Sie haben als Leiter des Real Estate Asset Management Schweiz (REAM) für die Credit Suisse in den letzten 17 Jahren viel erreicht.

Markus Graf: Die Investitionen in Schweizer Immobilien belaufen sich heute im REAM auf 30,5 Milliarden Franken. Damit ist das REAM der zweitgrösste Manager von Immobilienanlagen in Europa. Gestartet wurde 1995 mit 700 Millionen. Durchschnittlich hat das REAM in den letzten Jahren pro Jahr 2 Milliarden Franken für Käufe und Bauten von Liegenschaften eingesetzt und in Anlageprodukte verpackt.

Einige Beispiele?

In dieser Zeit entstanden Bauten wie der Messeturm Basel, Sihlcity und der Prime Tower in Zürich … (lacht), wo ich jetzt im 34. Stock mein Büro habe. Dann aber auch die Postfinance-Arena in Bern oder die Hochhäuser Uptown in Zug und «Hochzwei» auf der Luzerner Allmend.

Swiss Prime Site, was steht hinter dieser AG, auf deren Führung Sie sich neu konzentrieren?

Die Swiss Prime Site AG mit Sitz in Olten ist eine Immobilien-Investmentgesellschaft, die wir 1999 gegründet haben. Der Immobilienbestand der Swiss Prime Site liegt heute bei einem Wert von 8,5 Milliarden Franken. Swiss Prime Site ist in der ganzen Schweiz präsent und beschäftigt zusammen mit den Tochtergesellschaften wie Wincasa AG, Jelmoli AG oder Clouds Gastro AG rund 1700 Mitarbeitende. Die Clouds Gastro AG hat allein 130 Angestellte, die im Prime Tower Zürich beschäftigt sind. Dessen Restaurant ist übrigens vor kurzem mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden.

Auch die Stadt und Region Solothurn haben von ihrem Wirken profitiert.

Ja, das REAM konnte die Seminarmeile, die Überbauung Perron1 beim Hauptbahnhof oder auch die Altersresidenz Tertianum auf der Sphinxmatte realisieren. Im November 2012 hat die Swiss Prime Site AG den Business Park Riverside in Zuchwil erworben. Mit der Seminarmeile haben wir erstmals das Private Public Partnership (PPP) entwickelt. Dieses Modell wird heute in der ganzen Schweiz angewendet. So beispielsweise beim Bau eines Kongresszentrums und eines Wohngebäudes für Studenten auf dem Campus der ETH Lausanne.

Die Seminarmeile mit den Bestandteilen Seminarhotel Ramada, Landhaus und Palais Besenval war mit den Partnern Kanton und Stadt auch eine politische Herausforderung. Für einen Banker wohl nicht immer ganz einfach?

Tatsächlich war am Anfang das Verhältnis eine Herausforderung. Es musste zuerst ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstehen. Als sich das Projekt einer Seminarmeile dann konkretisierte, erkannte man die daraus resultierende Win-win-Situation, die ja dann auch eingetreten ist. Darum ging es mit dem Kauf und der Zusammenarbeit betreffend dem Hotel Krone dann auch so rasch. Die Übernachtungszahlen in der Seminarmeile steigen in den ersten sechs Jahren übrigens um das Dreifache. Auch deshalb wurde sie kürzlich von Schweiz Tourismus als herausragendes Projekt ausgezeichnet.

Der 30-Mio.-Neubau Perron1 neben dem Hauptbahnhof barg sicher gewisse Risiken. Geschäfts- und Büroräumlichkeiten sind in Solothurn en masse auf dem Markt.

Der Hauptbahnhof war isoliert, darum herum befand sich nur «Gerümpel». Im Westen holte ich mir beim Parkieren morgens öfters dreckige Schuhe – das Projekt Perron1 entstand sozusagen aus meiner persönlichen Pendlersituation heraus. Jetzt sollte noch die Ostseite des Bahnhofs mit einem richtigen städtischen Eingangstor aufgewertet und attraktiver gemacht werden. Das Park and Ride könnte man in den Neubau integrieren.

Mit der Situation in der Vorstadt sind Sie nicht ganz glücklich?

Mit der Schliessung der Wengibrücke für den Privatverkehr wurde die Vorstadt abgenabelt. Die Situation ist nicht optimal. Der Dornacherplatz wirkt steril, man könnte ihn durchaus auch überbauen. Einige kleinere Gebäude wurden in der Vorstadt zwar renoviert, aber das reicht nicht.

