Märlitag in Solothurn
Da dürfen Kinder träumen: Beispielsweise wenn die Geiss den Löwen besiegt

Der dritte Märlitag hat die Kinder mit tollen Geschichten begeistert. Wer wollte konnte sich für eine gewisse Zeit in eine komplett andere Person verwandeln.

Hans Peter Schläfli
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Märchenhafte Stimmung im Klostergarten.

Märchenhafte Stimmung im Klostergarten.

Hans Peter Schläfli

Im Refektorium, also dem Speisesaal des Kapuzinerklosters, sitzt die Prinzessin am Spinnrad, aus dem kleinen Buchenwald im Garten ist ein Jodel zu hören und ein wenig weiter rennt gerade ein imaginärer Löwe vor der Geiss davon. Es ist wieder Märlitag.

Im Innenhof wünscht sich der Reiche immer noch mehr Gold und Edelsteine. «Und was wünschst du dir?», fragt Susanne Känel am Ende einen der kleinen Zuhörer. «Ich wünsche mir, dass unsere zwei Schildkröten Jaime und Cirilo zwei Frauen bekommen und dass sie sich wegen den Frauen dann nicht streiten und beissen», sagt der Junge.

«Märchen öffnen die Herzen der Kinder»,

freut sich die Erzählerin über die unerwartete Antwort.

Der Marktplatz von früher in der heutigen Zeit

«Ich bin die Königin der Geissen, und als ich gekrönt wurde, habe ich versprochen, dass ich zwei Elefanten, vier Gazellen und zwei Löwen fressen werde.» Mit diesen angeberischen Worten begeistert die Heldin eines anderen Märchens die Kinder im Klostergarten. Und es gelingt der Geiss, trotz panischer Angst, den Löwen in Schrecken zu versetzen und schliesslich über die Bestie zu triumphieren.

Das Kloster bildete den würdigen Rahmen, mit Kostümen und Dekorationen entführten die Märlitanten und Märlionkel die Kinder in eine andere Welt.

Das Kloster bildete den würdigen Rahmen, mit Kostümen und Dekorationen entführten die Märlitanten und Märlionkel die Kinder in eine andere Welt.

Hans Peter Schläfli

«Ich erzähle am liebsten Märchen, in denen ich mich selber erkennen kann», erklärt Ernesto Romano, weshalb er genau diese Geschichte für den Märlitag ausgewählt hat.

«Dass sich die Leute durch grosse Worte beeindrucken lassen, auch wenn nichts dahinter steckt, das war vor hunderten Jahren auf dem Martktplatz so und es gilt erst recht heute.»

Der märchenhafte Klostergarten und die frischen Luft sind ideal für den Anlass, daran änderten auch ein paar schwarze Regenwolken nichts.

Kindergerechte Märchen im Programm

«Wir sind sehr glücklich, die Kinder wieder bei uns zu haben», sagte Selma Dubach vom Vorstand des Vereins Solothurner Märlitag angesichts der vielen Familien, die ins Kapuzinerkloster gepilgert sind. Man habe diesmal besonders darauf geachtet, dass nur kindergerechte Märchen ins Programm aufgenommen wurden.

Wie man das Publikum in seinen Bann ziehen kann, das hat Ernesto Romano in einer zweijährigen Ausbildung gelernt. Mutabor ist das Zauberwort, das den Kalif Storch zurück in einen Menschen verwandeln kann und auch der Name der Märchenstiftung in Trachselwald, die diese Ausbildung anbietet. Wer im Lateinunterricht aufgepasst hat, der weiss, dass mutabor «ich werde verwandelt werden» bedeutet.

Und die Kinder, die den Märlitag besucht haben, wurden verwandelt. In ihrer Fantasie wurden sie zu Taschendieben, Prinzessinnen – oder eben einer Geiss, die mit angeberischen Worten den Löwen in die Flucht schlägt.

Für den vierten Märlitag im Kapuzinerkloster darf man sich den 28. August des nächsten Jahres vormerken.

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