Nein, mein erstes Blut-und-Leberwurst-Wochenende hatte ich mir anders vorgestellt. Ein Trauma. Vor über 50 Jahren war alles noch besser. Wenn die Tage neblig wurden, tauchte plötzlich Pater Georg auf. Mit ganzen Ketten von Blut- und Leberwürsten. Die Kapuziner kannten damals noch die gute alte Hausschlachtung. Niemand mochte die Würste bei uns besonders. So bekam ich mehr als genug ab. Ein Traum. 

Zurück zum Trauma. Da lagen doch beim Metzger unseres Vertrauens gegen 20 dralle Leberwürste in der Vitrine. Die blutigen Artsverwandten dagegen fehlten völlig. Wer kauft nur die «Leberne» allein? Offenbar niemand. Denn eine Stunde später waren alle noch da. Beim Metzger um die Ecke gabs beide. Ab ins Pfännchen zum Sieden, 20 Minuten bei 80 Grad. Ich traute meinen Augen kaum: Gefühlt einen Drittel waren die Würste eingegangen, zu Würstchen verkommen. Ist dem Metzger sein Produkt so wurst wie dem Künstler Banksy sein Bild, das sich zuletzt selbst schreddert? Noch ein Viertelstündchen wohl, und die Würste hätten sich auf den Enddarm reduziert. 

Dazu werden die Dinger immer fader. Salzarm muss ja alles sein. Das führte dazu, dass mein Gegenüber fleissig die Salzmühle rotieren liess. Wie hässlich! Und wenn schon halbe Portiönchen im Trend sind, macht aus den ganzen wenigstens Ganze! Oder reut Euch das Blut eurer Schweine? «Die will sowieso niemand mehr!», unkte zur Blutwurst ein Kollege. Wie bitte? Blut ist ein kostbares Lebensmittel. Nur wegen der Leber bringt man doch keine arme Sau um. Wir wechseln wohl zur Vegi-Variante. Aus Randensaft. Hauptsache, ich sehe rot!

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