Das Abrissgesuch für die als erhaltenswert eingestufte «Ludervilla» am Sälirain hatte nicht nur Einsprecher, sondern auch die Politik auf den Plan gerufen: In einer Motion forderte die SP ein Inventar der erhaltenswerten und schützenswerten historischen Kulturdenkmäler der Stadt zu erstellen und diese Objekte grundeigentümerverbindlich im Bau- und Zonenreglement zu sichern.

Explizit wurde mit der Nennung der «Ludervilla» ein Zusammenhang mit dem aktuellen Abrissgesuch geschaffen, das von Architektenkreisen und Nachbarn mit einer Einsprache bekämpft wird.

Schon im Vorfeld hatte die FDP den Erstunterzeichner der SP-Motion, Philippe JeanRichard wegen allfälliger Verletzung seiner Diskretionspflicht als Vizepräsident der Baukommission kritisiert. Nun im Gemeinderat krebste der SP-Sprecher offensichtlich zurück: «Wir möchten die Motion in ein Postulat umwandeln.» Zuletzt meinte JeanRichard sogar: «Ich hatte nicht die Absicht, die Eigentümer (der Villa) zu diskreditieren.»

Er werde sich auch bei ihnen entschuldigen. Zum Grundanliegen des nunmehrigen Postulats bemerkte er, im Rahmen der Ortsplanungsrevison müsse die Liste von über 700 als schützens- oder erhaltenswert eingestuften Objekten überprüft werden: «Einzelne kann man vielleicht aus dem Inventar entlassen, andere neu aufnehmen. Aber die Grundeigentümerverbindlichkeit muss kommen», stellte JeanRichard jedoch auch klar, dass es nicht im Sinn der SP sei, wenn die Ortsplanungsrevision durch Einsprachen verzögert werde.

Eine solche Einsprachenflut hatte Stadtpräsident Kurt Fluri in seiner negativen Motionsbeantwortung befürchtet, sollte die Grundeigentümerverbindlichkeit der Unterschutzstellung in der Revision zum Thema werden.

Kein Musikgehör im Rat

Klar gegen das Anliegen der SP wandte sich für die FDP Susanne Asperger. Ohne weiter auf die «Ludervilla» einzugehen befand sie die Absichten der SP als «sehr grossen Eingriff ins Eigentum». Es könnten nicht alle 740 Objekte über einen Leisten geschlagen werden, bei manchen seien nur einzelne Teile erhaltenswert, andere als Teil eines Gesamtensembles.

Auch laufe eine zu weitgehende Unterschutzstellung dem heutigen erwünschten raumplanerischen Prinzip der inneren Verdichtung entgegen. Auch die CVP konnte sich nicht für das SP-Anliegen erwärmen, Pascal Walter befand die heutige Gesetzgebung als genügend. «Es besteht eine Gesetzeslücke», hielt seitens der SP Matthias Anderegg dagegen.

Heinz Flück fand für die Grünen, die Grundeigentümerverbindlichkeit müsse nicht unbedingt in der Ortsplanungsrevision festgelegt werden, «aber es ist wichtig, dass das Inventar der Kulturdenkmäler nicht nur erstellt, sondern auch bewirtschaftet wird.»

Alle Parteiensprecher hatten tunlichst den «Fall Ludervilla» mit dem Hinweis auf das laufende Einspracheverfahren ausgeklammert, doch Reiner Bernath (SP) konnte es dann doch nicht lassen und polterte: «Ich habe mit vielen Architekten gesprochen, und die finden es <sünd und schad>, dass die Villa abgerissen werden soll.» Ihr Erbauer, Stadtbaumeister Hans Luder, «würde sich im Grab umdrehen», wenn er sähe, wie sich seine heutigen FDP-Parteikollegen «nicht gegen den Abriss wehren».

Das änderte nichts daran, dass der Rat das Postulat mit 18 gegen 9 Stimmen bei drei Enthaltungen verwarf. Zuvor hatte Stadtpräsident Kurt Fluri nochmals vor Verzögerungen in der Ortsplanungsrevision gewarnt, sollte die Grundeigentümerverbindlichkeit in die Umsetzung einbezogen werden.