Vom Solomarkt an die Gurzelngasse
Manor Food kommt definitiv in die Solothurner Altstadt

Manor Food im «Solomarkt» wird 2018 definitiv Geschichte sein. Das Manor-Warenhaus in der Solothurner Altstadt soll eine Lebensmittelabteilung mit einem Vollsortiment auf der annähernd gleichen Fläche wie am alten Standort erhalten.

Wolfgang Wagmann
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Soll spätestens Mitte 2018 Geschichte sein - Manor Food in der Schanzmühle
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Manor an der Gurzelngasse erhält den Mitte der neunziger Jahre ausgelagerten Food-Bereich zurück
Hier gehts schon bald zur neuen Food-Abteilung
Im Sous-sol soll künftig die Food-Abteilung von Manor angesiedelt werden
Diese Ecke wird entfernt und macht 200 Quadratmetern Verkaufsfläche Platz
Regionaldirektor Franco Milani und Solothurns Manor-Direktor Jürg Bächli freuen sich auf die Neuerungen
Food-Abteilung im Manor in der Solothurner Altstadt kommt
Die Anlieferung muss weiterhin über die St. Urbangasse erfolgen
Diese Transportbehälter sollen geräuscharmer werden

Soll spätestens Mitte 2018 Geschichte sein - Manor Food in der Schanzmühle

Hanspeter Bärtschi

Nun gibt es kein Zurück mehr: Manor will Lebensmittel nur noch im Untergeschoss seines Warenhauses an der Gurzelngasse verkaufen. Das heisst: Der bis Mitte 2018 verlängerte Mietvertrag mit der Kantonalen Pensionskasse läuft dann im Standort Schanzmühle definitiv aus.

Die Investitionen dort wären «äusserst umfangreich» gewesen, verweist Regionaldirektor Franco Milani beispielsweise auf fehlende Isolation des ehemaligen Fabrikgebäudes, in dem Manor Food seit gut 20 Jahren untergebracht ist. «Wir haben auch andere Standorte in Solothurn angeschaut», räumt Milani ein – sich dann aber entschlossen, die Lebensmittalabteilung wieder in der Altstadt anzusiedeln.

«Wir haben untersucht, wie die Stadt Solothurn lebt. Sie lebt gut am Samstag und Mittwoch, wenn Markt ist.» Auch würden heute viele junge Leute auf das Auto und den Einkauf damit verzichten. Zum neuen urbanen Lebensgefühl gehöre es aber, ein Food-Angebot in der Stadt zu haben, glaubt auch der Solothurner Manor-Direktor Jürg Bächli.

Genug Platz für ein Vollsortiment

Die Verlagerung von Manor Food in die Altstadt soll mit einem Umbau vor allem des Untergeschosses und der schon länger geplanten Unterbauung des angrenzenden Innenhofes ermöglicht werden. Das Baugesuch dazu soll im Mai eingereicht werden. «Wir werden in der Stadt das bisherige Food-Vollsortiment anbieten», erklärt Flavio Milani.

Dies sei auf der neuen Verkaufsfläche des Untergeschosses durchaus möglich, ohne das das übrige Angebot des Warenhauses massiv verändert werden müsse. «Einige Bereiche brauchen längst nicht mehr den Platz wie vor zehn Jahren», weist der Direktor auf die Unterhaltungselektronik hin, die früher noch mit CDs und grösseren Geräten mehr Fläche beansprucht hätten. Zudem könnten Produkte wie die Tiernahrung in die Foodfläche integriert werden.

Es brauche halt eine gesamthafte Neu- und Umorganisation des ganzen Hauses, wissen beide Direktoren schon jetzt. Auch eine Straffung des Sortiments ist in Diskussion: Eventuell könne man die Schuhabteilung aufgeben, da dieses Angebot in Solothurn reichlich vorhanden sei. «Unsere Idee ist es, nächstes Jahr das Untergeschoss zu räumen, sodass wir in aller Ruhe den neuen Supermarkt einrichten können», meint Milani zum Terminplan, der insofern auch etwas ambitioniert ist, als man am bisherigen Food-Standort noch eine Rückbauzeit von mindestens zwei Monaten einzurechnen hat.

Frische ist gefragt

«Das Ganze soll einen Markt-Charakter erhalten», verrät der Regionaldirektor zur künftigen Philosophie von Manor bei der Einrichtung seiner Food-Abteilung im Altstadt-Warenhaus. Programm ist auch das Setzen auf neue Take-away- und Frischprodukte sowie die Anforderung, dass diese in der neuen Abteilung vor Ort produziert werden. «Sogar die Wurst. Aber auch das Brot wird hier gebacken und die Patisserie hier hergestellt.» Umso wichtiger seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – «unser Ziel ist es, alle zu integrieren», verweist Franco Milani auf die insgesamt 56 Angestellten und drei Lernenden.

