Solothurn

Meister Bockert ist auf dem Vormarsch: Der Biber fühlt sich wohl in der Stadt

Die Populationen der wasserliebenden Säugetiere wachsen in der Region ständig. Die Biber kämpfen um ihren Platz am Fluss.

Seit gut zehn Jahren nisten sich in Solothurn erfolgreich Biber ein. Ihre Reviere verteilen sich über den ganzen Kanton entlang der Aare, der Emme und verschiedenen Seitenbachufern. In der Stadt Solothurn gäbe es insgesamt vier Hauptreviere, berichtet der Biologe David Gerke. «Diese befinden sich hauptsächlich auf Stadtboden.»

Wo findet man ihn?

Wer auf Entdeckungsjagd gehen will, kann sich an den vier Revieren orientieren. Das erste verlaufe bei der Eisenbahnbrücke von der Burg an entlang der Klinik Obach, erzählt der Biologe der Naturschutzorganisation Pro Natura. Das zweite gehe durch das Gebiet entlang dem gegenüberliegenden Ufer der Solothurner «Badi». «Ein weiteres finden Biberfreunde am Wildbach in der Weststadt Richtung Rudolf-Steiner-Schule», sagt Gerke. Und das letzte sei bei der «Roten Brücke» vor allem am Nordufer der Aare, auf der Stadtseite, aber auch auf der Zuchwiler Seite.

Hohe Biberpopulation

Nicht nur bei Menschen macht der Begriff «Dichtestress» die Runde. Die Biberpopulation wachse und wachse. Deshalb müssten laut Gerke auch die Nagetiere um ihren Platz am Fluss kämpfen. Beim letzten Monitoring an der Jahreswende 2007/08 wurden im Kanton knapp 100 Biber gezählt. Heute schätzt David Gerke die Anzahl Biber auf das Doppelte.

«Sämtliche Reviere sind bereits besetzt», sagt Andreas Schäfer, stellvertretender Leiter des Naturmuseums Solothurn. «Aus diesem Grund müssen Biberfamilien das eigene verteidigen.» Jedoch sei für die Jungen ihr Platz am Bachufer nicht auf Lebenszeiten gesichert. «Wie junge Erwachsene müssen auch die Biber in deren Jugendalter von eineinhalb Jahren den Elternbau verlassen.» Da die Plätze entlang der Aare bereits besetzt seien, suchen sie sich einen Platz an den Emmen- und Seitenbachufern, erklärt Schäfer.

Ob der im Stadtbiet oder in ländlichem Raum ist, spiele dem Biber keine Rolle. «Er fühlt sich wohl, wo es Wasser, Ufer und genügend Platz zum Graben gibt», so Schäfer. Daher schwimme der Nager an der Stadtmauer vorbei. «In Konflikt mit dem Menschen kommt er allerdings, wenn sich seine Nahrung in privaten Gärten befindet, die nahe dem Flussufer liegen.» Denn: «Den Biber interessiert es nicht, welche Büsche und Bäume privat sind und welche nicht.» Reklamationen vonseiten der Bewohner seien aber rar, meint Biologe Gerke. Einzig die Bewohner im Gebiet der Westumfahrung hätten sich auch schon über die Biberpopulation beschwert.

Damm über Wildbach

In der Winterperiode 2011/12 errichteten Biber einen Damm im Wildbach. «Das Material wurde von Menschenhand entfernt und oberhalb des Ufers deponiert», erzählt David Gerke. Für ihn sei die Entfernung dieses Damms unverständlich. «Dieser hat weder zu Problemen wie der Hochwassersicherheit noch der Entwässerung in naher Umgebung geführt.»

Warum aber wären solche Stau-Dämme vorteilhaft? Durch die entstandenen Staubecken werde die Erosion im Flussbett reduziert. Ausserdem würden die Dämme Hochwasser binden und die Artenvielfalt im Gewässer fördern.

Im Winter scharf auf Bäume

Im Sommer fällt die Präsenz der Vegetarier kaum durch hinterlassene Spuren auf. «Wenn das Kraut wächst und die Bäume voller Blätter sind, beinhaltet ihre Hauptnahrung Kräuter, Wasserpflanzen und Kohlgewächse», erzählt Experte Gerke. In der Winterperiode jedoch, wenn alles kahl ist, machen sie sich an die Bäume. Bei einem Spaziergang entlang eines Ufers ist daher die Chance gross, dass man einen angefressenen Baum findet. Denn dann ist im Normalfall ihre einzig mögliche Verpflegung die Rinde.

Der Biber hinterlässt vor allem im Winter sichtbare Spuren. Sowohl in dieser wie auch in der Sommerperiode ist er selbst auch sichtbar. Bei Dämmerung ist es möglich, dass man ihn am Flussufer oder beim Schwimmen sieht.

Meistgesehen

Artboard 1