Solothurn
Macht das Sportzentrum CIS am nächsten Mittwoch endgültig dicht?

Meldungen zufolge soll das CIS am 1. November seinen Betrieb einstellen. Die provisorische Leitung dementiert. So oder so ist man bei der Stadt auf den Worst case vorbereitet.

Andreas Kaufmann
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Sollte am Mittwoch der Vorhang im CIS fallen, könnte die Stadt den Betrieb in kurzer Zeit wieder hochfahren, beruhigt Stadtpräsident Kurt Fluri.

Sollte am Mittwoch der Vorhang im CIS fallen, könnte die Stadt den Betrieb in kurzer Zeit wieder hochfahren, beruhigt Stadtpräsident Kurt Fluri.

Andreas Kaufmann

Bauliche Mängel, fehlende Transparenz, unbezahlte Rechnungen und zuletzt eine vorläufige Konkursanzeige gegen das Mutterhaus der CIS Solothurn AG. Missstände, die die SP-Ortspartei diese Woche in einer Resolution zusammengefasst hat. Empfängerin: die Einwohnergemeinde Solothurn, die sowohl als Mieterin für ihre Vereine, als auch als Baurechtsgeberin des Grundstücks auftritt, auf dem die Sportanlage steht. Die neuste Regung aus dem Solothurner Westen setzt nun aber noch eins drauf: Am nächsten Mittwoch soll im Sportzentrum der Schlüssel gedreht werden.

Was zunächst als Gerücht unter den nutzniessenden Vereinen des CIS herumgeisterte, scheint sich zu erhärten. Günter Weber, Präsident des Badminton Clubs Ambass Drops, bestätigt auf Anfrage, dass er vom CIS über die Betriebsschliessung informiert worden sei. In Panik verfällt er deswegen aber nicht: «Wir warten zunächst einmal im Schützengraben ab, obs wirklich zum Knall kommt. Falls ja, werden wir schon aktiv», sagt Weber gelassen. «Es ist zwar der dümmste Zeitpunkt, weil wir Ende November ein Badminton-Turnier lancieren. Aber ich denke, dass es trotzdem stattfinden kann.»

CIS-Berater dementiert

Konfrontiert mit der Meldung will Julian Wyss, derzeit für die CIS-Administration zuständig, «keinen Kommentar» abgeben. Der vom CIS-Verwaltungsrat eingesetzte Berater Benoît Huck kümmert sich derzeit um den operativen Weiterbetrieb im CIS. Er seinerseits dementiert die Schliessung, «am 1. November ist wegen des Feiertags geschlossen, aber am 2. November machen wir weiter.» Gleichzeitig macht Huck aber auch auf die schwierige finanzielle Situation – beispielsweise die offenen Rechnungen – aufmerksam. «In diesem Betrieb musste ich nicht nur bei Null anfangen, sondern bei unter Null.» Die bestehende Mängelliste zur Infrastruktur werde nun aber abgearbeitet. So sei jetzt auch die lange diskutierte defekte Elektronik der Dachluke in der Dreifachturnhalle repariert. Der Unterhalt war denn auch Thema einer Sitzung von Anfang Woche, die Benoît Huck zusammen mit Stadt und Kanton abgehalten hatte.

Während die operative Führung offenbar guten Absichten und Transparenz demonstriert, herrscht wie gewohnt Funkstille bei der strategischen Spitze: Glenn Proellochs, der eigentlich als Verwaltungsrat der CIS Solothurn AG für die Kommunikation zuständig wäre, reagierte nicht auf mehrfache Versuche einer Kontaktaufnahme. Insofern bleibt auch offen, ob sich der laufende, vorläufige Konkurs der CIS-Muttergesellschaft Dinett Holding AG noch abwenden lässt.

Es gibt einen Notfallplan

Ungeachtet, ob die Schliessung nun bevorsteht oder nicht: Wie reagieren andere CIS-Nutzer auf das Szenario? Stefan Blaser vom TV Solothurn Handball stützt sich auf ein Versprechen der Stadt ab: «Es wurde uns versichert, dass es einen Notfallplan gibt.» So sei angekündigt worden, dass der Betrieb im Falle einer Schliessung innerhalb eines Tages wieder hochgefahren werden kann. Ansonsten werde man der Stadt Umtriebe für eine Trainingsverlegung in Rechnung stellen, so seine Konsequenz. Immerhin fliessen dafür die zwischenzeitlich auf einem Sperrkonto hinterlegten Nutzungsgebühren wieder – «dies im Sinne einer Entkrampfung im Kontakt mit der Stadt.»

Stadtpräsident Kurt Fluri macht klar, dass eine Schliessung keine Option sei. Über aktuelle Entwicklungen in diese Richtung sei er auch nicht informiert worden. Dafür bestätigt er, dass man bereits Vorkehrungen für den Fall einer Schliessung getroffen habe. «Das Konkursamt wird sicherstellen, dass die wichtigsten Anlässe stattfinden können», so Fluri. «Und wir sorgen dafür, dass wir nach kurzer Zeit eine provisorische Geschäftsführung bereitstellen können.» Damit könne der reguläre Betrieb, insbesondere auch das Turnen der Gewerbeschüler garantiert werden. Trotzdem ist man auch beim Kanton, unter dessen Hoheit das Lehrlingsturnen steht, über die kursierende Meldung überrascht.

Übrigens: Klar ist, dass die CIS offene Rechnungen auch bei der Regio Energie Solothurn (RES) hat. Zwischen dem Sportbetrieb und der Energieversorgerin besteht ein sogenannter Zessionsvertrag. Dieser ermögliche es laut Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli theoretisch, dass die offenen RES-Rechnungen mit dem Mietbetrag, den der Kanton dem CIS schuldet, verrechnet werden. «Dazu liegt ein Gerichtsurteil vor, womit wir ermächtig sind, das Geld auf ein Sperrkonto zurückzulegen, bis CIS und RES ihre Zahlungsstreitigkeiten beigelegt haben und klar ist, wer anspruchsberechtigt ist», so Mäusli.