Solothurn
«Mit bald 80 Jahren darf man Gedanken über das Kürzertreten hegen»

In den nächsten Jahren wird «Eberhard Interieur» den Betrieb einstellen: Inhaber Horst Otto Eberhart will altershalber zurücktreten und hat den Räumungsverkauf angekündigt. Viele Kunden bedauerten die Geschäftsaufgabe.

Andreas Kaufmann
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Alte und neue, zum Teil seltene Orientteppiche
14 Bilder
Auch das Landleben (Country) wird stilistisch zelebriert
Auch ein Monet hängt bei Eberhard Interieur
Auch zahlreiche Gemälde zieren Eberhard Interieur
Einrichtungshaus «Eberhard Interieur» Solothurn
Horst Otto Eberhart, Geschäftsinhaber
Horst Otto Eberhart, Geschäftsinhaber
Horst Otto Eberhart, Geschäftsinhaber
Klassische Möbeltrouvaillen
Klassische Möbeltrouvaillen

Alte und neue, zum Teil seltene Orientteppiche

Andreas Kaufmann

Im Grunde ist es mehr als ein Geschäft, das Möbel und Teppiche feilbietet. Denn eigentlich besitzt Horst Otto Eberhard an der Bielstrasse 158 fast schon ein Museum und eine Kunstgalerie. Neben antiken Biedermeier- und Louis XV-Schränken, goldenen Spiegeln, verzierten Grossuhren und Intarsien-Tischen, neben alten Fauteuils, und reich verzierten Seidenteppichen findet man auch alte Gemälde, darunter viele Porträts, und in der einen oder anderen Ecke sogar Hellebarden. «Eberhard Interieur» bezeichnet sich selbst als «etwas ungewöhnliches Einrichtungshaus».

Und das ist es auch: Seit 50 Jahren hat sich hier eine Schatzkammer gehalten, die sich über 2000 Quadratmeter Ladenfläche erstreckt. Wer sich hier ausrüsten will, hat hohe Ansprüche und nicht selten eine stattliche Geldbörse. Und so findet man die Ausstattung des Solothurner Interieur-Hauses rund um die Welt, unter anderem auch in Spanien, USA, Saudi Arabien, Algerien.

Und durch seine Verbindungen nach China konnte Horst Otto Eberhard beim Verkauf des «Krone»-Inventars eine wichtige Mittlerrolle einnehmen. Viel «Solothurnness» steckt auch im Haus selbst: So zeigt er stolz filigran gearbeitete Kupferstiche der St.-Ursenkathedrale von Lorenz Ludwig Midart.

Kontinuierlicher Räumungsverkauf

Doch nun hat der «Kurator» Eberhard den Räumungsverkauf angekündigt. Zu den Einzelstücken an Schränken, Truhen, Büffets, Esstischen, Spiegeln und Lampen gesellt sich auch eine grosse Auswahl an alten wie neuen, oft seltenen Teppichen. «Ich möchte die verbleibende Ware in den nächsten zwei bis drei Jahren nach und nach verkaufen. Wenn man aufs 80. Lebensjahr zugeht, dann darf man ja Gedanken über das Kürzertreten hegen.»

Betroffen sind auch sechs Teil- und Vollzeitangestellte: Diese seien aber vom Alter her in der ähnlichen Situation, so dass sie sich übers Kürzertreten ohnehin ebenso Gedanken machen.

Viel Erfahrung nötig

Viele Kunden würden es bedauern, dass er aufhöre, «aber langsam wird es altershalber nötig», meint er, dem es an Vitalität und Rüstigkeit kein bisschen fehlt. «Auch mir tut die Geschäftsaufgabe weh, schliesslich ist dies hier mein Lebenswerk.» Hinzu kommt der Mentalitätenwandel, der die heutige Konsumgesellschaft kennzeichne: «Ich stelle beim Kaufverhalten eine Uniformierung Richtung IKEA-Einheitsbrei fest.» Derweil finden sich in seinem Sortiment vor allem Einzelstücke.

Parallel zum Räumungsverkauf finden auch Verhandlungen über den Verkauf der Liegenschaft statt. Ob das Geschäftshaus dereinst von jemandem übernommen wird, der ähnliches damit vorhat, muss Eberhard offenlassen. So gesellt sich zum Schatz an Gegenständen auch der Schatz an Erfahrung: «Es ist wohl schwer, heute noch jemanden mit dem nötigen Wissen und Können zu finden.»

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