Ein weiteres Bekenntnis legt Manor auch zu den 29 Produzenten aus der Region im Umkreis von 30 Kilometern ab, die schon bisher den «Solomarkt» mit ihren Produkten beliefert haben. «Wir werden weiter mit ihnen zusammenarbeiten», hält Franco Milani dazu fest.

Leben in die Stadt bringen

Dass der Einzug der Food-Abteilung «einen Mehrwert auch für das bisherige Warenhaus bedeutet, davon ist Jürg Bächli überzeugt. «Sicher können wir nicht einfach eins und eins zusammenzählen. Aber bestimmt wird unser Schritt eine Belebung für die Stadt bringen.»

Das Problem, dass die Kundschaft nicht mehr wie in der Schanzmühle für den Einkauf vor die Haustür fahren und dort parken können, will Manor innovativ angehen: So würden Ideen wie ein Einkaufskurier zu den Parkhäusern oder auch der Einsatz eines Velo-Kurierdienstes – wie in andern Städten schon praktiziert – geprüft.

Der Umzug und Umbau ins Altstadtwarenhaus ist für die Direktion auch ein Standortbekenntnis zu Solothurn – immerhin verbaut Manor in den kommenden Jahren einige Millionen an der Gurzelngasse. Allein die Innenhof-Unterbauung, die das «Manor-Hufeisen» in seinem Häusergeviert massiv besser erschliesst, wird auf vier Mio. Franken veranschlagt.

Anlieferung mit 15 Fahrten täglich

Bereits am Mittwochabend informierte Manor die Anwohnerschaft über den geplanten Umbau. Insbesondere interessierten sich die rund 80 Anwesenden, darunter auch Stadtpräsident Kurt Fluri, für die künftige Anlieferung. Das Klima sei «sehr konstruktiv» gewesen, meinten im Nachgang die beiden Manor-Direktoren, «und wir haben auch etliche Inputs aus der Anwohnerschaft aufgenommen», wurde betont. Im Vorfeld hatte Manor auch Anlieferungsmöglichkeiten an der Gurzelngasse geprüft, aber mangels Realisierbarkeit wieder verworfen. «Heute erfolgt die Anlieferung unseres Warenhauses über die St. Urbangasse mit vier Lieferwagen und drei grossen Lastwagen.»

Ursprünglich sei man nach dem Umbau von 20 Lieferungen täglich ausgegangen, doch «das wäre untragbar gewesen», weiss auch Milani. «Die Logistik hat sich verändert», betont Solothurns Manor-Direktor Jürg Bächli. Und so sei man nach weiteren Berechnungen auf noch 15 Fahrbewegungen pro Tag gekommen – inklusive Post und Abfallentsorgung.

Im Weiteren verweist Bächli auf die sinkende Lärmbelastung durch die Investitionen in neue Klima- und Lüftungsanlagen, welche die heute gültigen Grenzwerte nicht nur einhalten, sondern sogar unterschreiten sollen. «Geprüft wird zudem die Anlieferung mit Hybrid-Elektrofahrzeugen», zieht Flavio Milani eine weitere Quelle zur Lärmvermeidung in Betracht. Und schliesslich sollen auch die rollenden Transportbehälter aus Blech in Sachen Lärmerzeugung optimiert werden – so hat Manor für das künftige Anlieferungskonzept ohnehin einen Akustiker beigezogen.

Offenbar thematisiert wurde an der Anwohner-Info auch ein Teeren der St. Urbangasse und ihrer Pflästerung (wie abschnittweise an der Theatergasse realisiert), was jedoch seitens der Stadt abgelehnt worden ist.

Ein anderes Thema in der Diskussion sind die Anlieferungszeiten, «an die wir uns strikte halten», wie Jürg Bächli für sein Warenhaus in der Altstadt betont. Anlieferungen sind von 7 bis 11.30 Uhr möglich, und es gebe zu bedenken, dass noch etliche andere Geschäfte und Restaurants in der «Hinteren Gasse» beliefert werden wollen. «Es ist also nicht immer nur Manor.» Trotzdem wurde an der Anwohner-Info auch die Forderung nach vermehrter Polizeipräsenz und -kontrollen laut. Bei Manor glaubt man indessen, die Hausaufgaben gemacht und sich für die Lösung der Anlieferungsprobleme engagiert zu haben. (ww)