Stadtbummel

Mach dir ein (Leit-)Bild

Im Frühjahr ist der Solothurner Samstagsmarkt offen, wenns kalt ist könnte man meinen der Künstler Christo hätte den Markt eigenhändig verpackt, meint zumindest unser Autor.

Im Frühjahr ist der Solothurner Samstagsmarkt offen, wenns kalt ist könnte man meinen der Künstler Christo hätte den Markt eigenhändig verpackt, meint zumindest unser Autor.

Beim Bummel über den Wochenmarkt während der zurückliegenden Eiszeit hätte man meinen können, Christo habe einen Besuch abgestattet. Kunstvoll haben die Märetleute ihre Stände eingepackt, schliesslich sollten ihre Waren nicht einfrieren – sonst könnte die geneigte Käuferschaft gleich beim Grossverteiler zur Tiefkühltruhe marschieren. Spannend und überraschend war der Märet gerade auch in dieser Aufmachung.

Der Stadtbummler fragt sich, warum meist nur vom Samstagsmarkt gesprochen wird. Zugegeben: Der am Mittwoch ist kleiner, aber für die Liebhaber frischer Lebensmittel halt doch auch wichtig, und er wird genutzt. Erstaunt ist der Altstadtbewohner aber immer wieder über Anrufe aus der Region (die scheint recht weit zu reichen), mit denen ihm frische Eier und frisches Gemüse in direkter Hauslieferung angeboten werden.

Die Werbenden scheinen sich die Adressen nicht sehr genau anzusehen, sonst würden sie wohl kaum jemanden begrüssen, der so nah am Frischeangebot wohnt. Haben die wirklich noch nie von unseren Märkten – vergessen sei auch nicht der Buechibärger-Märet! – und deren Angeboten gehört?

Das räumliche Leitbild,die derzeit allenthalben diskutierte Basis für die Ortsplanungsrevision, kann natürlich einen Stadtbummler nicht kalt lassen. Es bewegt sich mit einigen Aussagen, basierend auf 18 Leitideen, doch in einem recht abstrakten Bereich, sozusagen am philosophischen Plafond, wie Entscheidungsfindungsforscher das bezeichnet haben. Trotzdem hilft es jetzt schon ganz praktisch weiter: Man geht wieder aufmerksamer, quasi mit anderen Augen durch die Stadt.

Sieht plötzlich wieder Sachen, die man schon immer gesehen, aber nicht mehr wirklich wahrgenommen hat. Zitiert sei hier aus dem Leitsatz 3: «Die Quartierlandschaft ist ein Abbild der Lebensqualität.» Die Quartiere unterscheiden sich, und doch gibt es Ähnlichkeiten, man beachte nur wieder einmal die Strassenraumbegrenzungen: da Häuserzeilen, dort Mauern, niedrige oder hohe, oder «Mauern» durch Büsche und Bäume gebildet. Auch hier gilt, gesehen auf die ganze Stadt: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.

Die Stadt als stimmiges Ganzes, wie Stadtpräsident Kurt Fluri im Vorwort zum «Räumlichen Leitbild» schreibt – sie kann es werden, oder vielmehr es bleiben. Am Ende werden Menschen über die Um- und Durchsetzung der aus dem Leitbild gewonnenen Massnahmen bestimmen: Anstand und Rücksicht auf den Nächsten werden eine grosse Rolle spielen, auf dass das Leitbild nicht zum Leidbild werde.

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