Der österreichische Buchautor Christian Felber, ein Sprachrohr der Bewegung für die Gemeinwohl Ökonomie, stellte eben dieses Modell einer neuen Wirtschaftsordnung unaufgeregt, sachlich und mit Überzeugungskraft vor. In Umfragen in Deutschland und Österreich haben sich 88 beziehungsweise 90 Prozent der Befragten für ein neues Wirtschaftsmodell ausgesprochen.

147 Konzerne beherrschten die Weltwirtschaft. «Die Wirtschaft ist wichtig, aber sie ist nicht Selbstzweck, sondern soll den Menschen dienen. Das oberste Ziel des Wirtschaftens soll das Gemeinwohl sein.» Der Referent erklärte auch, dass das aus dem Griechischen stammende Wort «Ökonomie» heutzutage falsch interpretiert wird.

Demnach wäre das Geld einfach als Mittel zu betrachten, während heute in der Wirtschaft das Geld als Zweck behandelt wird. Das von ihm vorgestellte Modell versucht den finanziellen und den ethischen Wert der Wirtschaft in Einklang zu bringen. In vielen Staaten erklärt die Verfassung das Wohl der Allgemeinheit zum Ziel.

«Kapital ist etwas Gutes, aber nur ein Mittel und nicht der Zweck.» Die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung sollte deshalb das oberste Ziel der Politik sein. Christian Felber führte Beispiele an, in welchen an Hochschulen, in Parlamenten und in der Wirtschaft dieses neue Modell mit einer Balance von Finanz und Ethik geforscht, diskutiert und nachgelebt wird.

Die Realität ist anders

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion, die von Mike Bucher eloquent und mit Sachverstand geleitet wurde, kam es zu teils hitzigen Wortgefechten. Niemand aus dem Podium stellte sich eindeutig hinter die Schlussfolgerungen des Referenten. Einig waren sie sich indessen, dass unsere Wirtschaft verbesserungswürdig ist.

Barbara Emmenegger, Soziologin und Dozentin an der Hochschule Luzern, betrachtet die Gemeinwohl Ökonomie als eine unter verschiedenen Möglichkeiten. Sie denkt dabei vor allem an genossenschaftliche Einrichtungen. Die Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen, Anita Panzer, hält das Modell nicht für umsetzbar.

Sie wehrt sich dagegen, dass der Staat sich immer mehr einmischt. Doch soll die Freiheit nur mit sozialer Verantwortung genutzt werden.

Die entschiedensten Einwände gegen die Gemeinwohl Ökonomie brachte Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung, ein. Er sieht zwar wohl Reformbedarf, doch sollte das System der sozialen Marktwirtschaft erhalten bleiben. Er verwies auch auf die Wirtschaftsstruktur der Schweiz, wo 88 Prozent Familien-Unternehmen sind und 65 Prozent der Arbeitskräfte in Familien-Unternehmen tätig sind.

In letzter Konsequenz würde die Gemeinwohl Ökonomie das Recht auf Eigentum infrage stellen. In seiner Replik erinnerte Christian Felber an die Einführung der Menschenrechte. Auch das war ein langer Weg, bis sie schliesslich weltweite Gültigkeit erhielten.

Mike Bucher liess schliesslich auch zwei Vertreter zu Wort kommen, welche in ihren Unternehmen das Modell der Gemeinwohl Ökonomie mit Erfolg eingeführt haben. Das Schlusswort hatte der Referent: «Ich bin nicht für Freihandel, aber für ein freies Denken.»