Gemeinderat Solothurn

Mammutbaum: Politik stellt sich der Fällung nicht in den Weg

Neben dem Museum Blumenstein steht auf einer Privatliegenschaft ein Mammutbaum.

Mammutbaum

Neben dem Museum Blumenstein steht auf einer Privatliegenschaft ein Mammutbaum.

Der Riesenmammutbaum im ehemaligen Naturpark des «Blumensteins» wird nicht unter Schutz gestellt, wie die SVP dies gefordert hatte. Damit fällt eine weitere Hürde für ein dort geplantes Wohnbauprojekt.

Noch reicht seine Krone hoch in den Himmel. Doch seit Dienstagabend ist der Mammutbaum im ehemaligen Blumenstein-Park dem Fallbeil einen Schritt näher – ebenso wie das dort geplante Wohnbauprojekt seiner Umsetzung näher rückt. Der Gemeinderat beschloss nämlich, dass das 150-jährige Exemplar der Sequoiadendron giganteum nicht unter provisorischen Einzelschutz zu stellen sei und folgte damit der Empfehlung des Stadtpräsidiums.

Den Schutz eingefordert hatte die in der näheren Umgebung wohnhafte SVP-Gemeinderätin Marianne Wyss. Ihre im vergangenen Dezember eingereichte Motion sah einen Aufschub vor, um die Schutzwürdigkeit binnen eines Jahres fachmännisch zu prüfen.

Bis 2002 galt der Baum nämlich als kantonal geschützt, wurde dann aber aus dem Schutz entlassen, mit der Begründung, die Frage sei kommunal zu klären. Die Stadt Solothurn, so mutmasste Wyss, habe es damals versäumt, den Schutzstatus im Rahmen der damaligen Ortsplanungsrevision aufrechtzuerhalten. Am Dienstag wiederholte sie die Bedeutung des Mammutbaums, seine CO2-bindende Wirkung, die gewonnenen Sympathien in der Bevölkerung. «Klar betreten wir mit dem Vorstoss politisches Neuland, denn ein Einzelschutz für Bäume wurde noch nie ausgesprochen.» Dennoch bat Wyss darum, sich dem Anliegen nicht entgegenzustellen «nur weil es aus der falschen Partei kommt.»

«Der Baum ist für die hiesige Biodiversität relativ wertlos»

«Wir sind erfreut, dass die Motion aus den Reihen der SVP stammt», knüpfte Heinz Flück (Grüne) an. Erstaunt sei man hingegen, dass ausgerechnet die Fraktion der Volkspartei dadurch auch einen Eingriff in Privateigentum, nämlich in jenes der Bauherrschaft, hinnehme. «Der Baum ist schön, aber als Neophyt für die hiesige Biodiversität relativ wertlos», so Flück weiter. Auch wies er darauf hin, dass die Motion das laufende Einspracheverfahren im Baubewilligungsprozess überlagere. «Zweifellos imposant, aber als Zeitzeugen heute oft isoliert und ohne Kontext», kommentierte Franziska von Ballmoos (FDP) und warnte vor finanziellen Folgen, die auf die Stadt in Form einer Entschädigungspflicht wegen materieller Enteignung zukommen könnten.

«Es wäre kaum angemessen, dass nach vielen Veränderungen des ehemaligen Naturparks der Gemeinderat plötzlich in ein laufendes Bauprojekt eingreift», sagte Gaudenz Oetterli von der CVP/GLP-Fraktion: «Es wäre ein Präjudiz, auf politischem statt rechtlichem Weg in das Privateigentum einzugreifen», doppelte Oetterli nach. Die Motion wurde schliesslich mit 18 Stimmen gegen jene der zweiköpfigen SVP-Fraktion sowie einen Teil der Grünen (total sechs) nicht erheblich erklärt.

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