Der Landhaussaal füllte sich am frühen Donnerstagabend bis auf den letzten Platz: Es war Zeit, die 40. Solothurner Literaturtage zu eröffnen. Deren Leiterin, Reina Gehrig begann ihre Eröffnungsansprache mit dem 68er-Slogan «Trau keinem über dreissig». Ein Raunen ging durch den Saal, denn die meisten der Anwesenden waren wohl in dem Alter, in dem man also keinem mehr trauen soll.

Doch Gehrig relativierte: «Der Slogan hatte damals sicher seine Gültigkeit, denn aus der Sicht eines Jungen gab es zu jener Zeit genug, um sich darüber aufzuregen.» Es gab damals einen Konflikt der Generationen, der aber heute überwunden ist. Und so proklamierte sie: «Vierzig ist das neue zwanzig».

Bei der Vorbereitung dieser Literaturtage habe sie mit einem Team arbeiten können, welches jung, frech und wild sei – auch jenseits von dreissig. Die Literaturtage hätten einen erfolgreichen Generationenwechsel hinter sich, erklärte sie und hiess dann einige der Gründungsmitglieder der von 1979 auf die Bühne und dankte unter dem Applaus des Publikums für das damalige Engagement.

Gehrig resümierte bereits, wie die Vorveranstaltungen zu den 40. Literaturtagen ankamen. «Die erstmals initiierten Countdown-Lesungen waren ein Erfolg und die Jugend- und Kinderlesungen JuKiLi wurden von insgesamt 1900 Schülerinnen und Schülern besucht.»

Kultur- nicht Wirtschaftsförderung

Stadtpräsident Kurt Fluri trat danach ans Rednerpult und meinte, der Erfolg der Literaturtage zeige sich im Gleichgewicht von Konstanz und Wandel. Er hob hervor, dass Solothurn die Literatur – und damit die Kultur im Allgemeinen – sehr gerne habe und die Kulturförderung sehr ernst nehme. «Oftmals hören wir die Kritik, wir würden uns in der Kulturförderung verzetteln. Doch es ist wichtig, alle Kulturschaffenden zu fördern und nicht nach dem ökonomischen Rückfluss zu fragen», betonte Fluri. «Es geht schliesslich um Kulturförderung und nicht um Wirtschaftsförderung.» Er rief die Kulturschaffenden auf, weiterhin sensibel auf die gesellschaftlichen Tendenzen zu reagieren. «Klopft uns Politikern auch mal auf die Finger.» Den Literaturtagen wünsche er noch viele fruchtbare Jahre – «im Interesse unserer Gesellschaft.»

Als weiterer Redner stellte sich Franz Hohler ans Pult und meinte, er werde immer öfter gefragt, wie es damals war. Wohl ein Zeichen des Alters. So las er eine Geschichte, die er im Jahr 1968 geschrieben hatte und mit der er humorvoll die damalige Starrheit in der Schweiz anprangerte. «Es hat zwar bei uns noch zehn weitere Jahre gedauert, bis sich die Erstarrung löste», so Hohler. Und dann schaute er in die Zukunft und zitierte die Statistik: «Jeder Schweizer isst rund 50 Kilogramm Fleisch pro Jahr und er liest 2,8 Bücher. Und jeder Autor fragt sich: Bin ich das Buch Nummer zwei, oder wenigstens das hinter dem Komma?». Dennoch rief er den Jungen zu: «Schreibt drauflos! Irgendjemand wird es hören und lesen.» Und so kam es auch. Die Jung-Autoren Alexandre Hmine, Jessica Zuan, Judith Keller und Thomas Flahaut lasen aus ihren Erstlingen. Zeichnerin Albertine und Bassist Michael Pfeuti sorgten für visuelle und musikalische Zwischentöne.