«Interkulturelle Schriftbilder»

Menschen unterschiedlicher Herkunft machen gemeinsam Kunst

Zum sechsten Mal findet zurzeit das Austauschprojekt mit Menschen verschiedener Kulturen statt. Zusammen können sie sich im Rahmen des Projektes «Interkulturelle Schriftbilder» künstlerisch betätigen.

Kleine Spiegelscherben zieren das Werk von Maria Khublaryan: «Wer es betrachtet, sieht unterschiedliche Perspektiven seines Gesichts», kommentiert die 29-jährige Journalistin aus Armenien. Mit dem Bild, das ein «M» im armenischen Alphabet zeigt, bringt sie aber auch die verschiedenen Facetten ihrer selbst zum Ausdruck.

Und darum gehts beim Projekt «Interkulturelle Schriftbilder», das diesen Sommer zwei Gruppen aus verschiedenen Ländern in Solothurn beherbergt: sich mit seiner Person und kulturellen Identität in Bild und Wort auf Malerleinwand zu bannen – und dies in allen Facetten.

Gedichte beflügeln zur Kunst

Einiges von sich verrät auch Monika Rizovska aus Mazedonien in ihren den grünblauen, leuchtstarken Bildern: Tagebuch- und Briefauszüge erstrecken sich auf ihren Bildern. Und dazu ein Pfau als Symbol der Erneuerung, weil das Leben aus Wegabschnitten besteht, oder «ein Vogel, der – wie ich – die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet», sagt die 22-Jährige. Und schliesslich die Sonnenblume, sinnbildlich für die lebensbejahende Haltung, sich stets nach dem Sonnenschein auszurichten. «Man gibt auch ein kleines Stückchen von sich selbst her, wenn man ein Schriftbild gestaltet», sagt sie bedächtig.

Menschen unterschiedlicher Kulturen machen beim Projekt «Interkulturelle Schriftbilder» mit

Hier werden Schriftbilder geschaffen

Mit im Gepäck für den Aufenthalt in der Schweiz hatte die 19-jährige Alina Petrova aus Estland ein Büchlein mit Poesie aus der Heimat: «Beim Lesen entstanden die Bilder bereits im Kopf» – und dann braucht es nur noch den Pinsel. Derweil sind im Hintergrund die Gitarrenklänge von Stefan Feingold zu hören – live: «Es ist nicht nur so, dass die jungen Menschen sich von der Musik beim Arbeiten inspirieren lassen. Auch ich lasse mich von entstandenen Bildern leiten, wenn ich spiele.» Kein Geben und Nehmen – sondern viel mehr ein Geben und Geschenktbekommen.

Ähnlichkeiten statt Differenzen

Dies sieht auch der 25-jährige Mazedonier Stevica Levajkovski so: «Hier können wir uns darüber austauschen, was wir denken, was wir fühlen.» Und was menschlich ins Rollen kommt, drückt er in der Sprache der Kunst aus: «Die unterschiedlichen Kulturen fügen sich zusammen wie ein Mosaik.» Der naturverbundene junge Mann tunkt den Pinsel in die Farbe und setzt zu einem neuen Bild an.

Ein Thema, das ihn immer wieder beschäftigt: die vier Elemente: «Man findet sie in den meisten Kulturen wieder. Aus ihnen ergibt sich alles andere, was eine Kultur ausmacht.» Damit betont Levajkovski in seinen Bildern die Gemeinsamkeiten, denn: «Trifft man auf Menschen anderer Herkunft, wird das Augenmerk leider oft auf die Differenzen gelegt. Dabei könnten wir erkennen, dass wir einander ähnlich sind.»

Gabriella Affolter von der interkulturellen Kreativwerkstatt erklärt das Projekt «Interkulturelle Schriftbilder»

Gabriella Affolter von der interkulturellen Kreativwerkstatt erklärt das Projekt «Interkulturelle Schriftbilder»

Die erste Gruppe umfasst 16 Menschen, die sich zurzeit mit Staffelei und Pinsel und ohne Voreingenommenheit beim Ypsomed-Areal begegnen. Menschen, die im Gespräch oder Bild Ähnlichkeiten entdecken und gleichsam ihre Eigenheiten schätzen lernen. Erstmals wird auch eine zweite Gruppe Solothurn besuchen: «Wir hatten 250 Anmeldungen, was uns dazu bewog, die Kapazitäten auszubauen», erklärt Gabriella Affolter von der interkulturellen Kreativwerkstatt, die das Projekt leitet. Weitere Ausbaupläne könnten folgen: So zieht Affolter in Erwägung, die «Interkulturellen Schriftbilder» mehrmals jährlich allenfalls auch im Ausland anzubieten.

Zu sehen heute am Samstagsmäret von 8–12.30 Uhr. Ausstellung ab 16. August im Kantonsspital Olten, ab Winter an der International School in Solothurn. Infos: www.schrift-bilder.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1