Sprachenbar
Menschen treffen und dabei Sprachen üben – Jetzt auch in Solothurn

Verschiedene Fremdsprachen ungezwungen auffrischen und dies im Austausch mit anderen. Im April des letzten Jahres feierte die «Sprachenbar» in Burgdorf Premiere. Nun fasst das Projekt auch in Solothurn Fuss.

Christoph Neuenschwander, Andreas Kaufmann
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Verena Schoch, Initiantin der Sprachenbar, freut sich auf interessante Begegnungen.

Verena Schoch, Initiantin der Sprachenbar, freut sich auf interessante Begegnungen.

cnd

Hier ein «Hello», da ein «Bonjour» und in der Ecke weiter hinten noch ein «Buongiorno». Was sich zunächst wie babylonische Sprachverwirrung anhört, nennt sich «Sprachenbar» und hat System: nämlich unverbindlich und niederschwellig Fremdsprachen auffrischen. Nachdem die Idee bereits im April des letzten Jahres in Burgdorf ihre Premiere feierte, wird der Anlass regelmässig durchgeführt und machte auch über die Regionsgrenzen hinaus Schule. Kommenden Dienstag findet die «Sprachenbar» erstmals auch in Solothurn statt.

Das Prinzip hinter der abendlichen Plauderrunde ist folgendes: Man kreuzt unangemeldet auf, wählt eine Sprache aus und setzt sich an den mit entsprechendem Fähnchen markierten Tisch. Dort unterhält man sich mit Gleichgesinnten in der gewählten Sprache, um diese aufzupolieren und geniesst die heitere Atmosphäre. Ein muttersprachlicher Moderator hilft bei Problemen und sorgt dafür, dass alle zu Wort kommen.

«Unbedingt auch in Solothurn»

Dass das Konzept nun auch hier angekommen ist, hat folgende Vorgeschichte: In Solothurn hat die Initiantin Verena Schoch an einem Treffen für Geschäftsfrauen teilgenommen, an dem auch Stadtführerin Marie-Christine Egger anwesend war. «Ich habe den anderen mein Projekt in Burgdorf vorgestellt und Egger sagte, das müsse ich unbedingt auch in Solothurn machen.» Eigentlich war der Start bereits früher geplant gewesen, wurde dann aber auf den Monat nach der ereignisintensiven Fasnacht verschoben.

Dafür soll die «Sprachenbar» im Zunfthaus zu Wirthen konsequent einmal pro Monat über die Bühne gehen. Vorerst wird Schoch bei jeder Sprachenbar persönlich anwesend sein. Langfristig hoffe sie aber schon, für die neuen Orte jemanden zu finden, der die Einleitung am Abend übernehme und die Moderatoren koordiniere, sagt sie. «Denn da steckt viel Arbeit dahinter.» Zum Selbstläufer soll das Projekt hingegen nicht werden. «Ich möchte das schon unter meinen Fittichen behalten», lächelt Schoch.

Moderatoren gesucht

Anfangs werden in den neuen Sprachenbars englische, französische, italienische und spanische Tische angeboten. «Dann schauen wir, in welche Richtung es sich entwickelt, bei welchen Sprachen eine Nachfrage besteht», sagt Schoch. Zudem sei es ihr wichtig, für jede Sprache möglichst mehrere lokale Moderatoren zu finden. Diese seien wichtig, um die Gespräche überhaupt in Gang zu bringen, erklärt Schoch, die selbst Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch spricht. «Das Moderieren ist aber nicht so einfach. Es soll ja nicht wie ‹Schüelerle› wirken.»

Bei aller sorgfältigen Vorbereitung was Moderatoren anbelangt, komme es ab und zu auch vor, dass jemand spontan eine weitere Sprache anbiete. «Einmal kam eine Holländerin mit einigen Bekannten vorbei und machte einen holländischen Tisch.»

Sie ist zuversichtlich, dass sich das Projekt in Solothurn und den anderen Ortschaften grosser Beliebtheit erfreuen wird. «Fremdsprachen werden immer wichtiger», sagt die Burgdorfer Lebensberaterin. Gleichzeitig werde direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch seltener; das Bedürfnis danach wachse.

Die Sprachenbar als ein Ort der Begegnung

Genau an diesem Punkt setzt die Sprachenbar an. «Es soll ein Ort der Begegnung sein.» Den Wunsch, einen solchen Ort zu schaffen, hatte Schoch schon lange gehegt. «Ich hatte das Gefühl, dass sich die Idee gut mit Sprachen verbinden lässt.» Fremdsprachen aufzufrischen, sei schliesslich für viele Menschen interessant. «Viele Leute kommen immer wieder und schaffen sich durch die Sprachenbar ein neues soziales Netzwerk.» Nebst den Stammgästen gibt es aber auch jene, die einfach einmal vorbeischauen. «Das Ganze ist unverbindlich und funktioniert ohne Anmeldung», sagt Schoch. «Es soll auch kein Sprachkurs sein. Eine Sprache lernt man hier nicht. Aber man kann sie auffrischen.»

Man ist «Duzis»

Die Atmosphäre bei der «Sprachenbar» soll vor allem ungezwungen sein: Die anwesenden Gruppen seien durchmischt und man duze sich. Die Teilnahme ist gratis. Den Restaurants reichen die Einnahmen aus den Konsumationen. Wer will, kann etwas ins Sprachenkässeli werfen, damit den Moderatoren ein Getränk und ein Snack offeriert werden könne. Für Schoch selber schaut kein Geld heraus. «Ich mache das aus Freude an den Menschen und der Kommunikation. Die Leute sind jedes Mal glücklich. Und das erfüllt mich.» (cnd/ak)

Sprachenbar Solothurn, 20. März,
Zunfthaus zu Wirthen, 19.30 bis 21 Uhr. Infos: www.sprachenbar.ch