Jugendkulutrwoche
«Mir verzöue vo berüemte Persone»

In einem Rap-Workshop anlässlich der Jugendkulturwoche schreiben die Kinder einen Text und nehmen diesen auf. Unterstützt werden sie dabei von Rapper Bensch alias Benjamin Müller.

Monika Kammermann
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In dieser letzten Woche der Herbstferien findet bereits zum zweiten Mal die Jugendkulturwoche Solothurn West statt. Von Tanz und Akrobatik über Eventorganisation und Fotografie bis hin zu Musik steht den Kindern und Jugendlichen alles offen. Unter die letzte Sparte fällt der Rap-Workshop. Hier können die Kinder und Jugendlichen ihr Talent im Texten und Rappen unter Beweis stellen. Tipps und Unterstützung erhalten sie dabei vom Solothurner Rapper Bensch alias Benjamin Müller.

«Unsere Lieblingsstars»

Aus den Lautsprechern klingt bereits der Refrain, den die vier Mädchen und drei Jungs schon eingespielt haben. Das Thema sind berühmte Personen. Und nun sitzen die jungen Rapkünstler gespannt im Studio – bereit ihren eigenen Text aufzunehmen. Eine leichte Nervosität ist zu spüren, vor allem bei den Mädchen. Die zwölfjährige Freya singt fleissig mit beim Refrain. Die Jungs sitzen eher gelassen und ruhig auf dem Sofa und lassen sich nicht viel anmerken.

Aleksandra und Noëmi haben über den Musiker Taio Cruz geschrieben: «Taio Cruz isch üse Star, är geit jede Sunndi in ä Bar, wenn der ned wösst wer das isch, är singt Break Your Heart so fantastisch!» Die elf-jährige Vera hat im Allgemeinen über das Leben der berühmten Stars geschrieben. Sie ist hier im Rap-Workshop, weil sie mal etwas Neues ausprobieren wollte und sagt: «Es war gar nicht so einfach, einen Text passend zum Takt zu finden.»

Rappen macht, laut Noëmi, einfach Spass: «Cool ist, dass wir alle am Schluss eine CD erhalten.» Can und Efecan behandeln gleich vier Stars: Boxer Klitschko, Rapper Fard, Schauspieler Adam Sandler und Autorennfahrer Schumacher. Der zehnjährige Sajeeth schreibt über den Fussballer Lionel Messi.

Die Kunst des Reimens

Aber bevor es dann ins Studio ging, musste ein Text auf Papier gebracht werden. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, dies alleine, zu zweit oder zu dritt zu tun. Am Dienstag liessen sich die Jugendlichen im Schulhaus Brühl von Bensch entsprechend einweisen.

Er ist seit acht Jahren Lehrer dort und rappt schon über 15 Jahre. Reimwörter, gute Ideen und einen Beat sind nur einige der dazu benötigten Dinge. «Es ist auch wichtig, den Kiefer zu lockern», weiss Freya, «dass man schnell genug sprechen kann.»

Bensch führt auch neben der Jugendkulturwoche Rap-Workshops durch: «Die Kinder und Jugendlichen sind immer sehr interessiert und kommen meist zügig voran.» Sie erhalten so Einblick in eine andere Welt. Die meisten wissen nicht, wie der Prozess des Textens und Komponierens abläuft, bis dann die Musik auf der CD ist: «Die Kinder stehen zum ersten Mal in einer Gesangskabine mit Kopfhörer und hören, wie die eigene Stimme für die anderen Menschen klingt.»

Auf die Frage, wie es denn mit den Kraftausdrücken aussieht, erklärt Bensch, dass man das jeweils abwägen müsse. Diese Wörter gehörten zu einem Teil zur Jugendsprache. «Aber bei diesen Raps sind zum Glück keine solchen Ausdrücke dabei», sagt Bensch lachend.

Das Lampenfieber ist da

Am Freitag präsentieren alle Workshop-Teilnehmer ihre Werke in einer Show im Schulhaus Brühl. So auch die jungen Rapper. Bis zum Ende der Woche müssen sie den Text in- und auswendig beherrschen.

Diese Aussicht stösst nicht bei allen auf Begeisterung. Zwei Mädchen wollen gar ihre Teilnahme verweigern. Aber Bensch beruhigt sie und meint, es sei doch cool aufzutreten und den eigenen Song vorzustellen. Als eines der Mädchen nach ihrem Part die Kabine verlässt und sich selber hört, reagiert sie schüchtern. Sie versteckt das Gesicht hinter ihren Händen. Doch die anderen Kinder applaudieren und bestärken sie: «Du hast das gut gemacht.» Und dies spricht für die positive Stimmung, die unter den Jungmusikern herrscht.