Allen gemeinsam ist, dass sie Szenen aus dem täglichen Leben zeigen, dass die Figuren aus der Konvention ausbrechen und sich gleichsam entlarven. Das ist durchaus lustig, aber manchmal bleibt einen das Lachen im Halse stecken, weil das Geschehen auf der Bühne an eigene Alltagssituationen erinnert, die vielleicht auch nicht optimal bewältigt worden sind. Dazu kommt, dass vom Autor erwartet wird, dass alle Rollen von fünf Personen gespielt werden. Alan Ayckbourne ist einer der bekanntesten britischen Dramatiker. Zuletzt war von ihm im Kino die Adaption seines Stückes «Life of Riley» von Alain Resnais unter dem Titel «Aimer, boire et chanter» in Solothurn zu sehen. Auch hier die Demaskierung einer bürgerlichen Gesellschaft.

Starke Frauen, schwache Männer

Eine besorgte Mutter spricht in kindlichem Slang mit einem nicht auf der Bühne anwesenden Kind. Dort liegen zerstreut Spielsachen und Kinderbücher. Das Kleine musste wohl zu Bett. Das Telefon schellt, die Hausglocke klingelt, Lucy, die Mutter, ignoriert beides. Im Morgenmantel und mit Kopftuch beginnt sie aufzuräumen. Weil Lucy auf wiederholtes Klingeln nicht geöffnet hat, kommt die Nachbarin, Rosemarie, herein, um nachzuschauen, ob was passiert sei. Lucy empfängt sie wie wenn Rosemarie ein Kind wäre. Diese wollte ihr nur ausrichten, dass sie, Lucy, ihren Mann, Harry, zurückrufen sollte, weil er vergeblich versucht hat, sie anzurufen.
Schliesslich taucht auch noch Larry auf, Rosemaries Mann, um zu sehen, wo seine Frau geblieben ist. Er entlarvt sich als egozentrischer Macho, der durch die kindliche Naivität Lucys in die Schranken gewiesen wird. Nach «Mutterfimmel» folgt «Das Gleiche nochmals». Darin versucht Harry die Freundinnen Paula und Bernice anzubaggern, um wenigstens eine von ihnen auf sein Hotelzimmer zu locken.

Der erbärmliche Versuch ein Casanova zu sein misslingt. Um Seitensprünge geht es in «Zwischen zwei Bissen». Auch hier kommt den Männern die Rolle des schwachen Geschlechts zu. Etwas anders gelagert das abschliessende «Gespräch im Park», das von Vereinsamung erzählt.

Wandlungsfähige Darstellende

Mehrere Umbauten mit diversen Möbeln und vielen Requisiten bilden den äusseren Rahmen. Ein Bild an der hinteren Wand charakterisiert jeweils den Ort der Handlung. Damit die Darstellenden im besten Licht dastehen, sorgen Silvia Ferrari und Joseph Tschudin bei der Technik. Franziska Bussmann wandelt sich von der besorgten Mutter über die eher kokette Bernice zur eifersüchtigen Mrs. Pierce und schliesslich zur vereinsamten, männerhassenden und Hunde liebenden Doreen. Sehr beeindruckend auch Maleewan Drieghe als endlich ihren Mann realistisch sehende Rosemarie, als angebaggerte Parfümverkäuferin Paula, als von ihrem Mann vernachlässigte Polly und als Studentin Beryl in einer Lebenskrise.

Mal Macho, mal bemühter Casanova-Verschnitt, mal karrieresüchtiger Martin und mal die Ruhe suchender Ernest schlüpft David Gnägi souverän in die verschiedenen Rollen. Zuerst ist Patrick Kappeler nur als Telefonstimme zu hören, doch als Mr. Pierce, ein erfolgreicher Geschäftsmann und Seitenspringer und als vereinsamter Charles präsentiert er sich auf der Bühne als Charakterspieler. Ganz grossartig das Mienenspiel von Gregor Wild als Ober, wenn sich die Gäste etwas seltsam benehmen. Letztlich scheitert er als Arthur bei seiner Anmache, denn Beryl hat genug eigene Probleme. Ein heiterer Theaterabend mit Tiefenwirkung.

Weitere Aufführungen: Freitag/Samstag 8.)9. Dezember, Mittwoch, 13. Dezember und Freitag 15. Dezember je 20 Uhr