Seit Jahren habe man nicht mehr so viele Leute im «Chutz» für eine Jazz-Matineegesehen. Rolf Rickenbacher vom Verein «Jazz im Chutz» war gestern sichtlich begeistert, und das Konzert der Ladybirds schien schon im Vorfeld ein Erfolg zu sein.

Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn waren bis auf wenige Ausnahmen alle Sitzplätze belegt und erste Hocker wurden organisiert, während die Musiker sich einspielten. Als das Konzert um halb elf begann, waren gar Treppe und Gang von Zuschauern belegt, an Servieren war eigentlich nicht mehr zu denken. Und trotzdem kämpfte sich das Servicepersonal durch die Menge.

Ein abwechslungsreiches Jazzkonzert

Zwei Sets spielten die Ladybirds – Petra Wydler, Sarah Jordi, Angela Petiti und Christine Weber – zusammen mit ihrer Band, die aus Pianist Sven Ryf, Schlagzeuger Andy David und Bassist Albrecht Martin bestand. Zusammen boten die Musiker dem Publikum ein fantastisches, abwechslungsreiches Jazzkonzert, gespickt mit Pop- und Swing-Einlagen.

Für das «sanfte Wecken» – wie es Christine Weber nannte – war zunächst die Band zuständig, welche mit einigen lockeren Jazz-Instrumentals den Anfang übernahm, bevor die «zauberhaften Ladys», wie Rolf Rickenbacher sie anmoderierte, ganz in Schwarz und Rot gekleidet die «Bühne» betraten. Platz hatten auch die Musiker nicht viel zur Verfügung, was die jungen Sängerinnen aber nicht daran hinderte, sich sehr elegant zu bewegen – und dabei verschmitzt zu lächeln.

Einflüsse von Norah Jones

Das Repertoire der Ladybirds umfasst Klassiker aus der Jazzwelt, es finden sich aber auch Latins wie Al Jarreaus «Spain» oder Pop-Songs wie Christina Aguileras «Moulin Rouge». Zwei grosse Vorbilder der Ladybirds sind laut Sarah Jordi zudem «Manhattan Transfer» und Norah Jones, weshalb die Stücke dieser Musiker einen prominenten Platz im Repertoire einnahmen.

Norah Jones’ ruhiges Stück «Sunrise» oder der sehr unterhaltsame Song «Java Jive» trugen die Sängerinnen vierstimmig vor, in den Strophen wechselten sie sich gegenseitig ab. Den Inhalt des letzteren Songs beschrieb Angela Petiti mit den Worten «Es geht um guten Kaffee und noch besseren Tee.», bevor sie Sven Ryf und Andy David kurzerhand eine Kaffeepause gönnte, sodass die Ladys nur noch von Martin Albrecht begleitet wurden.

Offensichtlicher Spass an der Musik

Die Stimmenvielfalt der vier Sängerinnen kam im ganzen Programm sehr gut zur Geltung, und zusammen ergänzten sie sich zu einem harmonischen Ganzen. Die jungen Frauen bewiesen, dass sie tiefe und hohe, leise und laute Töne beherrschen und diese geschickt in einzusetzen wissen.

Zusammen mit fliessenden Bewegungen, sinnlichen und frechen Blicken und offensichtlichem Spass an ihrer Musik, eroberten die Sängerinnen die Herzen des Publikums im Sturm. Die grosse Begeisterung zeigte sich durch den immer lauteren Applaus.

Obwohl die drei Musiker während des ganzen Konzertes den Ladys ganz gentlemanlike immer den Vortritt liessen, konnte das Publikum auch ihr Können bestaunen, denn in ihren Soli bewiesen die drei Herren, dass sie den Jazz im Blut haben. Und zum Schluss ergänzte Sven Ryf die Sängerinnen gar gesanglich im Klassiker «Route 66» von Nat King Cole.

Ladybirds fürs Wohnzimmer

Gegen Ende des Konzertes folgte für alle Fans der Ladybirds eine schöne Überraschung. «Wir werden immer wieder gefragt, ob man uns nicht auch zu Hause hören kann.

Und wir müssen einfach sagen: ‹Nein›», so Petra Wydler. Doch dann nahm sie mit einem frechen Lächeln eine CD hervor. Vier Songs sind auf dieser Demo-CD zu hören; dabei handelt es sich um qualitativ hochwertige Livemitschnitte der Ladybirds. Das gute Stück konnte nach Ende des Konzertes bei den Sängerinnen bezogen werden.