«Das ist vermutlich ein schweizweit einzigartiges Vorhaben», sagt Projektleiter Patrick Marti. 12 Solothurner Behindertenorganisationen betreiben ab Januar 2014 gemeinsam einen Laden, in dem nicht nur von Behinderten hergestellte Produkte verkauft, sondern diese auch gleich dort hergestellt werden. Und das mitten in einer Stadt. «Wir haben drei Jahre lang ein geeignetes Gebäude in der Altstadt von Solothurn gesucht», berichtet Marti.

Patrick Marti

Patrick Marti

Jetzt wird das grosse Haus am Stalden 4 umgebaut: Im Erdgeschoss entsteht ein Ladenlokal mit grossen Schaufenstern, in dem die Geschenk- und Dekorationsartikel (Textilien, Kerzen, Tonfiguren etc.) verkauft werden. Hergestellt werden sie wie bisher in den 12 beteiligten Institutionen (siehe Kasten), neu aber auch unmittelbar oberhalb des Ladens: Im 1. Stock arbeiten jeweils für einen Monat mehrere Bewohnerinnen und Bewohner einer beteiligten Organisation. «Besucherinnen und Besucher können ihnen dabei zusehen. Damit ermöglichen wir Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung», erklärt Patrick Marti. Er ist Gesamtleiter der rodania Stiftung für Schwerbehinderte Grenchen.

Begegnungen fördern

Die Idee ist, dass die Menschen mit Behinderung auch im Erdgeschoss beim Verkauf der Produkte und im kleinen Bistro mithelfen. «Der Integrationsgedanke ist dabei zentral: Wir wollen und können uns zeigen.» Die begleiteten Menschen sollen aber nicht ausgestellt werden. Sie arbeiten von aussen nicht einsehbar im 1. Stock, erklärt Marti, «und es steht ihnen und den Besuchern frei, den Kontakt zu suchen».

Für die meist peripher gelegenen Behinderteninstitutionen ist es wichtig, dass sie und ihre Bewohner künftig mitten in der Stadt präsent sind. «Das Gebäude am Stalden 4 soll deshalb auch für Ausstellungen, Apéros, Lesungen, Vorträge usw. genutzt werden», erklärt Marti.

10-jähriger Mietvertrag

Die Institutionen werden ihre Produkte auch weiterhin auf ihren traditionellen Wegen verkaufen (meist auf Märkten). Dass sie mit ihrem neuen Auftritt in der Stadt das dortige Gewerbe konkurrenzieren, glaubt Marti nicht. Trotzdem: Das Projekt kann nur funktionieren, wenn genügend Produkte verkauft werden. «Ab 2015 müssen wir die Mietkosten durch die Verkaufserlöse decken», sagt Marti.

Bis dahin ist ein Startkapital vorhanden, an das jede der 12 Institutionen 5000 Franken beigetragen hat. Die Umbaukosten wiederum werden über ein Fundraising bei Stiftungen und Unternehmen finanziert. Patrick Marti ist überzeugt, dass das Vorhaben erfolgreich sein wird. Der Mietvertrag wurde jedenfalls auf zehn Jahre abgeschlossen.