«Wir haben heute Morgen das Personal über den Entscheid informiert», teilt Manor-Regionaldirektor Flavio Milani kurz danach dieser Zeitung im Manora-Restaurant mit. Auch Stadtpräsident Kurt Fluri sei über den Entscheid gerade unterrichtet worden. In der Schanzmühle oben strömen um 9 Uhr die ersten Kundinnen und Kunden ins Einkaufsparadies. Strahlender Sonnenschein – ein Tag wie jeder andere? Nicht ganz. «Sie haben es sicher schon gehört?», spricht mich ein Mitarbeiter an. Ja natürlich. «Ich arbeite heute jedenfalls nicht mehr.» Die Autotür fliegt zu. Der Mann hat sichtlich die Schnauze voll.

Hin und Her

Noch Anfang 2015 hatte es bei Manor ganz anders getönt: Millionen wolle man in den Standort Schanzmühle stecken und diesen umbauen. Im Sommer darauf verdichteten sich Anzeichen auf einen möglichen Exodus. Im April 2016 dann das Bekenntnis: Manor hatte den Mietvertrag in der Schanzmühle nach einer zweijährigen Verlängerung auf Ende Juni 2018 gekündigt. Dies mit der Absicht, die Food-Abteilung in die Altstadt zu verlegen. Den Food hätte man im Sous-Sol anbieten wollen – durch die Unterbauung des Innenhofes einer Nachbarliegenschaft wäre das Untergeschoss auf 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche angewachsen. Der Plan hätte jedoch ein massiv ausgedehntes Anlieferungskonzept durch die St. Urbangasse bedingt. Von 15 Mehrfarten täglich war damals die Rede. Dagegen wehrten sich viele Anwohner und Hausbesitzer mit Einsprachen.

Vorne geht auch nicht

Da der Umzugstermin im Frühling/Sommer 2018 durch die Kündigung des Mietvertrags fix war, fehlte die Zeit um einen jahrelangen juristischen Kleinkrieg mit den Einsprechern auszufechten. «Wir haben die Nachbarschaft stets in unsere Planung einbezogen», versichert Flavio Milani. Und so prüfte Manor auch eine Anlieferungsvariante vorne durch die Gurzelngasse. Ein Plan, der sich jedoch als undurchführbar erwies.

Das Hauptproblem: Man hätte jeden Tag, sechsmal die Woche Anlieferungen durchführen müssen. Doch dies ist wegen der Monats- und Wochenmärkte nur drei- bis viermal in der Woche möglich und auch das Zeitfenster von lediglich einer Stunde täglich genügte nicht. «Die Kriterien von Manor Food hinsichtlich Qualität und Frische sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten und der Produktion vor Ort lassen sich leider nicht mit den Vorgaben für die maximale Anzahl der Lieferungen und die Liefertage vereinbaren», erklärt dazu Flavio Milani. 2016 hatte Manor Food in Solothurn eigenen Angaben zufolge mit 29 regionalen Produzenten im Umkreis von 30 Kilometern zusammengearbeitet.

Varianten geprüft

Auf Anfrage bestätigt der Regionaldirektor auch, dass man verschieden Alternativ-Varianten geprüft habe. So den Standort an der Wengistrasse, wo Migros noch bis Ende Jahr ein Umbauprovisorium betreibt oder den ehemaligen Amag-Standort an der Baselstrasse, an dem nun ebenfalls Migros einziehen will. «Auch haben wir geschaut, ob die Anlieferung Food hinten und Non Food vorne möglich sei.»

Doch habe dies ebenfalls nicht zur gewünschten Lösung geführt, bestätigt neben Milani auch der neue Manor-Direktor in Solothurn, David Strube. Ein Verbleib in der Schanzmühle sei aus zwei Gründen nicht infrage gekommen: «Die Investitionen wären so hoch wie in der Altstadt gewesen. Und wir sind nach wir vor überzeugt, dass das Food-Vollsortiment im Warenhaus am richtigen Ort gewesen wäre,» meint Milani.

Lidl kommt, Manor baut um

Der bisherige Manor-Standort in der Schanzmühle, vermietet durch die Kantonale Pensionskasse als Eigentümerin, wird ab 2018 durch die deutsche Food-Kette Lidl angemietet. Immerhin will Manor an der Gurzelngasse die längst geplante und baubewilligte Unterbauung des vom Nachbarn gemieteten Innenhofs realisieren. Dies sei als Bekenntnis zum Standort Solothurn zu werten. «Zuletzt wurde mir mitgeteilt, dass die Umsätze und Frequenzen in Solothurn wieder besser geworden seien», ergänzt dazu Stadtpräsident Kurt Fluri.

Was passiert mit dem Personal?

Die Angestellten im Manor Food hatten schon seit der Auszugs-Ankündigung 2016 um ihre Jobs gebangt. «Kündigungen sind noch keine ausgesprochen», so Flavio Milani. Es laufe jetzt eine einmonatige Konsultationsfrist, in der seitens des Personals Vorschläge eingebracht werden könnten.

Falls keine Alternativen gefunden würden, arbbeitet Manor einen Sozialplan aus. 45 Arbeitsplätze sind betroffen. Das Bedauern über den Entscheid ist bei den Direktoren spürbar: «Die Leute waren mit ihrem ganzen Herzen bei Manor dabei», betont etwa David Strube.