Am Freitag erschien die zweite CD von Manillios Nummer-Eins-Album «Kryptonit». Den Solothurner Rapper trafen wir vergangenes Wochenende am «St. Peters at Sunset», zwanzig Minuten vor seinem Auftritt.

Im Zelt der auftretenden Künstler, wo sich auch Stefanie Heinzmann und Züri West aufhalten, begrüsst uns Manillio: «Hallo, i bi dr Manuel.» Er sei besorgt um das Wetter, denn Konzerte im Regen seien nicht so angenehm. Die Sorgen waren dann schliesslich auch berechtigt: Sein Auftritt fand grösstenteils vor einer Kulisse von Einweg-Regenponchos statt.

Der Schlüssel zum Erfolg

Platz 1 der Schweizer Albumcharts, Auftritte beim Open Air Frauenfeld und St. Gallen neben internationalen Grössen wie Jay-Z und Ice Cube, Energy Music Award, Nominierung für «Swiss Music Award» – kurz gesagt: Die Erfolge des jungen Rappers häufen sich. Was ist denn sein Erfolgsgeheimnis? «Mein Hang zum Perfektionismus und ein grosser Löffel Glück haben mich hierhin gebracht.»

Manillio - Bodega

Manillio - Bodega

Mit kleinen Schritten habe er sich hochgearbeitet: Mit 15 Jahren schreibt er seine ersten Songs, mit 18 tritt er zum ersten Mal auf, mit 19 veröffentlicht er sein erstes Mixtape-Album «Jurassic Parts Vol. 1».

Hat man denn da noch genug Zeit, um sich zu entspannen? «Es ist in der Tat so, dass man sehr schnell wahnsinnig werden kann, wenn man ständig auf Tournee ist. Ich habe das Glück, dass ich innerhalb der Schweiz immer wieder schnell zu Hause bin und mir auch viel Zeit für Familie und Freunde nehmen kann. Diese Balance macht es aus.»

Auch sei er sehr froh um die gute Zusammenarbeit mit den Produzenten, denn die Songmelodien könnte er nicht alleine komponieren: «Ich kann keine Noten lesen. Ich kann einzig mit Worten umgehen», so Manillio alias Manuel Liniger.

Zur schweizerdeutschen Musik

Viele schweizerdeutsche Songs erobern momentan die Schweizer Single Charts, trotz sehr englisch geprägter Musikszene. Warum entscheidet man sich für Schweizerdeutsch, wenn doch Englisch viel mehr Publikum verspricht?

Für Manillio ist es schon immer klar gewesen, dass er in seiner Muttersprache musiziert. Vor allem, weil er sich so am besten ausdrücken könne, aber auch, weil ein Sprachwechsel einen Persönlichkeitsverlust zur Folge hätte, wie er findet.

Heimatstadt Solothurn

Manillio lebt zwar mittlerweile in Bern und wird von vielen zur Berner Musikszene gezählt, doch der Rapper sieht sich nach wie vor als Solothurner, zumal er hier aufgewachsen ist und seine Familie und viele Freunde immer noch da leben.

Auf die Bemerkung hin, dass er Teil der Künstlerszene ist, die Solothurn kulturell laufend attraktiver macht, antwortet Manillio: «Ich freue mich, wenn das so wahrgenommen wird und die Leute meine Arbeit auch schätzen. Denn ich finde, wir Rapper haben durchaus auch etwas zu sagen.» Auch in Zukunft bemühe er sich, den Bezug zu Solothurn nicht zu verlieren und seine Musik auch immer in Solothurn zu präsentieren.

Kein Kaffee am Festival

Acht Minuten vor Konzertbeginn wird die Nervosität des Rappers sichtbar. Wir beenden das Gespräch mit dem Knipsen des Fotos. Natürlich ist die Kaffeetasse eine Attrappe. Wer trinkt schon Kaffee an einem Festival? Nur einige Minuten danach steht Manillio umgezogen auf der Bühne. Von Nervosität ist nichts mehr zu spüren, doch das mangelnde Publikum scheint den Rapper zu beschäftigen. Während einer Stunde versucht er, die übrigen Festivalbesucher aus den Essenszelten herauszulocken, auch wenn es unaufhörlich weiterregnet. Es sei auch sein erstes Konzert, an dem gestuhlt sei. Das sei ungewöhnlich für Rapper, die sich tanzende Körper und wippende Arme gewohnt sind.

Und trotz Regen und sicherlich auch einer Mehrheit von Nicht-Hip-Hop-Fans, überzeugt Manillio das Publikum. In einer Welt, in der vieles kaputt sei, sei es doch schön, dass man an einem Sonntagabend zusammenkommen kann, um Musik zu machen und glücklich zu sein.
«Das Läbe isch es Gedicht, wo sech schlächt riimt, aber ds Glück cha nid wyt sy, s’wird nüt ufgä.» Mit diesen Zeilen des Songs «Aues gloge» beendet er schliesslich sein Konzert doch noch unter Sonnenstrahlen.