Vor Album-Release
Manillios Gedanken zur Vergänglichkeit und dem wertvollen Jetzt

Manillio ist nicht Superman. Kryptonit schwächt Clark Kent, Manuel Liniger wird mit Kryptonit erst richtig stark. So heisst Manillios neues Album, das am kommenden Freitag veröffentlicht wird. Einen Vorgeschmack darauf gab es im Kofmehl in der Raumbar.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Teilen
Rapper Manillio sang Lieder von seinem neuen Album, das am kommenden Freitag veröffentlicht wird.

Rapper Manillio sang Lieder von seinem neuen Album, das am kommenden Freitag veröffentlicht wird.

Hans Peter Schläfli

Sanft gesprochene Gedichte, manchmal von Hammond-Orgel, manchmal von akustischer Gitarre begleitet: So klingt die Musik des Rappers Manillio. Sie würde auch zu einem Sonnenuntergang mit einem Gin Tonic in der Hand an einem schönen Strand auf Korsika passen – um nicht mit Ibiza in immer dieselbe Kerbe zu hauen.

Manillio ist angenehm im Ohr und aufbauend in Gedanken. Nach wenigen Stücken wendet er sich an sein Heimpublikum in der gut gefüllten Raumbar. «Solothurn, wir sind heute ein Team, ich brauche Euch. Es ist unser erstes Konzert, ich kenne noch nicht einmal die Settings auswendig. Unser Album kommt nächste Woche raus. Shit.»

«D’Kids wei lieber rich sii»

Die nötige Unterstützung bekam er, obwohl er sie eigentlich nicht nötig hatte. Manuel Liniger, alias Manillio, war zwar sichtlich nervös zu Beginn der Show, aber er ist eben kein wirklicher Newcomer mehr, obwohl er in der Schweizer Popmusikszene derzeit manchmal so bezeichnet wird. «Ich bin old School», sagte Manillio und rappte einen Song aus dem Jahr 2009. Das Publikum sang mit: «D’Kids wei lieber rich sii als gschid sii.» Gedanken eines Kantischülers angesichts der damaligen Finanzkrise.

Popmusik mit sanft gerappten Parabeln und Wortbildern. So kommt Manillio heute daher. «Am liebschte heb’i mi a di»: Mit Monbijou wird der erste Song des neuen Albums bereits am Radio gespielt.

Seine Gedanken zur Vergänglichkeit, Kryptonit eben, und dem wertvollen Jetzt, das intensiv gelebt werden soll, sprechen auch Leute jenseits der Midlife-Crisis an. Von denen hatte es – neben den erwarteten Mitzwanzigern – überraschend viele in der Raumbar.

Ist Manillio nun ein mit 28 Jahren alt gewordener Rapper oder ist er ein 28 Jahre junger Popmusiker, dessen Aufstieg gerade erst begonnen hat? Oder in Manillios eigenen Worten von 2009: «Ich wett dass du nach de Stärne griifsch, egal wie wiit wäg si sii.»

«Es ist nicht mehr nur purer Rap»

Die Konkurrenz hörte mit – und zeigte sich beeindruckt. «Manillio steigt langsam in Richtung Champions League auf», sagte Christian Obrecht, der bei City Nord im Hintergrund in der Grenchner Rap-Szene engagiert ist. «Seine Musiker sind sehr wichtig geworden, es ist nicht mehr nur purer Rap, was Manillio macht.» Im offiziellen Pressetext wird das so umschrieben: «Auf seinem dritten Album umarmt der Mundartrapper die musikalische Vielseitigkeit und hadert mit der Vergänglichkeit.»

Dass das erste Konzert eine Woche vor der Veröffentlichung des neuen Albums in Solothurn stattfindet, bezeichnete Obrecht als geschickten Schachzug. «Das Heimpublikum nimmt es ihm sicher nicht übel, wenn etwas nicht klappt und er kann austesten, wie die Songs live ankommen. Nun kann er noch etwas an der Show feilen, bevor es in Zürich und Bern richtig ernst wird.»

«Es war noch nicht perfekt»

«Ich hatte etwas Angst, weil die Leute das neue Album noch nicht kennen», sagte Manillio nach der Show. «Da weiss man nie, wie die Musik aufgenommen wird. Aber jetzt bin ich richtig glücklich. Es war noch nicht perfekt, aber die Stimmung war sehr gut.»

Dann belohnte er sich mit einem Stück Torte mit zentimeterdickem Zuckerguss. «Das passt zu ihm», sagte jemand, der nicht genannt werden möchte. «Die Torte ist luftig, leicht und süss.»