Mausefalle
Loriot steht für viele Lacher

Das Teatro Mobile unterhält sein Publikum in der Mausefalle mit den besten Sketches von Loriot alias Vicco von Bülow, der 2011 verstorben ist.

Helmuth Zipperlen
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Reto Sperisen, Francine Aregger und Patrick Kappeler spielen Loriot-Sketches in der Mausefalle.

Reto Sperisen, Francine Aregger und Patrick Kappeler spielen Loriot-Sketches in der Mausefalle.

zvg

Seine Fernsehsendungen waren Kult, seine Filme wurden zu Erfolgen und seine Cartoons waren begehrt. Viktor von Bülow entstammt einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht, dessen Wappen ein Pirol ziert. Da Pirol auf Französisch Loriot heisst, wurde dies zu seinem Künstlernamen.

Er selber hat in der Regel auch jeweils die männliche Hauptrolle in seinen Sketches verkörpert. Damit hat er dem deutschen Cabaret eine neue, sanfte, aber unterschwellig durchaus böse Note gegeben. Sechs Stühle, ein runder und ein viereckiger Tisch genügten, um die verschiedenen Schauplätze der unterschiedlich langen Sketches zu markieren. Die Ausführenden Francine Aregger, Patrick Kappeler, Reto Sperisen (in einigen Vorstellungen alternierend Leonardo Glutz) und Daniel Tschumi haben diesen Loriot’schen Ton sehr gut getroffen.

Die Dialoge sind unspektakulär, lakonisch und fast ohne Dramatik und dennoch vermögen sie Lacher auf Lacher zu erzeugen, wobei dieses Lachen oft auch ein Verlegenheitslachen ist, weil man sich in dieser Figur irgendwie selber erkennt.

Zwischenmenschliche Beziehungen und die Tücken der Objekte bilden den Inhalt der insgesamt 19 dargebotenen Nummern. Wie sich der Fernsehmacher Loriot über die Gewohnheiten der Fernsehzuschauer lustig macht, zeigt bereits der erste Sketch. Der Fernseher ist defekt, aber das Ehepaar sitzt vor dem Kasten, obwohl Mattscheibe herrscht. «Heute brauchen wir überhaupt nicht in diese Kiste zu gucken.» – «Nein, aber es sieht so aus, als würdet du dorthin blicken.» So geht es weiter bis zur Pointe, die wir natürlich nicht verraten.

Alle kriegen ihr Fett weg

Solche Ehepaar-Szenen gibt es noch einige um das Frühstücksei, das Sich-bereit-machen für den Theaterbesuch bis zum Rentner, der einfach mal in Ruhe dasitzen will, was seine Frau absolut nicht begreift. Sind Sie schon mal an einer Theaterkasse angestanden? So schlimm wie in diesem Loriot-Sketch kann es kaum gewesen sein. Ein beliebtes Sujet für sarkastische Satire bilden auch die diversen Talk-Shows im Fernsehen. Ein Filmmonster, ein Astronaut, ein Lottogewinner oder Männer aus der Finanzwelt sind dabei Opfer oder Täter. Beim Unterricht eines Jodellehrers wird gar das Publikum mit einbezogen. Eine zufällig gewählte Person – es gab vorher wirklich keine Absprache – kommt so sogar zu einem Jodeldiplom. Dass es mit der «Liebe im Büro» schief gehen wird, ist zu ahnen. Auch die Ratschläge in der «Eheberatung» sind wohl kaum tauglich. Die Suche nach Zündhölzern bei einem vergesslichen Mann ist einfach unglaublich lustig. Da kommt denn auch die Stärke der Darsteller zum Tragen, die nicht nur die Dialoge fein geschliffen sprechen, sondern auch in der Körperhaltung den Figuren Leben einhauchen.
Da kann Francine Aregger innert Kürze in die verschiedensten Frauenrollen schlüpfen und Patrick Kappeler, Reto Sperisen (Leonardo Glutz) und Daniel Tschumi verleihen den Männerrollen vom Schlipsträger bis zum Aussenseiter Profil. Erstmals zeichnet Alina Ebner für die Technik verantwortlich. Im richtigen Moment das Licht aufdrehen, wenn die Darsteller ihre Positionen eingenommen haben, erfordert viel Aufmerksamkeit. Vor allem würden die Szenen vor Publikum anders wirken als bei den Proben.