Ferienpass
Maler Wullimann: «Kinder haben ihren eigenen Stil»

Junge Malerinnen lassen ihrer Kreativität im Ferienpass-Kurs "Freude am Malen?" freien Lauf. Im Atelier-13 zeigen sie die entstandenen Bilder anschliessend ihren Eltern.

Rahel Nicolet
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Ferienpass-Teilnehmerinnen Marina Baumgartner (links) und Ida Wyler malen im Atelier-13 von Rolf Wullimann.

Ferienpass-Teilnehmerinnen Marina Baumgartner (links) und Ida Wyler malen im Atelier-13 von Rolf Wullimann.

Rahel Nicolet

«Hier drin ist jeder ein Künstler.» Rolf Wullimann steht mit Marina Baumgartner (12 Jahre) und Ida Wyler (13) aus Lohn in seinem Atelier-13, einer Kunstmalschule in Selzach-Altreu. Gerade findet hier die zweite Durchführung des Ferienpass-Kurses «Freude am Malen?» statt. Als Erstes zeigt Maler Wullimann den Mädchen, wie man das Übungsblatt, die Leinwand und die Leinwandplatte grundiert. «Das ist auch das Erste, das alle meine Schüler in den Schnupper- und Grundlagenkursen lernen.» Marina und Ida tragen weisse Wandfarbe auf Acrylbasis auf die Malunterlagen auf und verteilen sie mit dem Spachtel. Für die Struktur wird Sand in die Farbe eingemischt. Wer mag, kann zudem Asche auf die Leinwand streuen und diese dadurch stellenweise grau einfärben. Sobald die Leinwände grundiert sind, legt Wullimann sie vor die Lufttrockner. «Das ist der einzige Zeitdruck, den wir heute Morgen haben. Die Leinwände müssen rechzeitig trocknen.»

Jeder in seinem eigenen Tempo

In seiner Kunstmalschule bietet Rolf Wullimann seit 16 Jahren Schnupper-, Grundlagen- und Vertiefungskurse sowie Workshops und Malwochen an. «Ein Geheimnis unseres Erfolges sind die Öffnungszeiten der Kunstmalschule», so Wullimann. «Die Leute können Kurstag und Kurszeit frei wählen.» Insbesondere Berufstätigen käme dies gelegen. Ausserdem könne so jeder in seinem eigenen Tempo arbeiten. Gerade für körperlich oder geistig eingeschränkte Personen, welche bisweilen auch die Kunstmalschule besuchen, sei dies wichtig. Wullimanns Frau kümmert sich um die Buchhaltung und die Administration der Schule. Ins Atelier integriert ist ausserdem das Fotostudio seiner Tochter Andrea Wullimann. Neben dem Betreiben der Kunstmalschule arbeitet Wullimann als freischaffender Künstler. «Die Akrylmischtechnik fasziniert mich.» Zudem habe er sich auf die Erdfarbherstellung spezialisiert. (rn)

Ida und Marina versuchen sich am «Ausschwemmen». Zuerst wählen sie eine Acrylfarbe aus. «Ich nehme grün, eine meiner Lieblingsfarben», so Ida. Marina wählt die pinke Farbflasche. Mit dem Spachtel verteilen sie Farbe auf der grundierten Leinwand. Anschliessend sprühen sie Wasser aufs Bild, die Farbe läuft herunter und hinterlässt so hellere Stellen und Spuren. «Bei dieser Technik gestalten wir, indem wir Farbe wegnehmen, nicht indem wir sie auftragen», erklärt Wullimann.

Die Bilder der beiden jungen Malerinnen werden ganz unterschiedlich. Idas Bilder zeigen viele Quadrate in Blau- und Grüntönen, Marina hat sowohl ganz bunte als auch düsterere Werke gestaltet. «Kinder haben ihren eigenen Stil», freut sich Wullimann. «Wir Erwachsenen eifern immer einem Ideal nach und wollen gleich zu Beginn einen Picasso malen.» Das mache es schwierig, seine eigene Handschrift herauszukristallisieren.

Marina betrachtet ihr bisheriges Werk und fragt sich, ob sie am farbenfrohen Bild noch etwas ändern soll. «Wie meiner Mutter wohl meine Bilder gefallen?» Das könne er ihr nicht sagen, lacht Wullimann. «Kunst ist ein Risiko.» Er habe auch schon Bilder gemalt, die zu Hause auf wenig Begeisterung stiessen. Um halb zwölf kommen die Eltern der Mädchen ins Atelier-13, um die entstandenen Werke in einer Vernissage zu würdigen. Hier zeigt sich, dass Marinas Mutter Freude hat an den Bildern. «Es ist toll, dass hier im Atelier Platz ist, um sich gestalterisch auszuprobieren.» Idas Mutter gefällt besonders, dass Wullimann den Ferienpass-Teilnehmern nur die Technik zeigt und sie ansonsten frei entscheiden lässt in der Gestaltung der Bilder. «Es ist gut, dass sie sich hier entfalten können, es ist sonst schon genug vorprogrammiert.»

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