Zweiervorschlag

Lupi oder Schüpbach fürs Stadtpräsidium? Die Stellungnahmen der Kandidaten

Das Zweierticket der FDP für die Stadtpräsidiumswahl: Marco Lupi und Markus Schüpbach

Das Zweierticket der FDP für die Stadtpräsidiumswahl: Marco Lupi und Markus Schüpbach

Die FDP-Stadtpartei schlägt ihrer Basis zwei Kandidaturen für die Nachfolge von Stadtpräsident Kurt Fluri vor. Diese Zeitung hat bei den beiden Kandidaten Markus Schüpbach und Marco Lupi nachgefragt.

Er war schon lange erwartet worden, der Vorentscheid der FDP, mit wem sie das Amt des Stadtpräsidenten verteidigen will, das seit je in freisinnigen Händen lag. Nun hat der Vorstand der Stadtpartei beschlossen, auf den 55-jährigen Markus Schüpbach oder den 42-jährigen Marco Lupi zu setzen. Der Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung SGV und der Verkaufsleiter der GA Weissenstein werden in der Parteiversammlung vom 23. September zum finalen Showdown antreten – die Mehrheit entscheidet dann, wer im Frühsommer 2021 für die FDP um das Erbe von Kurt Fluri antreten darf.

«Im Moment zählen wir rund 170 Parteimitglieder», verweist Parteipräsident Charlie Schmid auf die Tatsache, dass nur noch eingeschriebene (und damit zahlende) Parteiangehörige bei der Kandidatur mitbestimmen dürfen. Eintritte seien allerdings noch bis zu einer Deadline im Sommer möglich, «wir verschicken diesbezüglich noch einen Mitgliederbrief.»

«Es wurden Dutzende von Gesprächen geführt»

Die Evaluation der beiden Kandidaturen oblag seit Mitte 2018 einer vierköpfigen Findungskommission, bestehend aus Feldbrunnens Gemeindepräsidentin Anita Panzer, den beiden Juristen Yves Derendinger und Beat Gerber sowie dem Amtsinhaber Kurt Fluri selbst. «Es wurden Dutzende von Gesprächen mit möglichen Kandidierenden geführt, darunter auch mit Quereinsteigern», betont Schmid. Leider, das müsse er zugeben, sei die Personaldecke bei den Frauen «sehr dünn» – niemand habe sich für eine Kandidatur zur Verfügung gestellt. «Aber wir gingen stets von zwei, drei Vorschlägen aus, nicht mehr. So ist die Ausgangslage ideal. Wir haben das Glück, zwei Kandidaten mit sehr unterschiedlichem Alter und Profil präsentieren zu können», glaubt der Parteipräsident. Er gehe davon aus, dass es wie schon 2017 durch die SP-Frau Franziska Roth eine Linkskandidatur zur Eroberung des Stadtpräsidiums geben werde – «ich rechne also nicht mit einem Schlafwagen-Wahlkampf», ist Schmid überzeugt. Dies, obwohl er selbst noch keine Anzeichen für eine Gegenkandidatur sehe.

Die CVP als Zünglein an der Waage

Wichtig ist für Charlie Schmid aber ein Schulterschluss des bürgerlichen Lagers: «Für mich ist sonnenklar, dass wir die CVP abholen müssen – wir sind auf sie angewiesen.» Womit eine Tradition weitergeführt werden könnte: Die CVP konnte dann jeweils für die Wahl des Vize-Stadtpräsidiums mit freisinniger Unterstützung rechnen.

Dass zu den bestehenden zwei Optionen bis im Herbst noch eine dritte auftauchen könnte, glaubt Schmid nicht: «Wir haben ja so viele Leute gefragt.» Wichtig sei für die FDP aber gewesen, dass «wir im Wahlkampf unbedingt den Takt angeben wollten».

«Das Stadtpräsidenten-Amt ist eine einmalige Chance für mich»

Der Direktor Markus Schüpbach, seit 2017 Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV), gefällt sein jetziger Job «sehr gut. Aber das Stadtpräsidenten-Amt ist eine einmalige Chance für mich.» Seit 2010 wohnt er mit seiner sechsköpfigen Familie im Solothurner Eigenheim am Rosenweg, das er auch bei seinem vierjährigen Abstecher als CEO des Elektrizitätswerks Thurgau nicht aufgegeben hatte. Denn «ich brauche die Nähe der Aare». 2008 bis 2010 war der Elektroingenieur stv. CEO und als Leiter Netze bei der Regio Energie Solothurn mit dem Fernwärme-Businessplan befasst. «Dort kam ich auch in näheren Kontakt mit Kurt Fluri.» Schüpbach, zuvor für Telecom-Unternehmen wie die Ascom oder Swisscom auch in Führungspositionen tätig, kann zwei Master-Abschlüsse vorweisen: einen davon an der Uni Basel für Nachhaltigkeit, den zweiten von der Fachhochschule Bern für Siedlungsentwicklung und Geotechnik.

