Malerisch, mit viel Geschichte – so beschreibt Maryna Markova die Stadt Solothurn. Vor knapp einer Woche ist die ukrainisch-deutsche Künstlerin aus Berlin angereist. Sie ist Teil des «Artists in Residence»-Programms, eines geförderten Werkaufenthalts – als Gastkünstlerin erhält sie die Möglichkeit, ein Projekt in einem neuen sozialen und kulturellen Umfeld umzusetzen.

Das Alte Spital wird drei Monate lang ihr Zuhause und gleichzeitig ihr Atelier sein, in dem sie täglich recherchiert, skizziert, malt und experimentiert. In ihrer Arbeit will sie sich mit der Vergangenheit des Gebäudes auseinandersetzen und Erinnerungen an das Alte Spital wieder aufleben lassen.

Erinnerung, oder auch der Verlust derselben, ist das Hauptthema Markovas bisheriger künstlerischer Tätigkeit. Vor 30 Jahren in der Ukraine geboren, emigrierte sie mit 16 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Ein Erlebnis, das ihr Schaffen massgeblich prägte: «Ich verspürte Sehnsucht nach meinem Zuhause, gleichzeitig verblasste nach und nach die Erinnerung daran.»

An der Universität der Künste Berlin verarbeitet sie diese Erlebnisse in Bildern. Sie zeigen Menschen in öffentlichen Räumen, deren Silhouetten mit dem Hintergrund verschmelzen und so ihre Identität verlieren.

Bilder, die Löcher haben dürfen . . .

Wie als Metapher für den eigenen Identitätsverlust ist Markova fasziniert von verlassenen Räumen, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben. Eine ehemalige Lungenheilanstalt oder verwaiste Stationen russischer Truppen – in Deutschland hat sie solche Orte oft aufgesucht. So ist unschwer nachzuvollziehen, dass das Alte Spital mit seinem geschichtsträchtigen Hintergrund der ideale Ort für Markovas Schaffen darstellt.

Die Textur verfallener Gebäude findet sich auch in Markovas Bildsprache wieder. Sie experimentiert mit verschiedenen Medien, wie z.B. Öl- und Wasserfarbe, die sich gegenseitig abstossen: «Es kann sein, dass meine Bilder mit der Zeit auseinanderfallen oder Löcher bekommen – das würde mich freuen», sagt sie und lächelt.

In ihrem aktuellen Projekt soll ein «Raum im Raum entstehen» – mobile Wandelemente, die vergangene Spuren des Alten Spitals aufnehmen. Eine installative Arbeit mit malerischen Elementen, in denen die geschichtliche Patina des Orts reflektiert wird. Doch eigentlich geht es ihr weniger um die Geschichte als um ein Gefühl: «Ich will mit meiner Kunst eine Atmosphäre schaffen, die bei den Besuchern Emotionen auslöst.»