Guerilla-Aktion
Maitannli am Solothurner Märetplatz? Lieber nicht

Junge Männer mit Jahrgang 2000 starteten in Solothurn eine Guerilla-Aktion für ihr Maitannli. Zuvor hatte die Stadtpolizei abgewunken.

Andreas Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Die Mädchen des Jahrgangs 2000 erhielten nur ein mickriges Maitannli.

Die Mädchen des Jahrgangs 2000 erhielten nur ein mickriges Maitannli.

Wolfgang Wagmann

Solothurn kennt traditionsgemäss keine Stäcklibuebe. Der letzte verbriefte Versuch, die Maitradition aus dem Dorfmilieu des Solothurner Umlands ins Altstadtgemäuer einzuschleusen, datiert aufs Jahr 2000 zurück. Damals huldigten die Einundachtziger den Einundachtzigerinnen auf dem Friedhofplatz. Tempi passati – oder zumindest möchte man das meinen. Denn derzeit wird man auf dem Märetplatz eines Besseren belehrt. Ein eher unscheinbares Maitannli ziert seit Dienstag das «Ypsilon», gewidmet ist es den jungen Frauen des Jahrgangs 2000.

Die Idee kam Lukas Zbinden zusammen mit zwei Kollegen anlässlich eines Informationsanlasses für die Rekrutenschule. «Wir haben uns nach einer Diskussion dazu entschlossen, die Maitannli-Tradition in Solothurn wieder einzuführen.» Unter Mithilfe der Stadtverwaltung konnten 140 Adressen der Jahrgänger zusammengetragen und die Altersgenossen schliesslich angeschrieben werden.

Korb von der Stadtpolizei

Es sollte ein grosses zentrales Maitannli werden, das die Namen der 18-jährigen Solothurnerinnen trägt, so die Absicht des dreiköpfigen Kernteams. 55 junge Frauen mit Jahrgang 2000 wären zum Handkuss gekommen.

Sowohl Stadtpräsident Kurt Fluri als auch Stadtschreiber Hansjörg Boll äusserten sich schliesslich positiv zur Idee, wie Zbinden erzählt, sie verwiesen die Stäcklibuebe in spe für eine entsprechende Genehmigung an den Werkhof und die Stadtpolizei weiter. «Doch bei der Polizei hatte man kein offenes Ohr», sagt Zbinden auf Anfrage.

Nichtsdestotrotz: «Nach all den Rückmeldungen und dem bereits betriebenen Aufwand wäre es schade gewesen, das Ganze abzublasen.» Und so habe man halt im kleineren Rahmen ein Tannli auf dem Märetplatz installiert – ohne Segen und Bewilligung der Stadtpolizei. «Wenn sie es wegräumen, haben wir es wenigstens probiert», fügt Lukas Zbinden an.

Rund 30 «Zweitausender» wohnten der kleinen Zeremonie ebenfalls bei, wie die Unterschriften und Polaroidfotos auf der Schautafel am Maitannli zeigen. Allerdings haben die Stäcklibuebe dort auch eine Kritik an die Stadtbehörden hinterlassen: «Wir hatten eine Vision! Die alte Tradition der Stellbuben/Stecklibuebe und die Maitannli für die jungen Frauen wollten wir neu aufleben lassen. Doch leider haben uns Gesetze und Vorschriften dies verunmöglichkt. Daher nur ein einziges kleines Maitannli für alle 2000. Es leben die Millenniums!»

Sicherheitsbedenken überwogen

Von der Stadtpolizei äussert sich der stellvertretende Kommandant Walter Lüdi zum Fall: «Vordergründig hatten wir Sicherheitsbedenken. Die Anfrage kam zu einer Zeit, als stürmisches Wetter herrschte.» Auch habe es andernorts einen Vorfall mit einem stürzenden Tännchen auf Privatgrund gegeben. «Grundsätzlich sind wir aber nicht gegen Maitannli, wenn die Aktion sauber vorbereitet wird und weder eine Gefährdung für Menschen, Gebäude oder eine Behinderung daraus hervorgeht.» Allerdings brauche es Fachleute, die genau wissen, wie die Bäumchen zu verankern seien. Er verweist dabei auf die in der Stadt installierten Weihnachtsbäume, die solide im Boden verankert werden. «Grundsätzlich schliesse ich nicht aus, dass man diese Tradition auch in der Stadt aufleben lassen kann», meint Lüdi abschliessend.

Vielleicht bringen die Zweitausender mit ihrem politischen Maibäumli-Statement tatsächlich eine neue Tradition auf Stadtboden. Nur dass sie ihre Maitannli dereinst nicht nur gegen Sturm absichern müssten, sondern auch gegen mit Sägen bewaffnete feindliche Stäcklibuebe aus Nachbardörfern, die der Barockstadt ihre neu gewonnene Tradition neiden...