Kunstmuseum Solothurn
Michel Grillet: Der Meister des Grossen im Kleinen

«Across the Universe» heisst die Retroperspektive des Genfer Künstlers im Grafischen Kabinett des Kunstmuseums.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Michel Grillet im Grafischen Kabinett des Kunstmuseum Solothurn
6 Bilder
...oder verkehrt aufgeklebten Stoffaufnähern werden bemalt.
Der Lieblingsberg des Malers ist der Pic Chaussy in den Waadtländer Alpen.
Er verwendet nur die Farben blau, weiss und grau.
Grillet zelebriert seine Malerei in der Tradition der Miniaturmalerei.
Die Ausstellung ist noch bis am 11. November 2020.

Michel Grillet im Grafischen Kabinett des Kunstmuseum Solothurn

Hanspeter Bärtschi

«Es handelt sich um die erste Retrospektive von Michel Grillet mit Werken aus 40 Schaffensjahren», sagt Museumsdirektor Christoph Vögele mit Stolz. Die Ausstellung umfasst rund 80 Arbeiten von Grillet (*1956) , der in all diesen Jahren aus einer überraschend engen Motivwahl schöpft. Da sind Sternenhimmel, das Universum zu sehen und vor allem der Lieblingsberg des Malers, des Pic Chaussy in den Waadtländer Alpen. Er malt Wasser, Seen mit dahinter in dunklen Tönen erkennbaren Berg-Silhouetten, oft taucht Mondlicht über dem Wasser auf.

Es seien vorwiegend Motive, die der Künstler in der Kindheit kennen gelernt habe, erklärt Vögele. «Und zwar sind es nicht Abbildungen realer Landschaften, sondern es sind Erinnerungen an glückliche, unvergessliche Erlebnisse. Grillet selbst bezeichnet es als sein grosses Glück, schon sehr jung seine Motive gefunden zu haben», so Vögele. Leider ist Grillet zur Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Samstag im Kunstmuseum coronabedingt nicht angereist.

Schier unerschöpfliche Motivvariation

Grillets Landschaften erinnern mit in ihrer strengen Einfachheit und der grossen Virtuosität an fernöstliche Malerei. Er verwendet nur die Farben blau, weiss und grau – auch hier schränkt sich der Künstler selbst ein. Dennoch sind seine Motivvariationen schier unerschöpflich. Als Betrachter spürt man, dem Malen sind lange vorher Gedanken und Überlegungen vorausgegangen.

Dies ist auch notwendig, da Grillet seine Malerei in der Tradition der Miniaturmalerei zelebriert und er sehr exakt und filigran die Farben ansetzt. Da werden kleine, blaue oder graue Maltabletten, wie sie in jedem Aquarellmalkasten zu finden sind, zu Bildträgern. Er schafft darauf seine Universen, auch mal gar eine ganze Weltkugel. Oder eben den Lieblingsberg in den unterschiedlichsten Stimmungen. Grillets Anspruch muss es also sein, die grösste Weite auf den kleinsten Bildträger zu bringen. Und diesen Anspruch hat er seit 40 Jahren, die er am Arbeiten ist.

Grillet als Nachfolger Hodlers

«Die Schweizer Bergmalerei ist wahrscheinlich nur in der Art von Grillet weiter zu entwickeln», sagt Vögele und erinnert an Hodlers Bergbilder. Grillets Miniaturmalerei stellt sich selbstbewusst Hodlers grossen Bildflächen gegenüber.

Wehmut erfasst, wer sich Grillets Postkartenobjekte mit verkehrt aufgeklebten Stoffaufnähern nähert. Hier hat der Künstler den Malpinsel weggelegt und etwas anderes, jedoch wiederum mit dem gleichen Motiv geschaffen. Er hat alte schwarz-weiss Postkarten von schneeverhangenen Bergen, die in den fünfziger oder sechziger Jahren hergestellt wurden, mit den damals beliebten Stoffaufnähern, die man als Tourist überall kaufen konnte, zusammen auf ein Bild gebracht.

Wieder Erinnerungsstücke – jetzt aber solche, die aus der Realität stammen. Stellt sich die Frage, warum ein Künstler sich an den immer gleichen Motiven abarbeitet? «Eine schwierige Frage», so Vögele. Vielleicht habe es auch mit Grillets lebenslanger Tätigkeit als Lehrer an der «Haute école d’art et de design de Genève» zu tun. Andererseits schaffe ihm diese enge Motivwahl eine ganz eigene Freiheit.