Nachhaltigkeit ist für den erst seit 2017 gewählten Ersatzgemeinderat der FDP ein grosses Thema, «und ich will in Gesprächen den Solothurnerinnen und Solothurnern meine politische Werthaltung vermitteln». Im Amt des Stadtpräsidenten sieht er eine Führungsaufgabe – «dafür bringe ich auch Führungserfahrung mit». Er habe sich die Kandidatur als Fluri-Nachfolger «nicht einfach gemacht. Aber das Stadtpräsidium bietet ein spannendes Feld ökonomischer, sozialer und wirtschaftlicher Herausforderung.»

Der ehemalige Triathlet – er bestritt den Ironman Hawaii – und Eishockey-Juniorenschiedsrichter ist auch Mitglied im Rotary-Club. Mit einer linken Gegenkandidatur rechnet er in der Auseinandersetzung um das Stadtpräsidium ab dem kommenden Herbst; «und ich freue mich auf spannende Diskussionen im Wahlkampf». Natürlich möchte der Liberale auch «eine ganze Zeile» in der linken Wählerschaft abholen, meint Schüpbach. Sein Credo: «Ich stehe ein für eine solidarische Gesellschaft, bin aber kein Sozialpolitiker.» Doch er sei motiviert, «die anstehenden Aufgaben mit dem verwaltungsinternen Team, den politischen Partnern und im politischen Umfeld für unsere Stadt zu lösen».

«Es war für mich kein leichter Entscheid, anzutreten»

Der Politiker «Mein Leben basierte in den letzten fünf Jahren nicht darauf, dass ich Stadtpräsident werden will», meint Marco Lupi zur Tatsache, dass sein Name schon seit längerem mit der Fluri-Nachfolge in Verbindung gebracht wird. «Auch wenn das viele denken, aber akzentuiert hat sich das erst in den letzten zwei Jahren.» Lange Zeit habe er sich damit gar nicht auseinandergesetzt, «und es war für mich kein leichter Entscheid, anzutreten.» Denn das Hauptproblem sei, dass man alle jetzigen Kandidaturen mit dem Amtsinhaber von heute vergleiche – «und nicht mit dem Kurt Fluri von 1993».

In der freisinnigen Stadtpartei ist der Leiter Verkauf und Sponsoring beim lokalen Kabelnetzbetreiber GA Weissenstein längst eine etablierte Kraft: Seit 2005 gehört er dem Gemeinderat an; seit fünf Jahren sitzt er auch im Kantonsrat. Lupi – er ist verlobt – gilt als sehr gut vernetzt. So ist er aktiv in der Narrenzunft Honolulu, präsidiert das Patronat der Kulturfabrik Kofmehl und ist Co-Präsident des TV Stadt Solothurn. Ebenfalls gehört er dem Vorstand des Blumenhauses Buchegg an. Und sehr aktiv war er in den Jugendjahren als Abteilungsleiter der Pfadi St. Urs.

Marco Lupi will denn auch seine langjährige politische Erfahrung in die Waagschale werfen, «und ich bin überzeugt, dass ich das kann.» Bis jetzt sei die Politik nur ein zeitintensives Hobby gewesen, jetzt möchte er sich 110-prozentig «fokussiert für das Wohl der Stadt einsetzen». Dieser gehe es im Moment gut, und deshalb sei es wichtig, dass dies so bleibe. Er kann sich auch schon Veränderungen vorstellen, sollte er dereinst den 30-köpfigen Gemeinderat als Stadtpräsident leiten: «Manchmal wird die Politik zu spät in gewisse Projekte einbezogen. Ich möchte wieder mehr Vertrauen in das Verhältnis zwischen der Verwaltung und der Politik bringen.»

Auch bei einer Linkskandidatur findet er, die FDP biete eine gute Auswahl für den bevorstehenden Wahlkampf an. «Und unsere Politik kommt gut an, sie wird von den Solothurnerinnen und Solothurnern geschätzt», sieht er durchaus Chancen, das Stadtpräsidium auch nach Kurt Fluri in freisinniger Hand zu behalten. 

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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