Solothurn

Ludwig Hasler referierte im Haus der Kunst: «Vor uns liegt ein Reich der Möglichkeiten»

Ludwig Hasler, Philosoph und Publizist. Autor des soeben erschienenen Buches «Für ein Alter, das noch was vorhat».

Ludwig Hasler, Philosoph und Publizist. Autor des soeben erschienenen Buches «Für ein Alter, das noch was vorhat».

Mit sichtlichem Vergnügen hörte das im Haus der Kunst zahlreich erschienene Publikum – viele ältere Semester, aber auch jüngere Menschen – dem Vortrag von Publizist Ludwig Hasler zu, der mitreissend auf der Klaviatur der Sprache spielte. Immer unterhaltsam und facettenreich, gelegentlich spöttisch und humorvoll, aber stets pointiert. «Ich bin einfach ein Hybrid», kommentierte er seine referierte Themenvielfalt.

Anlassorganisatorin Franziska Roth hatte den 75-jährigen Hochschullehrer, Physiker und Philosophen, der auch als Kolumnist dieser Zeitung tätig ist, eingangs vorgestellt und ihn in seinen gesellschaftlichen Visionen gewürdigt. «Für ein Alter, das noch was vorhat», lautet der Titel seines gerade erschienenen Buches, das Perspektiven für das Älterwerden aufzeigt. Weil er sich darin mit «25 Jahre Ausruhen ist eine bescheuerte Perspektive» konkret für Lebensentwürfe in einem «Unruhestand» ausspricht, der nach der Pensionierung keine «ewige Siesta» vorsieht, rief sein Buch gemäss Hasler neben einer Fülle positiver Resonanzen auch etliche Widersprüche hervor, die er als früherer Zehnkämpfer aber sportlich wegsteckt.

Hauptkritikpunkt: er habe als Akademiker «keine Ahnung vom Schaffen», das Menschen in langer Arbeitsdauer auslauge. Heutzutage gelangten die Menschen mehrheitlich aber viel fitter an Körper und Seele in den Ruhestand, hielt er entgegen; sie würden häufig – obwohl gerne zu beruflicher Weiterarbeit bereit – «ausgemustert» wie weggelegte Schachfiguren und dies im Verzicht auf ihre jahrzehntelang erworbene Erfahrung.

«Heute sind wir mehrheitlich um die 70 vital und in der formidablen Lage wie mit 17 Jahren», machte er Mut. Vor uns liege ein «Reich der Möglichkeiten», die es dank Langlebigkeit in den geschenkten Jahren zu nützen gelte. Diese Zeit sollten wir nicht eigensüchtig verplempern, sondern ein Alter mit einer neuen Dramaturgie auch ohne die verlorene «metaphysische Überdachung» entwickeln. «Der Mensch verwirklicht sich als soziales Wesen im Engagement: Wir müssen an etwas Gemeinsamem mitwirken, das grösser ist als wir selbst», lautete seine kompakte These zur Sinnsuche. So gebe es viele Möglichkeiten, die Zukunft, auch wenn man sie nicht mehr erlebt, mitzugestalten. «Lasst uns wieder zu Akteuren werden.» Als praktisches Beispiel nannte er seinen persönlichen Einsatz für Kinder vom Balkan, die er unterrichtet und mit Freude deren Erfolge und Integrationsbemühungen verfolgt.

«Wir sollten uns über unseren Lebenskreis hinaus nützlich machen und zum Vermittler zwischen Alterserfahrung und Jugend werden. Unser Leben soll im Alter nicht «überflüssig» sein, sondern Bedeutung haben für Andere.» Hasler nannte auch Projekte wie etwa «Senioren für Senioren», die seiner Vorstellung von solidarischer gegenseitiger Hilfe älterer Menschen entsprechen. Denn acht Stunden tägliche Empathie überfordere die professionelle Altershilfe, meinte er – mitunter erfrischend ironisch gefärbt.

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