«Luege - lose - gniesse» – unter diesem Motto steht der 6. Solothurner Chästag, der wie immer am ersten Donnerstag im September nicht mehr aus der Vorstadt wegzudenken ist. OK-Vizepräsident Bruno Meyer erklärt zum Motto: «Wir wollen mit dem Chästag alle Sinne ansprechen – Augen, Ohren und Gaumen.»

Natürlich ist für das Organisationskomitee um Präsident Robert Flückiger das Wetter ein entscheidender Faktor. Bisher hat es immer mitgespielt und so kletterte die Besucherzahl unaufhörlich von 2000 im Startjahr auf 10 000 vor drei Jahren und zuletzt 16'000 im Vorjahr.

Entsprechend rüstet sich Standchef Bernhard Wyss auf einen noch grösseren Ansturm mit einem Patentrezept: «Wir haben diesmal 70 Marktstände und mit den Gastronomieangeboten insgesamt 93 Verkaufsstellen.» Zum Vergleich: Das sind allein bei den Ständen 25 mehr als im Vorjahr. Neben sonstigen regionalen Spezialitäten steht natürlich der Käse im Zentrum des Geschehens. So wird der international bekannte Maître fromager Rolf Beeler zwischen 11 und 13 Uhr eine eigentliche «Tour de Chäs» durch das Käse-Eldorado in der Vorstadt unternehmen.

Käse ist aber auch eine Dominante der Verpflegungsstände: Fondue, Raclette oder die berühmte Militär-Käseschnitte wetteifern in der Publikumsgunst mit Fisch, Wurst oder sonstigen Fleischspezialitäten. Dass es in den letzten Jahren oft schon früh an gewissen Ständen das Gewünschte nicht mehr gab, hat das OK erkannt. «Das Angebot ist weiter gewachsen und die Engpässe haben wir genau angeschaut», versichert Wyss.
Der Chästag-Perimeter wurde allerdings kaum ausgeweitet. «Lediglich der Streichelzoo befindet sich neu im Kreuzackerpark. Und die Kinder-Eisenbahn haben wir aus Sicherheitsgründen auf den Dorn-acherplatz verlegt», so der Standchef. Dadurch werde der ganze Markt «wesentlich kompakter», meint Bernhard Wyss.

Einbruch als Aufbruch

Vor zwei Jahren bestand die Gefahr, dass es gar nie mehr einen Chästag geben würde. Durch einen Einbruch beim damaligen Münzchef zu Hause kamen fast alle Tageseinnahmen zwischen 20'000 und 30'000 Franken abhanden, auch der Raub eines höheren Betrages aus einem Ausstellerauto blieb wie der Einbruch bis heute ungeklärt. Das sei der Auslöser für einen «Aufbruch» gewesen, bestätigt auch Bauernsekretär Peter Brügger, der im danach neu formierten Chästag-OK nun als Medienverantwortlicher fungiert.

Budget? Die Frage bleibt so im Raum stehen. «Das ändert sich ständig», so die Verantwortlichen. Letztes Jahr habe man «eine gute schwarze Null» geschrieben und damit einen «kleinen Stock» anlegen können. Das wäre für das OK auch ideal, um in einem Schlechtwetterjahr drohende Verluste abzufedern.

Ohnehin möchte sich der Verein Solothurner Chästag breiter abstützen. «Unser Ziel ist es, mehr Mitglieder zu haben», erklärt Vizepräsident Bruno Meyer. So könnten alle Interessierten beim Verein auf ideeller Basis beitreten. «Dazu haben wir erstmals einen Chästag-Pin mit der diesjährigen Jahrzahl kreiert. Diese wird dann jedes folgende Jahr weitergeführt.» Die Mitgliedschaft beim Verein Solothurner Chästag kommt Einzelpersonen auf 30, Organisationen dagegen auf 60 Franken zu stehen.

Grenzen erreicht

Allein der Publikumszuspruch des Grossanlasses, der auch diesmal mit vielen musikalischen Auftritten von Volksmusik-Formationen gespickt ist, würde eine Ausdehnung des Chästags auf einen weiteren Tag oder gleich aufs Wochenende durchaus rechtfertigen. Doch Bernhard Wyss winkt ab: «Das wäre bei der jetzigen Struktur unmöglich. Wir zählen auf rund 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die nicht mehr als den einen Tag für den Anlass aufwenden können.»

Ansonsten müsse man viele, bisher unentgeltliche Leistungen plötzlich bezahlen, was aus finanziellen Gründen nicht infrage komme. Auch eine Verlegung beispielsweise auf den Samstag wäre undenkbar – viele Chästag-Standbetreiber seien dann schon am Wochenmarkt gebunden.

Alpabzug mit 16 Kühen am 5. Solothurner Chästag

Alpabzug mit 16 Kühen am 5. Solothurner Chästag