Dass auf dem Jurakamm noch ein «Schümli» Schnee liegt, ist Jasmin Gerber und Livia Kehl so ziemlich egal. Nach dem bereits vergessenen Winter wird der Frühling kurzerhand zum Sommer erklärt: Die Teenager geniessen nach dem kühlen Aare- das wärmende Sonnenbad auf dem TCS-Campingplatz. Dann gesellt sich Retriever «Simba» brav zu den beiden, auch weils nach dem Stillhalten fürs Foto ein Gudeli als Gage gibt.

Vor einem Jahr trafen sich hier Jasmins Familie aus Huttwil und Livia und ihre Mutter aus Lengnau erstmals – die zwei wurden Freundinnen. In der Ferienzeit oder an Wochenenden trifft man sie oft hier an, schliesslich stehen ihre Wohnwägen jeweils die ganze Saison in Solothurn: «Wir stehen auch sonst in Kontakt», sagt Jasmin. «Wenn Livia mal ein Wochenende nicht mitgeht, bleibe auch ich oft zu Hause. Das wäre mir sonst zu langweilig.» 

Neues Restaurant,  «Clamping»-Lodges, Paddelwettbewerb: Platzwart Wolfgang Aeberhard über die Neuigkeiten in der kommenden Camping-Saison.

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Gute Nachbarschaften

Obschon: An Geselligkeit und Abwechslung kann es auf dem Campingplatz naturgemäss kaum mangeln. Nachbarschaft ist hier gleich Freundschaft – andernfalls hätte man sich rasch nach einem anderen Plätzchen umgeschaut. Doch dafür gibt es keinen Grund, auch für Dauermieter Martin Luginbühl nicht. Er, der den Campingplatz seit acht Jahren bewohnt, hilft Thomas und Romi Lüdi von nebenan beim Aufstellen des sommerlichen Vorzelts. Lüdis sind eben gerade angekommen – aus dem Tessin, ihrer neuen Heimat seit sieben Jahren. Damit schwimmen sie gegen den Strom, der um diese Zeit im Jahr erfahrungsgemäss eher südwärts fliesst. «Wir kommen her und gehen wieder, wie es auch das Schönwetter macht», erklärt Romi Lüdi schmunzelnd.

Ausserdem bietet der Aufenthalt in Solothurn die Gelegenheit, die hier wohnhafte Tochter zu besuchen. Und natürlich genehmigen sich Lüdis das volle Programm fürs leibliche und seelische Wohl: «Das hier ist unser Sportplatz», sagt Thomas Lüdi. «Für die Beine steigen wir aufs Velo, für die Arme paddeln wir nach Altreu, und für den Genuss haben wir den Wein.» Und nicht zuletzt schwingt auch ein wenig Heimweh mit, möchte man meinen: «Solothurn ist so schön geworden», sagt Romi Lüdi.

Besuch im «Spatzenäschtli»

Zum selben Schluss kommt auch Susy Fuhrer, die mehrmals im Jahr mit ihrem Mann Emil herfährt. Aus Biberist stammend, ist sie nun in Hasle-Rüegsau zu Hause. Ihr Retro-Nachbau eines 1953er-Tabbert-Wohnwagens trägt den liebenswürdigen Namen «Spatzenäschtli». Gerade zu Besuch sind ihre Enkel aus Solothurn, die zehnjährige Anuschka und der vierjährige Merlin. Für alle vier hats im «Spatzenäschtli» gerade knapp Platz, lässt Susy Fuhrer wissen – weshalb sich die Grosskinder mit Übernachten oft abwechseln. Spass machts allemal bei Grosi und Grosätti, findet die Enkelin. Pingpong oder Ritigampfe stehen oft auf dem Programm: «Und am Abend gibt es immer was zu lachen», erzählt sie.

Angekommen sind Fuhrers vor Ostern – unter widrigen Wetterbedingungen, was beiden nichts auszumachen scheint: «Wir sind keine Schönwetter-Camper», sagt Fuhrer. Das gilt im Übrigen auch für Luginbühl, der jeweils hier überwintert. Sein Kabäuschen bringt er mit Gasheizung auf immerhin 19 Grad Celsius, darüber hinaus gibts für die kältesten Nächte immer noch den Matratzenwärmer. «Ich schätze den Winter auf dem Campingplatz, weil es hier sehr ruhig ist  – obwohl – manchmal fast zu ruhig.» Sodass man sich die wärmeren Jahreszeiten dann doch gerne wieder herbeiwünscht. Mehr Leben, mehr Leute.

Zwar weiss auch Peter Keller die warmen Tage zu schätzen – gerade wenn er seinen Frühlingsputz ums «Haus» erledigt. Doch auch mit Väterchen Frost lässt sich die kalte Zeit gut durchleben, findet Keller, seit drei Jahren Dauermieter. «In der kalten Jahreszeit fasst man ebenso den Entschluss, öfters nach draussen zu gehen, statt einfach drinnen zu hocken.» Dann nämlich genehmigt sich der 72-Jährige auch mal eine Bahnfahrt oder besucht die Sauna – oder er und seine Frau besuchen oder bekochen einander gegenseitig. Wieso besuchen? «Wir haben nie zusammen im gleichen Haushalt gewohnt und tun das auch hier nicht.» So hat seine Gattin ein paar Schritte entfernt ihre Campingunterkunft. «Das wäre sonst viel zu eng. Und wir brauchen beide unsere Freiräume.» Recht hat er: Denn wo stehen Freiraum und Geselligkeit so problemlos und unkompliziert im Einklang wie auf einem Campingplatz?