«Biedermann und die Brandstifter»
Mausefalle bringt zeitloses Stück auf die Bühne - und überzeugt

«Biedermann und die Brandstifter», ein zeitloses Theaterstück von Max Frisch, das zur Weltliteratur zählt, wird vom Teatro Mobile in einer packenden Aufführung dargeboten.

Helmuth Zipperlen
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David Gnägi als Biedermann (v.l.), Remo Streit und Christoph Stapfer als Brandstifter.

David Gnägi als Biedermann (v.l.), Remo Streit und Christoph Stapfer als Brandstifter.

Zur Verfügung gestellt

Wie immer bei Max Frisch geht es auch in diesem «Lehrstück ohne Lehre» um die Suche nach der Identität. Eine solche geht nämlich dem Fabrikanten Gottlieb Biedermann ab. Wenn er kann, ist er rücksichtsloser Kapitalist, aber wenn die Dinge anders liegen, ist er ein erbärmlicher Feigling. Mit «Biedermann und die Brandstifter» kommt Frisch auch ganz nahe an Friedrich Dürrenmatt heran. Die Personennamen sind ebenso doppeldeutig wie jene im Dürrenmatt’schen Güllen.

Gottlieb (!) Biedermann stellt seinen engsten Mitarbeiter auf die Strasse, um den Profit aus einer Erfindung mit ihm nicht teilen zu müssen. Er hetzt das Dienstmädchen Anna herum und verbietet seiner Frau, hohe Absätze zu tragen, damit sie nicht grösser erscheint als er. Als dann Josef Schmitz auftaucht, ein obdachloser Herumstreicher, will er ihn kurzerhand aus dem Haus schmeissen. Doch als Schmitz sich als ehemaliger Preis-Ringer zu erkennen gibt, kuscht der unsportliche Biedermann und lässt Schmitz auf dem Dachboden einziehen.

Damit öffnet er dem Brandstifter, welcher letztlich seine Existenz vernichtet, Tür und Tor. Ganz Geschäftsmann versucht Biedermann Schmitz und dessen inzwischen aufgetauchten Kumpan Eisenring mit einem gediegenen Nachtessen zu bestechen. Der dritte Brandstifter, ein Akademiker, hat die beiden unterstützt, weil er meinte, deren Aktionen würden sich gegen den Kapitalismus richten. Als er einsieht, dass es ihnen um reinen Spass am Entsetzen geht, distanziert er sich. Für Deutschland hat Frisch noch ein Nachspiel geschrieben, welches Biedermann als einen Mitläufer der Nazis bezeichnet. Das wird in dieser Inszenierung zu Recht weggelassen, denn der Stoff ist einfach zu zeitlos, um ihn einzugrenzen.

Üppiges Bühnenbild

Für «Mausefalle»-Begriffe wird in einem reichhaltigen Dekor gespielt. Das Wohnzimmer der gutbürgerlichen Familie Biedermann ist mit vielen Details ausgestattet, und der Estrich ist mit einer Türe aus Holzgittern – also sehr echt – versehen. Da steckt zwar immense Arbeit dahinter, doch dem Text wird damit ein zutreffendes Ambiente geboten. Mit Filmeinblendungen wird versucht, die Charaktere noch besser zu kennzeichnen.

Die darstellerischen Leistungen auf der Bühne lassen kaum Wünsche übrig. David Gnägi ist ein überzeugender Biedermann. Vom polternden Patriarchen bis zum anbiedernden Schwächling kann er gekonnt die ganze Palette ausspielen. In gleichem Masse mutiert Remo Streit vom bittstellenden Schmitz zum befehlsgebenden Gast. Als sich dem Gatten unterordnende Hausfrau hat Elian Frei wenig Entfaltungsmöglichkeiten, wirkt jedoch überzeugend.

Im Gegensatz zum grossspurig auftretenden Schmitz stellt Christoph Stapfer als Eisenring die einschmeichelnde Verführung in den Vordergrund. Silvana Grellmann zeigt als Dienstmädchen Anna in ihrer Mimik, wie viel Ärger sie schlucken muss, ohne aufzumucken. Ihren kleinen Rollen als Akademiker und Polizist werden Lukas Rhiner und Felix Fels gerecht.

Léonie Schütz vermag in ihrer stummen Rolle als Witwe Knechtling durch ihre Haltung die ganze Tragik ihrer Figur auszudrücken. So ist denn erneut unter der Leitung von Remo Streit, welcher auch die Idee zu dieser Inszenierung hatte, eine ausgeglichene Ensembleleistung auf hohem Niveau entstanden.

Für das ausgezeichnete Bühnenbild zeichnen Daniel Hertig und sein Team verantwortlich, während die Technik der Aufführungen in den Händen von Melanie Egger gut aufgehoben ist.

Der grosse Applaus bewies, dass die Aufführung dem Publikum gefallen hat.

Weitere Aufführungen: Fr, 12., Mi, 17., Fr/Sa, 19./20. September je 20 Uhr, So, 21. September, 17 Uhr, Fr/Sa, 26./27. September je 20 Uhr. Weitere Informationen unter www.mausefalle.ch