Solothurn
Ludothek kämpft gegen Vorurteile und ums Geld

Auch die Ludothek Solothurn kämpft mit dem Vorurteil in der Bevölkerung, die Institution sei lediglich ein Spielzeugverleih für kleine Kinder. Die Spielausleihe hält ihr Angebot nämlich auch für Senioren bereit.

Stefan Kaiser
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Die beiden Co-Präsidentinnen Sandra Flury und Iris Lemp vom Verein Ludothek Solothurn haben mit den Seniorenspielen zum Ausleihen schweizweit ein einzigartiges Angebot geschaffen.

Die beiden Co-Präsidentinnen Sandra Flury und Iris Lemp vom Verein Ludothek Solothurn haben mit den Seniorenspielen zum Ausleihen schweizweit ein einzigartiges Angebot geschaffen.

Stefan Kaiser

Die Ludothek leide manchmal etwas am Image, ein Spielzeugverleih für kleine Kinder zu sein, finden die Co-Präsidentinnen des Vereins Ludothek Solothurn, Iris Lemp und Sandra Flury. Tatsächlich ist der helle grosse Raum der Ludo an der Industriestrasse 5 sehr bunt ausgestattet: Gleich beim Eingang warten Regale voller Puppenhäuser und Bauernhöfe samt Zubehör und haufenweise Outdoor-Spielgeräte darauf, von Kinderhänden begutachtet und ausgeliehen zu werden, und im Raum nebenan stehen etwa 70 Fahrzeuge vom Like-a-Bike bis zum Trettraktor für die Ausleihe bereit.

Biegt man jedoch bei der Ausgabetheke im Hauptraum um die Ecke, finden sich übersichtlich nach Themen geordnet Hunderte von Brett-, Würfel- oder Kartenspielen und Puzzles für jedes Alter quasi von 0,5 bis 100,5 Jahren. Und gleich bei der Theke neben den Spielsachen für Kleinkinder steht ausserdem ein besonderes Regal mit einem Angebot, wie es für Schweizer Ludotheken einzigartig ist: Spiele, die speziell für Seniorinnen und Senioren konzipiert wurden, und die sich u.a. auch in der Pflege und Therapie hervorragend zur Aktivierung von demenzkranken Menschen eignen.

Wertvolle Pionierarbeit

«Die Idee, solche Spiele bei uns aufzunehmen, kam mir, als einmal eine Kundin ein Seniorenspiel suchte», erklärt Sandra Flury. Bei rund 2000 Spielen in der Solothurner Ludothek habe sie anfangs naiv gedacht, dass da bestimmt etwas Brauchbares zu finden sei. Aber Fehlanzeige. Gerade mal ein Memory wurde dem Bedürfnis der Kundin einigermassen gerecht. «Das fand ich sehr bedenklich und unbefriedigend», sagt Flury, «denn schliesslich möchten wir unsere Kunden auch binden, dass sie immer wieder zu uns kommen.»

Also begann sie ihre Recherchen und klapperte halb Europa und sogar Universitäten nach besonders für Senioren geeigneten Spielen ab. «Auch das Handling und die Motive auf den Spielen mussten stimmen», räumt Iris Lemp ein, denn nicht alle Senioren geben sich gerne mit Kinderspielzeug ab.

Wertvolle Pionierarbeit

Nach einem halben Jahr hatte Sandra Flury eine abwechslungsreiche Auswahl an Puzzles, Würfel-, Bewegungs- und Biografie-Spielen für Senioren zusammengestellt. Und an einer Teamsitzung sprachen sich die 15 Ludothek-Mitarbeiterinnen einstimmig dafür aus, vom eigentlich ohnehin zu knappen Budget für Reparaturen und Beschaffungen rund 1000 Franken abzuzwacken, um einen ersten Stock von gerade mal zehn Seniorenspielen anzuschaffen.

Sogar ein Konzept wurde erarbeitet, das dem Verband der Schweizer Ludotheken weitergereicht wurde. «Das war Pionierarbeit», betont Iris Lemp, «denn dieses Angebot ist unter den Schweizer Ludotheken immer noch einzigartig.»

Es fehlt die Unterstützung

Das war vor drei Jahren. Heute umfasst der Fundus 50 Seniorenspiele. Darunter hat es Puzzles und Memorys mit grösseren und dickeren Teilen, die sich besser greifen und wenden lassen. Auch die Motive darauf sind teilweise von anno dazumal und für Männer und Frauen verschieden, wodurch schöne Erinnerungen geweckt werden.

Die meisten Spiele eignen sich auch in der Pflege sehr gut zur Aktivierung von Senioren, und es sei zuweilen erstaunlich, welches Gedächtnispotenzial und welche Leidenschaften selbst bei Demenzkranken noch schlummerten, die mit einem einfachen Spiel wieder geweckt werden können. «Bei Seniorenspielen ist oft auch der Weg das Ziel», erklärt Sandra Flury, dass die Spiele nicht zwingend zu Ende gespielt werden müssten, und man durch die geweckten Erinnerungen und Erfahrungen oft ganz woanders lande als auf dem eigentlichen Zielfeld.

Aus Rückmeldungen hätten sie auch immer wieder erfahren, dass sich so mancher Altersheimbesuch mit einem Seniorenspiel viel kurzweiliger und ohne betretenes Schweigen gestaltet habe. «Wir kennen das ja auch von uns», meint Sandra Flury augenzwinkernd, «Spiele lockern eine Situation schnell auf und man lernt sein Gegenüber damit viel besser kennen».

Der Verleih der Seniorenspiele sei denn auch gut angelaufen, die Ludothek kämpfe aber immer noch gegen die eingangs erwähnten Vorurteile. Zwar konnte Sandra Flury in Altersheimen bereits Vorträge über die speziellen Spiele halten und Hemmschwellen abbauen. Was dem ehrenamtlich organisierten Verein jedoch fehlt, sind gelegentliche finanzielle Zustüpfe, um spezielle Spielwaren anzuschaffen und für den günstigen Verleih bereit zu stellen. «Schliesslich verbinden wir damit auch die Generationen», schliesst Iris Lemp, und das sollte in unserer alternden Gesellschaft mehr wertgeschätzt werden.