zum selben Schluss kommt auch Susy Fuhrer, die mehrmals im Jahr mit ihrem Mann Emil herfährt. Aus Biberist stammend, ist sie nun in Hasle-Rüegsau zu Hause. Ihr Retro-Nachbau eines 1953er-Tabbert-Wohnwagens trägt den liebenswürdigen Namen «Spatzenäschtli». Gerade zu Besuch sind ihre Enkel aus Solothurn, die zehnjährige Anuschka und der vierjährige Merlin. Für alle vier hats im «Spatzenäschtli» gerade knapp Platz, lässt Susy Fuhrer wissen – weshalb sich die Grosskinder mit Übernachten oft abwechseln. Spass machts allemal bei Grosi und Grosätti, findet die Enkelin. Pingpong oder Ritigampfe stehen oft auf dem Programm: «Und am Abend gibt es immer was zu lachen», erzählt sie.

Angekommen sind Fuhrers vor Ostern – unter widrigen Wetterbedingungen, was beiden nichts auszumachen scheint: «Wir sind keine Schönwetter-Camper», sagt Fuhrer. Das gilt im Übrigen auch für Luginbühl, der jeweils hier überwintert. Sein Kabäuschen bringt er mit Gasheizung auf immerhin 19 Grad Celsius, darüber hinaus gibts für die kältesten Nächte immer noch den Matratzenwärmer. «Ich schätze den Winter auf dem Campingplatz, weil es hier sehr ruhig ist – obwohl – manchmal fast zu ruhig.» Sodass man sich die wärmeren Jahreszeiten dann doch gerne wieder herbeiwünscht. Mehr Leben, mehr Leute.

Zwar weiss auch Peter Keller die warmen Tage zu schätzen – gerade wenn er seinen Frühlingsputz ums «Haus» erledigt. Doch auch mit Väterchen Frost lässt sich die kalte Zeit gut durchleben, findet Keller, seit drei Jahren Dauermieter. «In der kalten Jahreszeit fasst man ebenso den Entschluss, öfters nach draussen zu gehen, statt einfach drinnen zu hocken.» Dann nämlich genehmigt sich der 72-Jährige auch mal eine Bahnfahrt oder besucht die Sauna – oder er und seine Frau besuchen oder bekochen einander gegenseitig. Wieso besuchen? «Wir haben nie zusammen im gleichen Haushalt gewohnt und tun das auch hier nicht.» So hat seine Gattin ein paar Schritte entfernt ihre Campingunterkunft. «Das wäre sonst viel zu eng. Und wir brauchen beide unsere Freiräume.» Recht hat er: Denn wo stehen Freiraum und Geselligkeit so problemlos und unkompliziert im Einklang wie auf einem Campingplatz?

Hafenrestaurant Pier 11 wird ganzjährig betrieben

Man sieht es dem neuen Hafenrestaurant an, dass sein geistiger Vater, Wolfgang Aeberhard, manche Jahre die sieben Weltmeere besegelte und dabei zur Inspiration unzählige Hafentavernen abklapperte. Das Restaurant «Pier 11» weckt Fernweh und Freibeutersehnsüchte und lädt gleichzeitig zum Verweilen ein. «Vorher mutete das Campingrestaurant eher an wie eine konservative Cafeteria, jetzt ist es ‹Rock ’n’ Roll›», sagt Aeberhard, Platzwart auf dem TCS-Campingplatz. Was er unter «Rock ’n’ Roll» versteht, offenbart sich beim Blick hinein. Schiffslampen, Holzfässer und zu Möblierung verarbeitetes Altholz – Inspiration von unterwegs und das dazu passende raue Material. Und: Sogar die Toiletten sind mit Bullaugen versehen. In der Önothek präsentieren sich Weine, vorrangig aus Europa – aber hauptsächlich aus der Domaine de Soleure.

Konkret soll preiswerte frische Küche angeboten werden – einerseits im Snack-Bereich, andererseits aber auch in Form eines Grill- respektive Fischangebots. Dazu konnte Aeber-
hard als Berater und als Urheber vieler Rezepturen Spitzenkoch Jörg Slaschek für ein Mandat gewinnen. Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung sollen in der gediegenen Hafentaverne eine zentrale Rolle spielen. «Mit Slaschek ist ein toller Austausch möglich. Er kommt aus einer anderen gastronomischen Richtung, und doch gibt es Parallelen», sagt Aeberhard. Natürlich muss sich der Ausbau des Angebots auch lohnen: Das «Pier 11» mit 50 Innen- und 70 Aussenplätzen wird neu nicht nur saisonal, sondern ganzjährig geöffnet sein.

Zum Restaurantangebot gehören ein Kiosk und Aussenbereich mit Sommerbar, wo ebenfalls Fischspezialitäten sowie Tapas serviert werden sollen. Musikalische Leckerbissen – im Sommer Country und Folk, im Winter Irish Music – werden im Vier- bis Sechswochenturnus angeboten, erstmalig am 18. April um 20 Uhr mit «Buddy Dee and the Ghostriders». Neu verwaltet der TCS ebenso sämtliche Bootsplätze – bisher teilte sich die Institution die Administration mit dem Kanton Solothurn als Mitbesitzer. «Damit werden wir neu auch zur Hafenmeisterei, zur Capitania», was die Abläufe vereinfache, sagt Aeberhard.

Mit diesem Ausbau begeht der TCS Camping neue Wege, so handelt es sich dabei auch um ein Pilotprojekt. Eine interne Wertschöpfungsanalyse habe gezeigt, dass der Geschäftserfolg mit Übernachtungen allein nicht sicherzustellen sei. Durch die Auffächerung des Angebots soll Mehrwert geschaffen und neues Publikum erschlossen werden. Aeberhard weiss, dass in Sachen Kundschaft künftig ein Spagat nötig sein wird. Dies zeigt sich auch in gestiegenen Anforderungen für den Campingbereich selbst. Neben eher auf Einfachheit bedachten Benutzern gibt es eine wachsende Gruppe, die den Komfort schätzt – was gemeinhin unter dem Begriff «Glamping» – «Glamour Camping» – bekannt ist.

Campingleiterin Silvia Frey, die bereits im sechsten Jahr als Anlaufstelle für die Bedürfnisse der Bewohner amtet, stellt selbst fest, dass die Ansprüche gewachsen seien. «Glamping» sei zwar eher ein optisches Phänomen, das sich in der Möblierung und Ästhetik äussere. Und natürlich gibt es immer noch jene, die den Komfort nicht brauchen. «Im Sommer sind es oft Velofahrer, die gerne auf vieles verzichten.» Insgesamt aber sei die Nachfrage nach Unterkünften mit Komfort, beispielsweise bei den Sanitäreinrichtungen, steigend. Und so reagiert man auch in Solothurn auf neue Bedürfnisse. Beliebt ist beispielsweise der Zirkuswagen oder auch die heuer neu angebotenen Safari-Zelte. Übrigens: Was zweifellos zum absoluten Muss geworden ist: drahtloses Internet auf Platz. Dabei wollte man in den Ferien ja eigentlich abschalten ...