Solothurner Ludothek

Ludothek nimmt Spiele ins Sortiment, die Erinnerungen wecken sollen

Ursula Mühlemann, Sandra Flury und Theres Kurmann erproben Spiele für ein neues Ludothek-Kundensegment.

Ursula Mühlemann, Sandra Flury und Theres Kurmann erproben Spiele für ein neues Ludothek-Kundensegment.

Mit neuen Spielen für Senioren und Demenzkranke wird in der Ludothek der Stadt Solothurn eine neue Zielgruppe erschlossen. Besonders auf Memorys sprechen Demenzkranke gut an.

Während Like-a-Bikes, Trottis und Velos ihre Winterpause und gleichzeitig eine kleine Revision geniessen, sind die Brett- und anderen Spiele in der Ludothek am Patriotenweg in den kalten, grauen Monaten heiss begehrt. Die Ludothek Solothurn ist eine der grössten in der weiteren Umgebung. Die Umsatzzahlen sind seit Jahren steigend, und auch die Zahl der Kunden ist sprunghaft angestiegen. Nun soll mit dem Erwerb von Spielen für Senioren und Demenzkranke ein neuer, innovativer Weg eingeschlagen werden.

Der Co-Präsidentin Sandra Flury ist vor einigen Monaten ein Spiel aufgefallen, das sich speziell an Senioren richtet. Als kurze Zeit später eine Therapeutin nach einem Spiel für Demenzkranke fragte, liess sie das Thema nicht mehr los: «Ich suchte im Internet nach Informationen zu diesem Thema und kam bei meiner Arbeit in der Ludothek auch mit weiteren Fachpersonen ins Gespräch.»

Und bald war Sandra Flury klar: Die positiven Gefühle, die das Spielen bei ihr auslösen, werden auch für die Demenzkranken eine grosse Bereicherung sein. «Spielen aktiviert den ganzen Menschen und weckt Lebensfreude. Beim Spiel wird das Miteinander in den Mittelpunkt gestellt.»

Seltene, begehrte Spiele

Ihre Abklärungen ergeben, dass demenzkranke Senioren gut auf Memorys ansprechen. So gab sie einer Therapeutin ein für Kinder konzipiertes Memory mit, erhielt aber schon bald die Rückmeldung, dass sich die Senioren durch die kindlichen Motive nicht angesprochen gefühlt hatten. Weiter stellte das Ludothek-Team in vielen Gesprächen sowie bei Recherchearbeiten fest, dass zum Beispiel Puzzleteile aus gut greifbarem Material sein müssen und es bei abgebildeten Wörtern und Motiven wichtig ist, dass diese gross und deutlich dargestellt sind.

Tipps, welche Art von Spielen sich für Senioren und speziell für Demenzkranke eignen, fand Sandra Flury schnell viele. Schwieriger war hingegen die Beschaffung der Spiele. Doch genau dieser Punkt motivierte Flury: «Gerade weil die Produkte nicht so einfach zu beschaffen und recht teuer sind, sind sie für eine Ludothek sehr geeignet. Denn so müssen Therapeuten oder Betroffene nicht den ganzen Aufwand auf sich nehmen, sondern sie können die Spiele bei uns ausleihen.»

Mehr Auskünfte nötig

Das Ludothek-Team beschloss darum, einen wichtigen Teil des Jahresbudgets explizit für die Anschaffung dieser Spiele einzusetzen. «Eigentlich hatte ich mit zehn Spielen gerechnet, inzwischen sind es über zwanzig» , so Flury: Memorys mit Abbildungen von Gegenständen aus früherer Zeit, ein Mühlespiel aus Holz – «es ist rutschsicher und die Steine müssen gesteckt werden» – verschiedene Puzzles und Wortschatzspiele stehen ab sofort in einem speziellen Regal in der Ludothek bereit.

Damit sich das Team möglichst rasch ein Bild vom neuen Angebot machen kann, sollen die Spiele bei der nächsten Teamsitzung vorgestellt und ausprobiert werden. Denn eins ist für Flury klar: «Bei den neuen Spielen wird unser Team ganz klar mehr Auskunft geben müssen als beim bisherigen Angebot.» Doch die Co-Präsidentin ist auch der Meinung, dass man sich gerade bei diesen Spielen nicht zu sehr an die Regeln festklammern sollte. Sie kann sich gut vorstellen, dass bei manchen Personen schon nach zwei Memorybildern nicht mehr das Spiel im Vordergrund steht, sondern die durch das Bild geweckten Erinnerungen.

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