Solothurn

Mal Steinhauer, mal Pater: Stadt(ver)führer Markus von Arx reist durch die Zeit

Markus von Arx mit Schirm, Charme und Geschichten im Gepäck.

Markus von Arx mit Schirm, Charme und Geschichten im Gepäck.

Ab dem 10. August bereichert Markus von Arx den hiesigen Angebotsfächer. Als selbstständiger Stadtführer wird er bald neben dem offiziellen Guide-Angebot und Marie-Christine Egger durch die Strassen Solothurns führen.

Unter jedem Solothurner «Bsetzistein» lauert eine Solothurner Geschichte. Und diese sind seit jeher das täglich Brot für die hiesigen Stadtführer. Ab 10. August tritt mit Markus von Arx ein selbstständiger Mitstreiter auf den Plan, neben dem offiziellen Guide-Angebot von Solothurn Tourismus und den kostümiert inszenierten Führungen von Marie-Christine Egger.

«Stadtverführungen» nennt sich sein Angebot, «ein Wortspiel», sagt der 56-Jährige, der auf eine Reise in Solothurns Vergangenheit einlädt. «Geschichte kennenlernen und begreifen ist das eine, sie zu vermitteln ist die hohe Kunst, der ich seit meiner Kindheit nachgehen wollte», sagt Markus von Arx, der auch als Domschatzführer und als Einsiedeleiführer tätig ist. Durch seine Einsätze in der Verenaschlucht kennt er auch Marie-Christine Egger, von deren Erfahrungsschatz er profitieren konnte.

Er schlüpft in fiktive Rollen

Neben klassischen Führungen will er ebenso wie seine «Lehrmeisterin» Führungen in historischer Kostümierung anbieten. Es sind dies fiktive Figuren – drei an der Zahl –, sodass er nicht an die historische Datierung eines Menschenlebens gebunden ist. Stattdessen kann er anhand der Figuren historische Entwicklungen über Jahrhunderte nachzeichnen: «Das gibt mir mehr Freiheiten beim Fokussieren auf Epochen.»

Als «Capomastro» oder Steinhauer vermittelt er Einblicke in die architektonischen Eigenheiten von Sakral- und Profanbauten. «Es ist wenig bekannt, dass die Barockstadt noch so viel mehr zu bieten hat als lediglich Barock.»

Als Pater Nicolas fokussiert er sich schliesslich ganz auf Sakralbauten in der Stadt der vielen Kirchen und geht dabei auch auf gesellschaftliche Aspekte ein. Zum dritten schlüpft von Arx in die Rolle eines der vier Torwächter, an denen allerlei Volk vorbeiging. «Es waren dies gewitzte, oft schlecht bezahlte aber bauernschlaue Zeitgenossen», erklärt von Arx.

Kein Thema bei seinen Führungen hingegen sind die Nachtwächter, wendet er gleichzeitig ein: «Für diese ist Marie-Christine Egger zuständig.» Ob verkleidet oder nicht: «Auf meinen Führungen werde ich als Markenzeichen immer einen Schirm oder einen Gehstock dabei haben.»

Zu von Arx’ Zielkundschaft auf Führungen zwischen anderthalb und zwei Stunden zählen Einzelpersonen, Paare oder Gruppen. Auch Firmen sollen – thematisch auf ihre jeweilige Branche zugeschnitten – auf ihre Rechnung kommen. Start ist jeweils beim Stadtmodell ausserhalb des Baseltors.

Von der Ambulanz zum Guide

In Bettlach geboren und im Niederamt aufgewachsen, war Markus von Arx mehr als 30 Jahre lang als Rettungssanitäter tätig, davon 28 Jahre in Olten. 15 Jahre lang sammelte er Berufserfahrungen in der Gebirgsrettung. Seit über fünf Jahren wohnt er in der Region Solothurn und war zuletzt als Disponent beim Sanitäts-Notruf 144 tätig, der in der Kantonalen Alarmzentrale Solothurn integriert ist.

Als Referent in Sachen Rettungsdienst und als Autor eines Buches über seine Berufserfahrungen fand er den Zugang zur Wissensvermittlung. «So kommt nun die Neuorientierung von null auf hundert – und dies mit 56 Jahren», sagt von Arx, wohlwissend, dass es ohne die Unterstützung seiner Frau Monika nicht möglich wäre. «Und da man von Stadtführungen allein ohnehin nicht leben kann, bin ich nebenbei Sakristan.»

Dass von Arx mit seinem Schirm und seinem Gehstock in Solothurn auf hartem Pflaster wandelt, relativiert er. «Ganz unüberlegt habe ich diesen Schritt nicht gemacht, denn es gibt gute Nischen: Die ganze Stadt ist schon dank ihrer Architektur sehr vielschichtig.»

Neben den altbewährten Angeboten muss aber der «Neuling» auf Platz Solothurn gezielt Werbung machen. «Ich habe meine ‹Verführungen› bereits bei öffentlichen Stellen kommuniziert», sagt er. Dazu zählen die regionalen Gemeinden, über die er sich mitunter Buchungen von Schulen und Senioren (Altersreisen) erhofft. «Mein Angebot soll einfach, bescheiden, seriös sein», betont von Arx. Dass er Mitglied der ASGT (Schweizerischer Verein der Reiseleiter und Stadtführer) ist, dürfte die Qualität seiner Führungen stützen.

Niveau muss stimmen

Qualität ist auch dem Tourismusdirektor Jürgen Hofer wichtig, der gelassen auf das Angebot des Mitstreiters blickt. «Ich kenne Markus von Arx nicht persönlich. Aber über Marie-Christine Egger als Einzelunternehmerin kann ich sagen, dass sie ein gutes ergänzendes Angebot zu unseren Stadtführungen aufweist.»

Sie erreiche dadurch ein anderes Publikum, das eher von theatralischen, inszenierten Führungen angetan sei. «Ungeachtet einer Konkurrenzsituation ist uns wichtig, dass Qualität und Niveau stimmen.» Denn ein Tourist könne oftmals nicht erkennen, welches nun das offizielle Angebot ist. «Und fällt einer qualitativ oder durch Preisdumping auf, so leidet die ganze Marke Solothurn darunter.»

Infos: www.stadtverführungen.ch

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