Solothurn
«Mach ich meinen Job nicht gut?» – Schuldirektorin muss Kritik einstecken

Die externe Schulevaluation gab im Solothurner Gemeinderat zu reden. Schuldirektorin Irène Schori musste sich Kritik anhören.

Wolfgang Wagmann
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Vor dem Gemeinderat in Erklärungsnot: Schul- direktorin Irène Schori. (Archiv)

Vor dem Gemeinderat in Erklärungsnot: Schul- direktorin Irène Schori. (Archiv)

Andreas Kaufmann

Lauter «Grüne Ampeln» und eine Bestätigung ihrer Arbeit als Schuldirektorin seit acht Jahren sah Irène Schori in den Ergebnissen der externen Schulevaluation (vgl. Kasten). Die grossen Aufgaben wie die Zusammenführung aller Schulen unter einem Dach seien gelöst, «die Sek-1-Reform ist gelungen», hielt sie als ein besonderes Beispiel exemplarisch fest. Doch sehr skeptisch sah die Ergebnisse der Evaluation für die SP Franziska Roth. «Grundsätzlich» seien sie gut, um dann den Finger auf «einige kritische Punkte» zu legen.

Externe Schulevaluation

Das kantonale Departement für Bildung und Kultur hat die Pädagogische Fachhochschule FHNW beauftragt, die einzelnen Schulen zu evaluieren. Die Fachstelle externe Schulevaluation führt diese durch und erstattet den Schulen Bericht. Im November 2017 waren die Stadtschulen Solothurn während dreier Tage Ziel einer externen Schulevaluation.

Diese würdigt die Stadtschulen als komplexe Organisation, deren Führung es jedoch gelinge, die anspruchsvollen Aufgaben unter einem Dach zu lösen. Auch verfügten die Stadtschulen über ein attraktives schulergänzendes Angebot und zeichneten sich mit einem professionellen Auftritt nach aussen aus. (ww)

So hatte das Evaluationsteam Eingriffe der Schuldirektorin in die Schulleitung und den Umgang mit Lehrpersonen aufgrund von Befragungsresultaten kritisch bewertet. Es sei sogar bei verschiedenen involvierten Personen «eine Negativspirale entstanden in der Wahrnehmung der Arbeit der Schuldirektorin», die – so das Team – «teilweise die Grenze zur sachlichen Kritik deutlich übersteigt». Daraus folgerte Roth: «Welche Möglichkeiten haben Lehrpersonen, Kritik zu äussern, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen?» Allenfalls, meinte die SP-Votantin, müsse gar ein externes Coaching erwogen werden.

«Schätze die Lehrpersonen sehr»

«Wenn ich in die Gesichter unserer Fraktion sehe, glaube ich nicht, dass ein externes Coaching bei uns ein Thema wäre», relativierte Charlie Schmid (FDP), grundsätzlich drückten die Ergebnisse der Evaluation «grosse Zufriedenheit» aus. Auch Pascal Walter versuchte für die CVP ein unaufgeregtes Bild zu zeichnen: «Von 40 Seiten liefern 381⁄2 nur positive Berichte.» Fragen blieben für die Grünen bei Laura Gantenbein speziell zur Tagesschule offen. Sichtlich betroffen reagierte die Schuldirektorin auf die SP-Kritik. Es stünden «doch alle Ampeln auf Grün», und im Übrigen «schätze ich die Lehrpersonen sehr.»

Direkt eingegriffen habe sie bei Vakanzen in der Schulleitung, «damit der Betrieb weiter läuft». Im Übrigen würde die Evaluation gerade ihre Zusammenarbeit mit der Schulleitung positiv bewerten – diese sei primär für Weisungen an die Lehrpersonen zuständig. Sie frage sich, «ob ich hier richtig verstanden werde?» Und später, was der Gemeinderat vorhabe: «Mach ich meinen Job nicht gut?»

Nun, im Ratssaal kehrte man keineswegs zur Tagesordnung zurück. Für die SP betonte etwa Corinne Widmer: «Dort, wo die Wahrnehmungen unterschiedlich sind, muss man hinschauen.» Kritik, etwa von Pirmin Bischof (CVP) kam auf, dass keine Vertreter des Evaluationsteams dem Rat direkt Red und Antwort stünden. Und nochmals Franziska Roth bemängelte, dass nicht die Gemeinderatskommission GRK, sondern «nur» Stadtpräsident Kurt Fluri, die Ergebnisse mit der Schuldirektorin analysiert hatte – Roth hätte sich eine sogenannte Validierungs-Sitzung im grösseren Kreis, eben der GRK, gewünscht.

Fluri bestätigte seine Zuständigkeit und informierte, dass die GRK die Behandlung der Evaluation dem Gemeinderat überlassen habe. Auch sei der Kanton für die Kosten der Evaluation aufgekommen. Der Rat nahm abschliessend die Evaluation zur Kenntnis.

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