Wirtschafts-Event

«Medien müssen Leuchttürme sein»

Christoph Bauer referierte über die Zukunft der Tageszeitung.

Christoph Bauer referierte über die Zukunft der Tageszeitung.

Die junge Wirtschaftskammer Solothurn JCI lud bereits zum zehnten Mal zu diesem Traditionsanlass ein. Diesmal referierte Christoph Bauer, CEO der AZ Medien AG, über Multimedia sowie die bisherige und künftige Rolle der gedruckten Tageszeitungen.

Andrea ist 28, kommt frisch von der Uni und hat kaum Zeit – zum Zeitunglesen erst recht nicht. Und dass ihre künftigen Kinder überhaupt in Tageszeitungen blättern werden, ist umso fraglicher. Das fiktive Beispiel, das Christoph Bauer, CEO der AZ Medien AG, anlässlich seines Vortrags vor der Jungen Wirtschaftskammer Solothurn skizzierte, zeigt die Medienwirklichkeit, wie sie heute ist und morgen sein wird: So verglich Bauer das Segment der Tageszeitungsleser mit dem der SF1-Zuschauer: «Unter 50-Jährige erreicht man je länger, je weniger mit gedruckten Tageszeitungen.»

Ergo: Die gedruckte Presse stehe auf der Verliererseite – künftig erst recht. So legte Bauer klare Zahlen und glaubhafte Prognosen vor: 80 Prozent der Mediennutzung werden laut Experten bis 2020 digital sein. «Über alle Medienformen hinweg ist die digitale Mediennutzung die treibende Kraft», so die entschiedene Grundaussage dahinter.

Die «Generation Gratis» im Anzug

Sich entwickelnde Medientechnologien und veränderte Bedürfnisse seitens Mensch haben den Wandel des Medienkonsums vorangetrieben. Zudem lässt ein zurzeit noch kleiner Anteil der Onlineumsätze am Medienkuchen – man rechnet heute 10 Prozent – ein gegen oben offenes Entwicklungspotenzial vermuten. Insbesondere erwähnte Bauer die «Generation Gratis»: «Diese ist nicht mehr bereit, für Informationsinhalte zu bezahlen.»

Dabei würden sich die einzelnen Medienkonsumenten ihre Inhalte fragmentiert zusammensuchen: «Wir müssen ein Leuchtturm sein in einer nicht so überschaulichen Welt», umriss Bauer die Rolle der Massenmedien. Dabei scheint es auch wichtig zu sein, in den eigenen Stuben für Ordnung zu sorgen. So sprach Bauer Unsicherheiten in Sachen Nachfrage und Trends an. Er nannte aber auch den hohen Fixkostenanteil in der Informationsproduktion, vorwiegend durch Investitionen im Druckereibereich: «Lange galt die Vorstellung: ‹Wir müssen alles selber machen›. Dabei geht es darum, die richtigen Inhalte im richtigen Format anzubieten.»

Im multimedialen Umfeld seien die Möglichkeiten der so genannten «Augmented Reality» bereits gegeben – sprich: Videoclips oder andere technologische Errungenschaften. «Nur liegen die Verlage hinter dem, was möglich ist, weit zurück.» Ebenfalls zum Thema machte Bauer die regionale Ausrichtung der Medien: Im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 habe auch die AZ Medien AG einige Bereiche zentralisieren müssen. «Doch jetzt investieren wir wieder gezielt in die Regionen.»

Dienst an der Menschlichkeit

Neben Christoph Bauers Vortrag konnte der Präsident der JCI Solothurn, Christian Unger, einen Kurzfilm ankündigen. Darin wurde die erfolgreiche Integration eines sprachbehinderten Mannes in den regulären Arbeitsmarkt thematisiert. Gerade mit solchen Impulsen oder handfesten karitativen Anlässen setzt die JCI auch Akzente, was den «Dienst an der Menschlichkeit» angeht. Damit trägt die JCI ihrem eigenen Credo Rechnung.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1