Solothurn
Mehr Platz für mehr Bewohner: Die WG Andoh sucht ein neues Haus

Die Solothurner WG-Andoh AG bietet ein Zuhause für psychische kranke Menschen. Nun sind sie auf der Suche nach einem neuen Haus.

Judith Frei
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Die WG Andoh für psychisch kranke Menschen sucht ein neues Zuhause
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Anna Walt und Dominic Plüss leiten die WG Andoh AG.
Einblick in die WG Andoh.

Die WG Andoh für psychisch kranke Menschen sucht ein neues Zuhause

Solothurner Zeitung

Die WG Andoh AG sucht ein neues Zuhause, kann man auf ihrer Website lesen. «Bei uns finden Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen ein Zuhause», sagt Geschäftsführer Dominic Plüss. Er leitet mit Anna Walt die Wohngemeinschaft.

Daher auch der Name, der sich aus den zwei ersten Buchstaben ihres Vornamens zusammensetzt. Der Buchstabe «H» zum Schluss sei eine Widmung an ihre Väter Hanspeter und Hansruedi. Hanspeter Widmer ist der Vater von Anna Walt und hat die «WG Widmer AG» 1988 gegründet. Angefangen hat er in einer Mietwohnung in Büren an der Aare. Seit 1991 ist die WG an der Langendorfstrasse in Solothurn. Der Vater von Plüss, Hansruedi, hat Plüss und Walt finanziell unterstützt, als sie 2019 die Leitung der Wohngemeinschaft übernommen haben, nachdem Hanspeter Widmer in den Ruhestand ging.

Ein Ort mit wenigen Regeln und viel Unterstützung

Walt hat langjährige Berufserfahrung im Bereich der psychiatrischen Pflege und Plüss hat einen Abschluss als Pflegefachmann HF Psychiatrie und Sozialarbeiter. Ihre langjährige Berufserfahrung hat ihnen gezeigt, dass es auch Orte für Menschen braucht, die wegen ihrer psychischen Erkrankungen kaum ein selbstständiges Leben führen können.

«Die WG soll ein Ort sein, wo die Menschen so sein dürfen, wie sie sind», erklärt Anna Walt. Die Stichworte «niederschwellig» und «akzeptanzorientiert» sind für die beiden wichtig. In ihrem Haus gibt es daher nur ganz wenige Regeln. «Wir haben ein Gewaltverbot in unserem Haus. Das ist fast die einzige Regel, die strikt gilt», sagt Plüss. Da sie auch einige Bewohner haben, die an einer Suchterkrankung leiden, gilt ein Drogenkonsumverbot im Haus, was nicht immer einfach durchzusetzen sei, meint Plüss.

Momentan wohnen zehn Männer in der Wohngemeinschaft, die zwischen 40 und 83 Jahre alt sind. Der älteste Bewohner wohnt schon seit 30 Jahren bei ihnen. Man kann aber auch nur für einige Monate bei ihnen ein Zimmer mieten. Ein Betreuungsmonat kostet etwas mehr als 5000 Franken.

Betreuung fast rund um die Uhr, jeden Tag im Jahr

Das Personal kümmert sich um die grossen und kleinen Sorgen der Bewohner: Sie verabreichen ärztlich verordnete Medikamente, kochen, putzen und begleiten sie bei Bedarf zum Arzt oder anderen Terminen. Sofern möglich, dürfen sich die Bewohner jederzeit im Haushalt, beim Kochen und Gärtnern beteiligen.

Bis auf die Randzeiten ist immer eine Betreuungsperson vor Ort – an 365 Tagen im Jahr. Insgesamt elf Personen arbeiten fix in der Wohngemeinschaft, dazu kommen noch drei Springer.

«Die Krankheitsbilder unserer Bewohner sind bunt gemischt», erklärt Walt. So haben sie verschiedene Bedürfnisse. Therapien werden in der WG aber keine angeboten. «Viele sind auch bei uns, weil sie keine Therapie wollen und so keinen geeigneten Platz in anderen Institutionen finden», sagt Plüss.

Mehr Platz und moderne Infrastruktur

Momentan haben sie viele Anfragen, die sie ablehnen müssen, da alle Zimmer belegt sind. Ein grösseres Haus würde der Platznot Abhilfe leisten. Doch nicht nur wegen des fehlenden Platzes suchen sie eine neue Liegenschaft, sondern auch weil die Infrastruktur nicht mehr an heutige Standards angepasst ist. «Wir haben zwei Doppelzimmer. Das ist nicht mehr zeitgemäss. Wir würden gerne allen Bewohnern ein Einzelzimmer anbieten», sagt Walt. Auch sei das Haus nicht rollstuhlgängig. Da die Bewohner immer älter werden, wäre es gut, wenn sich das in der neuen Liegenschaft ändern würde.

Sie haben schon einige Häuser angeschaut, doch noch kein geeignetes gefunden, denn die Liegenschaft müsse viele Anforderungen erfüllen, nicht nur diejenigen der WG, sondern auch diejenigen des Amts für Soziale Sicherheit. Das Haus soll 13 bis 14 Schlafräume haben, ein bis zwei Aufenthaltsräume, eine Waschküche und zwei Kellerabteile. «Wenn wir ein Haus kaufen oder mieten, in das man noch viel investieren muss, kann das schnell ein Fass ohne Boden werden», sagt Plüss.

Für einen Kauf haben sie momentan sowieso nicht das benötigte Kapital, das Haus an der Langendorfstrasse mieten sie. «Das hat bis jetzt gut geklappt. Ein Mietverhältnis können wir uns auch für die Zukunft vorstellen», erklärt er. Wichtig ist, dass sich das Haus in Solothurn oder der Region befindet. «Die Bewohner sind hier verwurzelt, da wollen wir nicht einfach den Ort wechseln», sagt Plüss.