Dafür gingen die Wohnungen im Perron1 weg wie warme Weggli.

Wir haben bei einigen Bahnhöfen das Gleiche gemacht. Auch in Zürich, Adliswil, Dielsdorf oder im Langhaus Baden gingen die bei Pendlern begehrten Wohnungen neben Bahnhöfen weg wie warme Weggli. So hätte ich auch keine Angst, östlich des Solothurner Hauptbahnhofs eine solche Überbauung zu realisieren. Unser Vorteil bei solchen grösseren Vorhaben ist, dass wir einfacher zu Geld kommen als kleinere Player, was auch Vertrauen und Sicherheit schafft.

Der Standort Solothurn steht vor grossen Herausforderungen und allfälligen Umwälzungen. Eine Fusion mit den grösseren Nachbargemeinden der Stadt im Süden könnte Tatsache werden. Was heisst das für Investoren wie die Swiss Prime Site AG?

Die angedachte Fusion ist sinnvoll, denn sie ermöglicht eine sorgfältigere Planung der Infrastruktur. Auf dem Areal des Riverside Business Parks (früher Sultex-Areal) in Zuchwil ergeben sich auf 70000 Quadratmetern Möglichkeiten wie zum Beispiel Wohnungen am Wasser zu erstellen. Zudem sind die bestehenden Industriebauten voll vermietet. Wir sollten nicht nur in den zentralen Städten bauen – das Areal in Zuchwil ist nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof und der Altstadt Solothurns entfernt. Das ist für Pendler sehr attraktiv, sie verdienen ihr Geld beispielsweise in Zürich und können hier viel günstiger leben. Das Potenzial für Solothurn ist da, mit einer Fusion sowieso.

Können Sie auch nach dem Funktionswechsel noch Impulse für die Region Solothurn geben?

Ja, sicher. Bisher hatte ich zwei 100-Prozent-Jobs. Da 110 Mitarbeitende des Real Estate Asset Management der Credit Suisse, dort die Swiss Prime Site AG mit heute 1700 Mitarbeitenden. Zwölf Jahre lang leitete ich beide Bereiche in einer Doppelfunktion. Jetzt habe ich mich für die Swiss Prime Site AG entschieden und damit für die Solothurner Firma. Mit Projekten wie dem Hotel Krone werde ich mich weiter befassen. Ich werde es als Advisor weiter betreuen und vor allem die Kontakte zu den beiden Besitzern, dem Kanton und der Stadt, pflegen. Und als Leiter eines Solothurner Unternehmens bin ich weiterhin mit Investitionen in der Region wie im Riverside Business Park befasst.

Wohl das emotionalste Geschäft für Solothurn war ja der Verkauf des Hotels Krone an den Kanton und die Stadt. Das REAM hat sich wieder als Partner und Investor für das Traditionshaus im Baurecht gewinnen lassen. Warum?

Wichtig ist für mich die Arrondierung der Seminarmeile. Wir haben wie erwähnt viel mehr Übernachtungen in Solothurn, das auch dank seiner Verkehrslage zu einem idealen Treffpunkt für den Geschäftstourismus geworden ist. Wir könnten mit der «Krone» die touristische Infrastruktur optimieren, die Stadt wird attraktiver. Und schliesslich generieren wir damit auch Arbeitsplätze.

In Solothurn kursieren allerhand Gerüchte. Wie könnte denn die «Krone» künftig aussehen?

Das Haus wird weiterhin als Hotel im Drei- bis Viersternbereich geführt. Auch soll es die Infrastruktur für gesellschaftliche Anlässe wie ein Restaurant beinhalten. Dazu kommen Mietwohnungen. An der Kronengasse dürften zwei, drei Geschäftslokale entstehen – eine offene Frage ist noch, wie man den jetzigen Barockgarten und die Terrasse ins Gesamtkonzept integrieren kann.

Sie wohnen selbst mit Ihrer Familie in Feldbrunnen und somit in der Region Solothurn. Kein selbstverständlicher Entscheid für einen Mann in Ihrer Funktion.

Mein privater Lebensmittelpunkt ist in Solothurn, in einer Region, die eine hohe Lebensqualität und eine zunehmende wirtschaftliche Dynamik bietet. Mir ist es ein Anliegen, dass Investitionen nicht nur in Zürich, Bern und Basel getätigt werden müssen. So gesehen ist die Wahl meines Wohnorts nur konsequent.