Solothurn
Medgate eröffnet sein erstes integratives Gesundheitszentrum

Futuristisch mutet es an, das neue Gesundheitszentrum oder «Health Center», das gestern Donnerstag an der Luzernstrasse seine Pforten öffnete: Lichtdurchflutete, loungeartige Räumlichkeiten und Pad-Computer statt Papiermagazine für die Patienten.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Geschäftsführer Andy Fischer (l.) und Cédric Berset, zuständig für Marketing und Kommunikation.

Geschäftsführer Andy Fischer (l.) und Cédric Berset, zuständig für Marketing und Kommunikation.

Futuristisch ist auch die Stossrichtung, die die Betreiberin Medgate mit ihrem Solothurner Standort verfolgt. «Wir haben hier ein Demo-Gesundheitszentrum verwirklicht», erklärt Andy Fischer, Geschäftsleiter von Medgate. «Demo» deshalb, weil es laut Fischer das erste seiner Art ist, und zwar weltweit.

Zur Vorgeschichte: Das in Basel beheimatete Unternehmen Medgate hat sich gerade im Zuge des teurer werdenden Gesundheitswesens auf telemedizinische Anwendungen spezialisiert. Das Prinzip dahinter: Patienten konsultieren bei einem auftretenden Leiden zunächst eine telefonische Beratungsstelle. Oder dann werden medizinische Diagnosedaten von einer entsprechenden Fachkraft auf digitalem Wege an den Spezialisten, beispielsweise den Dermatologen, übermittelt.

Neu in Solothurn ist, dass man den Behandlungspfad erweitert: Bisher musste der Patient für Weiterbehandlungen an externe Dienstleister überwiesen werden. Diese Triage war aber mit Schwierigkeiten verbunden, was mit den Auflagen der Wettbewerbskommission zusammenhängt oder mit der Tatsache, dass laut Fischer lediglich erst elf Prozent aller Praxen ihre Patientendokumente elektronisch verwalten.

Integrierte ambulante Versorgung

«Eigentlich wollten wir ja nicht zusätzliche medizinische Infrastruktur hinknallen, die schon da ist», meint Fischer rückblickend. Dennoch wurde mit dem «Health Center» in Solothurn der Startpunkt für eine integrierte ambulante Versorgung gesetzt, die je nach Fall eine Überweisung an Externe überflüssig macht. Konkret: Patienten können sich rund um die Uhr via Telefon beraten lassen oder kommen direkt vorbei. In Solothurn werden Dienstleistungen im Bereich der Allgemeinen und Inneren Medizin, in der Gynäkologie und der Kindermedizin angeboten.

Ferner stehen Instrumente bereit (MRI, Röntgen, EKG, sowie diverse medizinische Kameras), die eine Ferndiagnose ermöglichen. Dadurch kann der Dermatologe, Augenarzt oder Radiologe den Zustand des hiesigen Patienten von Basel aus beurteilen. Die dokumentarische Abwicklung verläuft digital, so dass man von einem «papierlosen Büro» sprechen kann. Aus Sicht Fischers geht das ganzheitliche Modell des Medgate-Zentrums mit einer Prozessoptimierung einher, die eine Behandlung günstiger und schneller macht.

Warum zuerst Solothurn?

Ein weiteres Zentrum im gleichen Stil und «Kleid» wird zurzeit in Zürich gerade gebaut. Dass aber Solothurn schon vorher in die Kränze kam, hat seine Gründe: «Zunächst einmal haben wir hier eine städtische Struktur mit einem grossen ländlichen Einzugsgebiet.» Darüber hinaus attestiert der Geschäftsführer der Region für Schweizer Verhältnisse einen Mangel in der medizinischen Grundversorgung, ebenso wie in der Alternativversorgung.

So werde das regionale Leistungsangebot durch das «Health Center» ideal ergänzt. Weiter habe man in Solothurn durch die bisherigen telemedizinischen Dienstleistungen schon einen stattlichen Patientenstamm. Somit scheint der fruchtbare Boden gelegt: «Wir sind überzeugt, dass unser Modell funktioniert», so Fischer, «aber bewiesen ist es natürlich noch nicht.»