Die Sonne ist untergegangen, der Tag verklingt und der Himmel leuchtet dunkelblau über der Aare. Es ist kurz vor neun Uhr: «l’heure bleue», die blaue Stunde, hat begonnen. Mitten auf dem Fluss, oberhalb der Eisenbahnbrücke, liegt die «Romandie I – 1952» vor Anker. Gezupfte und gestrichene Harmonien entweichen dem Kontrabass, der sich auf dem Schiff, befindet und schon bald nach einem ganzen Streichorchester tönt. Die Zuschauer an Bord und am Aareufer lauschen gebannt.

So hat sich am Montag Bassist und Komponist Mich Gerber dem Solothurner Publikum präsentiert. Es war das letzte Konzert in einer Reihe von Darbietungen auf dem Schiff: Dieses hat in Biel, Büren und zuletzt Solothurn je zweimal als Bühne für Gerbers zauberhaftes Ständchen an die blaue Stunde gedient – und zugleich die eigene Ära als Veranstaltungsboot eingeläutet. 1952 für Bielersee und Aare gebaut, 1960 an den Hallwilersee verkauft, befährt die «Romandie I» frisch renoviert wieder ihre Ursprungsgewässer unter dem Namen «Romandie I – 1952». Als Flussbühne hat sie sich als ideal erwiesen.

Gerber, der mit einem Live-Sampling-System diverse Tonspuren übereinander aufnimmt, wiedergibt und im Alleingang mehrstimmige Kompositionen spielt und Klanglandschaften kreiert, ist sich das Konzertieren auf dem Wasser gewöhnt. Wie schon in den vergangenen Jahren spielt er auch heuer im Rahmen seines Projekts «l’heure bleue» diverse Konzerte auf Seen und Flüssen. Es folgen noch
Darbietungen auf dem Blausee und dem Vierwaldstättersee. Abgeschlossen wird die Serie Ende August mit den legendären Konzerten auf der Bodenackerfähre in Muri bei Bern.

Weitere Infos unter www.michgerber.ch und www.kulturschiff.ch.