Solothurn
Mädchenchor überbringt musikalische Glückwünsche in Jiddisch

Gleich zweimal konzertieren die jüngeren Sängerinnen des Solothurner Mädchenchors im Kleinen Konzertsaal mit dem Programm «Mazel tov!».

Andreas Kaufmann
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Im Bohème-Tenue erzählen die rund 30 Mädchen in jiddischen Liedern von Frieden, Freude, aber auch Melancholie.

Im Bohème-Tenue erzählen die rund 30 Mädchen in jiddischen Liedern von Frieden, Freude, aber auch Melancholie.

Andreas Kaufmann

Ein Kilokübel mit «Ricola»-Täfeli wartet vor dem Kleinen Konzertsaal darauf, geöffnet zu werden. Das dürfte als Vorrat reichen für die Stimmbänder der rund 30 Mädchen, die intensiv fürs Programm von Freiitagabend und Sonntag proben: Die beiden Nachwuchsformationen des Solothurner Mädchenchors, genauer dessen Grundkurs und der Aufbauchor, widmen sich unter dem Titel «Mazel Tov!» jiddischer Traditionsmusik, spicken das Programm mit anderen osteuropäischen Klängen und würzen es mit Gipsy-Einflüssen. Neben Jiddisch sind die Kinder so auch mit Rumänisch, Bulgarisch, Slowakisch und sogar Finnisch in Berührung gekommen.

«Multi» statt nur «mono»

«An dieser Idee haben wir schon lange herumstudiert», sagt Hannah Wirth-Willimann, die den Mädchenchor zusammen mit Lea Pfister-Scherer leitet. Nachdem die Formation bereits mit einem eigenen Programm und eigener CD mit Schweizer Volksliedern ihr Publikum begeistert hatte, schickte man sich schliesslich an, das Spektrum zu erweitern. «Dies mit dem Hintergedanken, dass wir in einer Kultur leben, die längst nicht mehr «mono» ist, sondern «multi» geworden ist.

So kam Pfister mit einigen Liedern auf Jiddisch an, Lieder, hinter denen tiefgründige Geschichten und Gefühle stehen. «Jedes einzelne ist in Moll geschrieben», sagt Co-Leiterin Wirth. So mischt sich in jedes einzelne Stück purer Lebensfreude auch immer Melancholie – und umgekehrt. Was sich auch im hoffnungsvollen Titel des Programms widerspiegelt. «Mazel tov!» bedeutet soviel wie «Viel Erfolg» – und die Lieder, die die Mädchen singen, erzählen vom Frieden auf der Welt. Zu weit weg von der Lebenswelt der Mädchen? Wohl kaum, findet Wirth: «Die Kinder machen sich ihre eigenen Gedanken zu diesen Themen.»

Und wie stehts um die musikalischen und sprachlichen Herausforderungen hinter dem eher unvertrauten Liedgut? Auch kein Problem für die Nachwuchschöre: «Den Text haben die Mädchen zehnmal schneller intus als unsereiner.» Das sieht auch die neunjährige Lora Ida Tonia Keller so, die in einem hebräischen Lied sogar als Solistin auftreten wird: «Es isch eifach zum Üebe», sagt sie – und: «Nei, nervös bin i nid eso.»

Der Favoritchor mit den älteren Mädchen hatte bereits im Juni mit «Recycling Gloria» auf dem Borregaard-Areal für Begeisterung gesorgt. Jetzt dürfen die jüngeren Sängerinnen nachdoppeln – und zwar mit Musik, Tanz und entsprechend gypsygerechtem Tenue. Ihnen zur Seite ist auch eine dreiköpfige Combo mit Jürg Nietlisbach (Gitarren), Andreas Gabriel (Violine) und Dani Boli (Perkussion). Das kurzweilige Programm dürfte gerade auch Familien in den Kleinen Konzertsaal locken.

Konzerte Fr, 15. September, 19.30 Uhr, sowie So, 17. September, 17 Uhr, jeweils im Kleinen Konzertsaal.