Während der eine Bub leichtfüssig über die Turnbank balanciert und nebenbei problemlos den Basketball vorwärtsdribbelt, braucht der Nächste in der Schlange auch ohne Ball die stützende Hand von Ronald Vetter.

Der Nachwuchschef beim FC Solothurn weiss: Prellen und die Balance halten gleichzeitig ist nicht einfach. Doch wenn es um die Beweglichkeit der «Jungen von heute» geht, macht er doch eine beunruhigende Feststellung: «Es gibt unglaubliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern.» So fallen ihm in seiner Tätigkeit teilweise beträchtliche motorische, koordinative und anderweitige sportliche Defizite auf: Gleichgewichtssinn, Passspiel, Bewegungsabläufe und vieles mehr.

Fest steht: Vertreiben sich die Kinder die Zeit am Tabletcomputer oder mit Videospielen, schärfen sie damit andere Fertigkeiten, als wenn sie sich draussen mit Ballspiel oder Baumklettern beschäftigen.

Doch Vetter spielt die Fähigkeiten und Vorlieben nicht gegeneinander aus: Nur komme das Sportliche je länger, je mehr zu kurz, findet er. «Dabei wären diese Fertigkeiten später ebenso wichtig, beispielsweise beim Velofahren – oder auch bei spezifischen Formen des Lernens.»

Training für alle Kinder

Neu ist Vetters Erkenntnis nun alleweil nicht. Ebenso wenig geht sie aus diesem polysportiven Förderkurs für Kinder hervor, den Vetter zusammen mit Sportstudent Marc Du Buisson leitet. Vielmehr wurde diese Erkenntnis überhaupt erst zum Ausgangspunkt, um ein solches breit gefächertes Basistraining auf die Beine zu stellen Eines, das Kinder auf jedweden Sport – nicht nur Fussball – vorbereiten und die Lust an der Bewegung fördern soll.

Und auch wenn der FC Solothurn als Urheber hinter der Idee steckt, Mitgliederwerbung und Nachwuchsbindung sind nicht die Absichten: Und so ist auch eine Vereinsmitgliedschaft nicht Voraussetzung, um mitzumachen. Ebenso wenig zielt das kostenlose Angebot darauf ab, Jungtalente zu fördern oder zu entdecken.

Das Training ist für alle Kinder gedacht. Und so arbeitet Vetter neben dem regulären Angebot, bei dem Eltern ihre Sprösslinge angemeldet haben, auch mit der Tagesschule zusammen.
Wie bei anderen Tätigkeiten für Kinder, die Körper wie Geist gleichermassen fördern, braucht es auch beim polysportiven Trainingsangebot vor allem eines: Zeit.

Seit August läuft der Pilotversuch Vetters mit rund 40 Kindern zwischen fünf und acht Jahren. Dauern soll das Projekt zwei Jahre, bevor man weitere Schlüsse zieht. Aber: «Bereits jetzt kann man Fortschritte feststellen», sagt er in einer Zwischenbilanz.

Wichtig sei, dass man in Blöcken arbeite und so bestimmte Schwerpunkte fokussiere. Im Zentrum stehen Themen wie Balance, Hand-Fuss-Koordination, Ballprellen, Teamspiel oder Geschwindigkeit, und in einem weiteren Schritt sollen auch Kräftigung, Ausdauer oder Rumpfstärkung zum «Unterrichtsthema» werden.

Polysportives Frühförderprogramm des FC Solothurn

Polysportives Frühförderprogramm des FC Solothurn

Andreas Kaufmann hat mit dem Nachwuchschef des FC Solothurn Ronald Vetter über die ersten Ergebnisse des polysportiven Frühförderporgramm gesprochen.

Spass an der Bewegung

«Schneller», feuert Vetter jenen Bub an, der gerade gegen die Wand dribbelt, und ermutigt ihn: «Keine Angst vor dem Ball.» Auch Disziplin gehört zum Frühförderprogramm, hält Vetter unmissverständlich fest. Und doch geht es in erster Linie um eines: Spass.

«Es ist wichtig, bei den Kindern die natürlich vorhandene Bewegungsfreude zu fördern, anstatt sie verkümmern zu lassen», ist Vetter überzeugt. «Es braucht einen Reiz» – entweder hat ein Kind nämlich ein Videospiel zur Hand oder einen Ball. Es ist eine Bewegungsfreude, die mit dem Angebot kommt, so wie der Appetit mit dem Essen.